Ein kleiner Schritt für einen Menschen…

P5190873… aber ein großer Schritt für einen Mechanik-Konzern. Mit dem Steps-System gelang Shimano vor zwei Jahren ein großer Wurf um seine Rolle in der Fahrradbranche zu halten. Was kann der Steps-Antrieb im Modelljahr 2016?

Shimano ist einer der ganz großen Platzhirsche in der Fahrradbranche. Fast jeder, der Rad fährt, hatte schon einmal ein Rad mit Schaltung oder Bremse vom japanischen Konzern. Seit einigen Jahren mischt Shimano auch auf dem Markt für eBike-Antriebe mit. Und das ist gar nicht so logisch, sondern bemerkenswert. Schließlich ist die Fahrradbranche seit einem Jahrhundert eine ausgesprochen mechanische, in die heute immer mehr Unternehmen drängen, die aus dem High-Tech und Elektronik-Bereich kommen. Zum Beispiel Bosch oder Panasonic mit elektrischen Antriebs- und Akkusystemen. Mit dem Steps-System, einem Antrieb, das bei ganz verschiedenen E-Bikes zum Einsatz kommt, betreibt auch Shimano die Elektrifizierung der Radbranche. Seit 2014 ist der Steps-Antrieb auf dem Markt, nachdem Shimano 2010 bereits mit einem eigenen E-Antriebs-Konzept gescheitert war.

Den Shimano Steps Antrieb in der neusten Variante für das Modelljahr 2016 haben wir neulich getestet, montiert auf einem Testrahmen aus solidem Stahlrohr. Der hatte ein unglaubliches Gewicht deutlich jenseits der 20 Kilogramm. Die Stufen, die von der Straße zum Fahrradkeller, zum Innenhof oder zur Wohnung zu überbücken sind, werden so natürlich zum echten Hindernis. Zum Glück bietet der Shimano-Steps eine Gehhilfe. Soll heißen: Der Antrieb hilft beim Schieben des Rades mit. Beim Stufenerklimmen soll das eine Hilfe sein – im Praxistext allerdings machte die elektrische Unterstützung keinen großen Unterscheid, sobald es kurze Treppen hinaufging. Aber letztlich geht es ja auch um den Fahrbetrieb. Und auf seinem ureigenen Terrain – dem Radweg – kann sich der Shimano Steps Antrieb wirklich sehen lassen.

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2,5 Kilogramm wiegt der Antrieb in der getesteten Variante, bei der der Akku unter dem Gepäckträger über dem Hinterrad montiert ist. Der bietet neuerdings eine Kapazität von 500Wh. Die Antriebseinheit an der Kurbel wiegt noch einmal 3,2 Kilogramm. Sie leistet 250W bei einem Drehmoment von 50 Newtonmetern.

Die Vorzüge von E-Bikes bzw. Pedelecs haben sich inzwischen herumgesprochen: auch wer kein großer Freund ausgedehnter Radtouren ist, kann dank elektrischer Unterstützung seine Reichweite deutlich erhöhen. Wer gerne zügig mit dem Rad unterwegs ist, spart durch den E-Antrieb Kraft beim Beschleunigen aus dem Stand oder nach Kurven. Wer mit dem Rad ins Büro fahren möchte, aber ungern verschwitzt ankommt, der erhält mit dem E-Antrieb eine echte Alternative zu Auto, Bus oder Bahn auf der Kurzstrecke zum Arbeitsplatz.

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Gerade wer viel auf städtischen Radwegen unterwegs ist, weiß, wie nervig rote Ampeln sind. Das Anhalten und Wiederanfahren bringt aus dem Tritt und zerstört oft die flüssige Fahrt durch die Stadt. Springt eine Ampel auf grün, dauert es eine Weile, bis man seine gemütliche Fahrgeschwindigkeit wieder erreicht hat. Die Unterstützung aus dem Akku sorgt hier für mehr Fahrspaß dank zügiger Beschleunigung.

Was der Steps-Antrieb den Modell einiger Mitbewerber hier voraus hat, ist die Automatikschaltung. Ist man an der Ampel erst einmal zum stehen gekommen, schalten die Narben-Schaltung automatisch in einen niedrigen Gang. Das hat was.

Während der Fahrt stehen unterschiedliche Modi zur Wahl, die beim Treten unterschiedlich viel Unterstützung liefern. Eco (30 Nm), Normal (40 Nm) und High (50 Nm) nennen sich die Stufen beim Shimano System. Andere Hersteller bieten da mehr Differenzierung. Insgesamt bietet Shimano aber ein ordentliches E-Package an. Damit wird es gelingen, Marktanteile zu behalten, auch wenn die Konkurrenz groß ist und die Nase ein Stück weit vorne hat. Je leichter der Rahmen, desto mehr Spaß macht das Ganze natürlich.


Mehr Infos zum Shimano-Steps System gibt es hier

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