Schnell mal übers Wochenende weg, möglichst viel von der Welt sehen? Solche Kurztrips machen sich schnell massiv auf dem CO₂-Konto bemerkbar. Das muss nicht sein.

Sich Gedanken um die Umwelt machen und trotzdem übers Wochenende mal schnell nach Italien jetten – das passt nicht gut zusammen. Einer im Mai veröffentlichten Studie zum ökologischen Fußabdruck zufolge beträgt der Anteil reisebedingter Treibhausgasemissionen acht Prozent. Parallel sprießen Billigairlines wie Laudamotion und Wizz Air nur so aus dem Boden. Laut Emissionsrechner des Unternehmens Atmosfair kostet – ja, kostet! – ein Flug von Wien nach Rom pro Kopf etwa 409 kg und nach Berlin durchschnittlich 247 kg CO₂. Der Schienenverkehr kostet die Umwelt, also uns alle, hingegen durchschnittlich 13,6 Gramm CO₂ pro Personenkilometer, der Fernbus 55,9 (nach Tabelle des Bundesumweltamtes). Gerade für Kurztrips ist das Reisen mit Bus und Bahn bequem und unkompliziert, für 60 Euro kommt man gemütlich über Nacht von Wien nach Florenz und zurück. Das Unternehmen Flixbus testet außerdem aktuell auf Kurzstrecken Elektrobusse mit Strom von Greenpeace Energy und will damit langfristig einen weiteren Schritt in Richtung umweltschonendes Reisen machen. Firmenangaben zufolge spart der eine E-Bus auf der Teststrecke Franfurt-Mannheim insgesamt 82 Tonnen CO₂ jährlich gegenüber einem Bus mit Verbrennungsmotor ein. 

Airbnb or not Airbnb?

Hin und zurück kommen ist aber nur die halbe Miete: Geht man ins Hotel, oder sucht man sich ein schönes Airbnb? Ursprünglich war es die Idee der Plattform, ungenutzten Wohnraum zu teilen und damit für alle Beteiligten einen Vorteil zu schaffen. Reisende können günstig wohnen und Hosts verdienen etwas an sonst leerstehendem Raum.

Florenz.

Inzwischen hängt das Unternehmen irgendwo zwischen undurchsichtig und illegal, während die Regierungen nach Regelungen suchen. Größte Probleme haben Tourismusregionen mit der gewerblichen Nutzung von Wohnraum, der ausschließlich für Reisende angeboten wird, und fehlenden Abgaben, denn diese werden bei Vermietung über Airbnb oft einfach nicht abgeführt. So brach die Stadt Wien im Oktober die Verhandlungen mit dem Unternehmen über die Ortstaxe ab. Sie sollte gesammelt von Airbnb verwaltet und überwiesen werden, das Unternehmen war hierzu nicht bereit. Bis auf Weiteres müssen die Abgaben daher von den einzelnen VermieterInnen abgeführt werden, doch: Die Wohnungen sind selten angemeldet und es ist kaum nachvollziehbar, wer wie viel mit Airbnb verdient und welche Abgaben zu leisten sind. 

Nachhaltigkeit ist kein Kriterium auf der Plattform Airbnb.

 Gleichzeitig wird an der Einführung von Airbnb Plus gearbeitet. Hier sind zwar Design, Ausstattung und Komfort wichtige Elemente, damit die Datenbank mit Einzigartigkeit gefüllt wird. Darüber, wie stark der Aufenthalt in einer der Airbnb-Wohnungen den eigenen ökologischen Fußabdruck vergrößert, wird aber nichts verraten – nicht einmal in einer Feigenblattversion. Nachhaltigkeit ist kein Kriterium. 

Die finnische Biokraftstofffirma Neste erstellte deshalb gemeinsam mit der Agentur TBWA Helsinki die Kategorie »Sustainable Home«. Auf der Website Zerobnb.com findet sich nach eigener Aussage so lange eine Liste von nachhaltigen Unterkünften auf Airbnb, bis Airbnb die Kategorie selbst einführt und Zerobnb damit überflüssig macht. Diese Liste ist bisher noch relativ überschaubar und nicht sehr übersichtlich gestaltet, aber immerhin ein erster Ansatz und ein erstes Angebot für alle, die jene GastgeberInnen, die überhaupt Angaben zu umweltrelevanten Faktoren machen, unterstützen wollen. 

Biowein mit Locals trinken

Nehmen wir also an, Reisende suchen tatsächlich authentische und besondere Erfahrungen abseits von Museum und TouristInnenfallen: Es ist für Fremde eben oft gar nicht so einfach, sich unter die Einheimischen und in deren Freizeitaktivitäten zu mischen. Da muss man mitunter schon der Typ für experimentelle Kennenlernaktionen sein. Auch hier gibt Airbnb Hilfestellung, um Erlebnisse abseits vom Mainstream zu ermöglichen – teilweise sogar explizit familienfreundlich: »Entdeckungen« bzw. »Experiences« heißt das im Airbnb-Sprech.

Streetart in Florenz.

Als Alleinreisende und aus Neugier wurde meine ganze Reise um genau diese herumgeplant. So saß ich vormittags mit einem Rotwein in einem winzigen Laden auf einer Trittleiter, aß Hühnerleberpastete vom regionalen Bauernhof auf selbst gebackenem Brot und ließ mich aus dem Wissensfundus einer Historikerin mit Kulinarikschwerpunkt berieseln. Ich entdeckte ein System hinter Unterschieden bei mir an sich bekannten Gerichten – die verschiedenen Küchentraditionen Italiens. Nachmittags traf ich auf einer Street-Art-Walking-Tour eine der KünstlerInnen und erfuhr, dass die Wandkunst in einer von der Renaissance geprägten Stadt vor allem versucht, diese Kunst modern interpretiert aus dem Museum auf die Straße zu holen und damit zugänglich zu machen. Und in einer Weinbar wurde ich nebenbei zur Expertin für EU-Richtlinien für biozertifizierten Wein, während ich selbst gemachte Bioravioli aß. Diese Erfahrungen waren nicht nur interessant, weil die Themen so spannend waren, sondern weil die Menschen, die die »Experiences« anboten, mit viel Freude dabei waren und sie so tatsächlich besonders machten. 

Man kann auf Airbnb aus sehr guten Gründen generell verzichten. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe, denn meine Erfahrungen haben meinen Aufenthalt in Florenz besser gemacht. Ich konnte mit Locals und ExpertInnen ihre Leidenschaft teilen und habe dabei nie mehr als 40 Euro bezahlt.

Die meisten »Erfahrungen« bei Airbnb sind nicht explizit »bio« oder wirken direkt ökologisch nachhaltig, aber: Es dauert nicht lange, bis man in den Kategorien »Natur« und »Essen & Trinken« auch in dieser Richtung fündig wird. Und außerdem werden viele dieser Aktivitäten dadurch nachhaltig, dass sie umweltschonende Alternativen zu einem ansonsten oft recht umweltschädlichen TouristInnenverhalten darstellen. Diese Möglichkeit hätte sich ohne so eine Plattform – und es gibt eben aktuell noch nichts Vergleichbares in dieser Größenordnung – wohl kaum ergeben.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #58 erschienen

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