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Photovoltaik im Himalaya – A fairytale comes true

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Ingrid Gumpelmaier-Grandl mit dem Team der Näherei in Nepal Bild: Fairytale

Ingrid Gumpelmaier-Grandl mit dem Team der Näherei in Nepal
Bilder: Fairytale

„Ich mache nicht Mode, weil ich denke, dass die ganze Welt auf meinen kreativen Beitrag wartet. Ich mache das weil es viel zu wenig gibt, was unter richtigen Bedingungen produziert wird.“ Ingrid Gumpelmaier-Grandl hat mit ihrem Label Fairytale ein märchenhaftes Angebot für bewusste Konsumentinnen geschaffen. Ein weiterer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Klimabündnis-Betrieb ist eine Photovoltaik-Anlage auf der Näherei in Nepal. Die Suche nach Investoren läuft noch bis Ende Dezember. BIORAMA sprach mit der Gründerin über fairen Handel, Crowdfunding und die Rolle ihrer Kundinnen bei der Weiterentwicklung nachhaltiger Mode.

 

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BIORAMA: Fairytale produziert in Kathmandu, mitten in einem sehr armen Land. Welche Lebensumstände herrschen dort und wie passt das zu Fairytale?

Ingrid Gumpelmaier-Grandl: Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Kathmandu liegt in einem Himalayatal und ist eine Hauptstadt der Dritten Welt. Es herrscht Landflucht, die Leute kommen mit vielen Hoffnungen in die Stadt, um Arbeit in den zwei Hauptwirtschaftszweigen zu finden: Himalaya-Tourismus und textile Produktion. Ich sage absichtlich nicht Textilindustrie, weil es sich um kleinste Einheiten handelt, in denen die Leute nähen, oft einfach am Straßenrand. Ich wollte eine kleine, transparente Schneiderei, das hat gut zu diesen Strukturen gepasst. Ich habe einen Betrieb gesucht, der schon für den freien Markt produziert, damit nicht alle sofort abhängig von mir sind – ich wusste ja auch nicht, ob mein Geschäftsmodell funktioniert.

Natürlich gibt es in Kathmandu Schwierigkeiten, das Müllproblem ist riesig, es beeinträchtigt die Menschen und ihr Gesundheitssystem stark. Auch kulturell sind die Differenzen zu Europa groß. Das Kastenwesen herrscht vor, das zeigt sich vor allem in der Bildung, die bei weiten Teilen der Bevölkerung viel zu kurz kommt. Dabei ist diese grundlegend für Wirtschaftsbeziehungen. Die weißen Händler können durch ihr Geld und Auftreten die Leute leicht über den Tisch ziehen. Die Menschen können oft gar nicht kalkulieren und verstehen, ob sie fair behandelt werden. Das zu lernen und selbstbewusst aufzutreten ist auch Teil eines Fairtrade-Projekts. Ich möchte die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Näherei als Menschen respektieren und vor allem als gleichwertige Handelspartner.

Ihr habt euch für eine Photovoltaik-Anlage entschieden, weil das der Vorschlag eurer Partner in Kathmandu war. Wie kam diese Idee, ist diese Technik in der Gegend bekannt?

Der Besitzer der Schneiderei hat zwei Jahre in Deutschland gelebt und in Europa die Ausbildung als Hochgebirgsführer gemacht. Viele, die im Himalaya-Tourismus arbeiten, machen das so. Er kennt die Europäer gut und ist ein umtriebiger Netzwerker. Einfache Techniken sind in Nepal schon im Einsatz, viele Europäer kommen ja durch den Himalaya-Tourismus hin und bringen ihre Ideen ein. Da Fairytale auch Klimabündnis-Mitglied ist, haben wir über Umweltfreundlichkeit gesprochen und über alternative Möglichkeiten der Stromversorgung zum Dieselnotstromaggregat, das während der stundenlangen täglichen Stromausfälle benutzt wird. Nachhaltigkeit sollte an beiden Enden der Welt passieren: bei uns Recycling-Kartons verwenden reicht nicht, ich will auch in Nepal  umweltfreundlich produzieren.

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Bei Fairytale wird auf Nachhaltigkeit und Fairness Wert gelegt. Wieso fiel die Entscheidung auf eine Crowdfunding-Initiative und gegen ein Crowdinvesting, bei dem die Menschen im Gegenzug zu ihrem Investment auch beteiligt werden?

Die Leute haben die erste Idee von Crowdfunding gut angenommen, bisher bin ich auch überwältigt von der Unterstützung. Ich wollte bewusst kein Crowdinvesting, wo die Leute beteiligt werden. Die Investoren sollen eine einmalige Gegenleistung bekommen aber keine dauerhaften Ausschüttungen. Ich finde, dass die Firma dafür noch zu klein ist. Die Situation ist heikel, die Rechtslage dieser Finanzierungsformen nicht ganz geklärt, daher würde ich sie auch nicht für ein Fairtrade-Projekt wählen. Heini Staudinger (Anm. d. Red.: Vorreiter der Crowdfunding-Bewegung in Österreich) bewundere ich sehr, ich unterstütze auch die Bewegung, aber ich möchte nicht an der Front der Debatte stehen. Ich denke, das ist bei diesem Betrag auch nicht nötig. Unsere Initiative läuft eher in kleinem Rahmen und gilt für ein konkretes Unterfangen. Ich weiß auch noch nicht, ob wir zukünftig ähnliche Modelle benutzen werden, denn ich denke, man sollte das nicht ausreizen.

Eine klare Aussage im Crowdfunding-Aufruf war, dass es nicht um Almosen geht. Warum siehst du das so?

Viele Leute wollen das als Spende sehen, machen das freiwillig und wollen auch keine Gegenleistung. Doch es gibt auch viele, die z.B. an einem Workshop sehr interessiert sind und sich das eben leisten. Für mich ist vor allem auch das Gefühl wichtig, dass ich nicht einfach um Geld bitte. Das Signal ist so ein ganz anderes. Allein der Einkauf ist das Bezahlen eines Aufpreises für faire Kleidung ist ja auch ein Beitrag, den die Leute aus ideellen Gründen in Kauf nehmen. Doch sie erhalten immer eine faire Gegenleistung.

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Wie sehen das die Arbeiterinnen und Arbeiter in Kathmandu? Haben sie den Eindruck, durch Spenden unterstützt zu werden, wie ist die Stimmung bezüglich des Projekts?

Zur Zeit ist es aufgrund vieler Streiks und Aufstände schwierig, zu skypen oder zu mailen, außerdem waren jetzt einige Feiertage. Mir ist es wichtig, die Leute in der Schneiderei über die Kampagne am Laufenden zu halten. Sie sollen mitbekommen, wie groß die Unterstützung hier ist! Bei meinem nächsten Besuch werde ich den Näherinnen und Stickerinnen noch einmal genau den Hintergrund erläutern. Der ständige Dialog ist wichtig, um die Essenz einer fairen Handelspartnerschafft zu erfassen.

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Die Photovoltaik-Anlage ist ein Beispiel dafür, dass man gemeinsam Probleme lösen kann. Ich finde es wichtig, dass diese Menschen respektiert und nach ihren Wünschen gefragt werden. Das betone ich deshalb, weil ich oft erlebt habe, wie verächtlich viele Händler den Produzenten begegnen. Dieses Verhalten der westlichen Geschäftsleute hat einiges zerstört, daher muss ich immer wieder kommunizieren, dass ich Partnerin und nicht Auftraggeberin bin. Anfangs hat es mich manchmal geärgert, wenn die Kommunikation nicht funktioniert hat, weil sich für mich hier manchmal Probleme ergeben haben, an die die Menschen dort gar nicht denken. Ihre Vorstellung ist oft nicht kompatibel mit der Wirtschaftswelt, in der wir leben. Aber man muss sich in eine ganz andere Kultur hineindenken, ich habe dabei auch viel dazugelernt. Genau darum heißt es ja „Entwicklungszusammenarbeit“.

Gibt es weitere Zukunftspläne des Unternehmens, welche Investitionen werden noch nötig sein?

Als kleines Unternehmen mit großem Verantwortungsgefühl seinen Partnern gegenüber ist es wichtig, langsam zu wachsen. Zum Beispiel der Umstieg auf Bio-Baumwolle war ein großer Schritt, der erst abgesichert werden musste, bevor man etwas Neues angeht. Fairytale soll natürlich weiter wachsen, aber ich habe großen Respekt vor großen Sprüngen nach vorne. Einiges würde ich aber nach dem Projekt Solipower gerne in Angriff nehmen. Der Bio-Baumwolle-Anteil soll weiter steigen. Die Beleuchtung muss auch verbessert werden, das ist auch wichtig für die Qualität. Außerdem gibt es zum Beispiel kaum Absicherung oder Pensionen in Nepal, alles funktioniert durch Klan-Wesen. In dieser Richtung würde ich gerne etwas einrichten, aber das geht immer nur nach Absprachen. Ein weiterer Punkt ist die Nachfrage nach Kinder- und Männermode, die mich immer wieder erreicht.

Fairytale ist nicht Fairtrade-zertifiziert – warum?

Erst, wenn das Unternehmen groß genug ist, möchte  ich mich zertifizieren lassen. Ich strebe das an, auch für die Kunden ist das Fairtrade-Siegel wichtig, aber momentan ist das noch eine Frage der Kapazitäten. Ich arbeite zur Zeit eigentlich rund um die Uhr, auch die finanzielle Frage stellt sich.

Wieso sind die Konsumenten da doch nicht so kritisch oder sind die Kundinnen kritisch ?

Ein Mangel an Interesse ist es keinesfalls, unsere die Kundinnen hinterfragen viel und sind sogar sehr kritisch, interessieren sich für Materialien etc. Wer das Engagement von Fairytale sieht, ist meist im Reinen mit dem, was wir tun und tun können. Die Kundinnen verstehen, dass einfach nicht alles möglich ist. Immerhin ist Fairytale in Nepal ein Pionierprojekt was den fairen Handel betrifft. Ich sehe Kundinnen als Wegbegleiterinnen, die uns  helfen, dass sich Fairytale  auch weiterentwickeln kann. Ständiger Dialog mit Läden und Kundinnen ist dabei sehr wichtig, denn es gibt ja immer einen wichtige Grund,warum Dinge so sind, wie sie sind und die Partner haben ein Recht darauf zu wissen, warum wir etwas wie machen.

 

Das Crowdfunding-Projekt Solipower läuft noch bis 21. Dezember 2013. Die verschiedenen Möglichkeiten der Beteiligung und mehr über das Projekt erfährt man auf www.fairytale-fashion.at oder auf igg.me/at/SOLiPOWER

 

 

 

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