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Mit Satellitentechnik gegen Raubfischerei

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Neue Technologien machen die Routen der Fischereiboote auf den Ozeanen sichtbar. Illegale Fischerei und Überfischung sollen so gestoppt werden.  

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»30 Prozent der gefangenen Fische weltweit werden illegal gefischt«, sagt Alfred Schumm, Leiter des globalen Fischereiprogramms des WWF, »das ist eine Wahnsinns-Zahl«. Aber was tun? Jahrelang befasste sich Schumm mit diesem globalen Problem. Vor vier Jahren kam dann die Erleuchtung. 2012 ist es ihm und seinen Kollegen gemeinsam mit dem Münchner Technologieunternehmen Navama gelungen, eine Technik zu entwickeln, die Routen von Fischereibooten aufzeichnet und nachvollziehbar macht. So können auch illegale Fischer geortet und getrackt werden. Aber eines sagt Schumm gleich zu Beginn: »Was wir mit dieser Technologie erreichen wollen, ist, die Aktivitäten auf offener See transparent zu machen. Wir sind nicht dazu da, um schwarze Schafe zu fangen, sondern Fischereien zum nachhaltigem Management zu motivieren.« Bis heute hat Schumm mit Andreas Struck, dem Geschäftsführer von Navama, dieses Monitoring-System mit dem Namen »seeOcean« permanent weiterentwickelt und die Daten ausgebaut. Dabei spielt das Automatic Identification System (AIS) eine zentrale Rolle.

Der weltweite Schiffsverkehr im Januar 2015. Die gelben Linien zeigen einen sehr dichten Verkehr, die roten Verkehrslinien eine mittlere Dichte und blaue Linien eine sehr niedrige Verkehrsdichte an.

Der weltweite Schiffsverkehr im Januar 2015. Die gelben Linien zeigen einen sehr dichten Verkehr, die roten Verkehrslinien eine mittlere Dichte und blaue Linien eine sehr niedrige Verkehrsdichte an.

Weltweites Spurenlesen per Satellit

Mittlerweile ist es weltweiter Standard, dass Schiffe auf dem Meer einen so genannten AIS-Transceiver eingebaut haben. Mit diesen Transceivern, die aussehen wie kleine Modem-Kästchen, kommunizieren die Schiffe untereinander, um Kollisionen zu verhindern. »seeOcean« verwendet die GPS-Daten dieser Geräte, um diese zu orten und ihre Spur sichtbar zu machen. Das geschieht weltweit flächendeckend per Satelliten. Sie fangen die AIS-Funksignale auf und senden die Daten gebündelt zu ihren Bodenstationen. Dort werden die Daten dann auf einem Server zur Verfügung gestellt.

Derzeit arbeitet »seeOcean« mit den Daten von 17 Satelliten. Aber: Das sind nicht nur AIS-Satelliten. Denn, zu wissen wo sich ein Schiff befindet und wie schnell es fährt, reiche nicht. Man müsse auch wissen wie die Wetterlage ist, sagt Struck, um abschätzen zu können, was das Schiff auf hoher See genau macht.

»Mit den Informationen über die Geschwindigkeit und die Richtung können wir die Bewegungen nachzeichnen. Und wenn man das kombiniert mit Wind, Wetter und Wellendaten, dann kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit interpretieren, was das Schiff tut«, sagt Schumm. Wir können zum Beispiel nachverfolgen, ob das Schiff für die Gebiete, in denen es sich befindet, eine Lizenz hat, ob es Bodenschleppnetzaktivitäten durchführt und beispielsweise jahrhundertealte Kaltwasserkorallen zerstört. »Dann werden wir als WWF natürlich auch aktiv und nehmen Kontakt mit den entsprechenden Fischereien auf und verhandeln mit ihnen«, erklärt Schumm.

Auf eine Frage hat die Technologie aber keine Antwort gefunden: Noch ist es nämlich nicht möglich, Schiffe ohne AIS zu orten. Schumm und seine Kollegen können aber erkennen, ob das Schiff sein System während einer bestimmten Strecke ausgeschaltet hat. Denn: Obwohl die International Maritime Organization AIS-Systeme zum internationalen Standard erklärt hat, sind Fischereien, zumindest global, davon ausgenommen. Ein AIS-System müssen beispielsweise nur Frachter oder Passagierschiffe installiert haben. Aber mittlerweile haben auch Nationalstaaten wie USA, Argentinien oder die EU für das Fischen in ihren Gebieten AIS-Pflicht für Fischereischiffe eingeführt. Auch der Senegal und Mosambik überlegen AIS für Fischereien verpflichtend einzuführen. Zusätzlich haben Staaten individuelle Vessel Monitoring Systems (VMS), um den Schiffsverkehr zu kontrollieren. Diese funktionieren aber nur national.

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Teure Anonymität

Derzeit arbeiten WWF und Navama daran, AIS noch günstiger zu machen, damit auch Kleinfischer dieses ganz einfach einsetzen können. Schließlich würden die meisten Fischer bereits freiwillig mit diesem Kommunikationssystem arbeiten, sagt Schumm, und sich auch für eine Transparenz in der Fischerei einsetzen. Auf die Frage, warum Fischereien freiwillig ein Interesse haben, AIS zu installieren, hat Schumm eine klare Antwort: »Kein Fischer, der die eigene Zukunft im Blick hat, unterstützt Überfischung oder will für illegale Fischerei verantwortlich gemacht werden.« Außerdem sei es für Fischereien mittlerweile kostspieliger und anstrengender geworden, anonym zu bleiben, als sich AIS zu installieren, erklärt Struck. Und das ist auch das erklärte Ziel des WWF-Monitoring-Programms »TransparentSea«: Durch mehr Transparenz eine faire und zukunftsfähige Fischerei zu ermöglichen.


Wir haben uns schon einmal mit nachhaltigen Fangmethoden beschäftigt, und zwar hier

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