Eco-Hotspots: Montreal

In Montreal trotz meterhohem Schnee Fahrrad fahren, Füchse sichten oder mitten in der Stadt gärtnern? – Blaise Remillard zeigt seine Lieblingsplätze und die Eco-Hotspots der quebecer Stadt.

Vor zwölf Jahren hat sich Blaise entschlossen, in einem Viertel Montreals Wurzeln zu schlagen. Dadurch hat er auch begonnen, sich politisch zu engagieren – als politischer Aktivist und in der Degrowth-Bewegung. Er ist Gründungsmitglied zweier Organisationen, die sich für eine CO2-neutrale Gemeinde und einen Lebensstil mit geringem ökologischen Fußabdruck engagieren – »Villeray en transition« (2011) und und »La Remise« (2015). Diese Arbeit gegen den Klimakollaps hat ihn auch dazu gebracht, bei Freizeitreisen auf das Flugzeug zu verzichten, kein Fleisch mehr zu essen und es in Betracht zu ziehen, doch noch einmal Vertrauen in die Menschheit zu setzen: Seit zwei Jahren ist er auch Vater.

2,1 Meter hoch wird der Schnee in Montreal. Das ist immerhin das Dreifache dessen, was in Oslo fällt. (Bild: Zvi Leve)

Winter-Fahrradstraße Boyer Street

Blaise Remillard: Im Jahr 1964 hat unser kanadischer Nationaldichter Gilles Vigneault »My country is not a country, it’s winter« geschrieben. Und tatsächlich ist der Winter mit den 2,1 Metern Schnee, die hierzulande fallen (das Dreifache dessen, was in Oslo fällt), möglicherweise so prägend wie die Verfassung (die wir noch nicht haben). Unter diesen Witterungsbedingungen kann Radfahren jedenfalls zur Herausforderung werden. Richtig ausgerüstet kann es aber trotzdem eine regelrechte Freude sein, und das Winter-Fahrradfahren ist im letzten Jahrzehnt beliebt geworden. Besonders schön: wenn die Stadt einem die Fahrradstrecke täglich von Schnee befreit! Diese, an der Boyer Street, ist Teil meiner täglichen Route und gehört zu den am besten gewarteten Straßen.

Remillard ist Gründungsmitglied von der Kooperative La Remise und auf dem Foto vorne in der Mitte zu sehen. (Bild: Alexis Côté)

La Remise, Bibliothèque d’outils

La Remise ist eine Kooperative, die Werkzeug verleiht. Ihre Mitglieder können auf mehr als 1.500 Werkzeuge und Geräte zugreifen. Hört auf, Dinge anzuhäufen! Bei uns kann man für einen Mitgliedsbeitrag von 40 Euro im Jahr so ziemlich alles ausborgen. Das Inventar besteht zu einem erheblichen Teil aus Spenden, und das Team besteht ausschließlich aus freiwilligen Helfern. La Remise versucht, den DIY-Gedanken und einen minimalistischen Lebensstil zu promoten und bietet gleichzeitig Zugang zu einer großen Auswahl an Gebrauchsgegenständen. Es werden auch Tischler-, Näh- und Fahrradreparaturworkshops abgehalten. Außerdem bringt es Menschen zusammen, darunter auch solche, die nicht unbedingt zu den Öko-Fundis zählen. Ich bin ein stolzes Gründungsmitglied.

Der zentral gelegenen Berg Mount Royal ist das zu Hause von einigen bedrohten Tierarten, unter anderem auch vom Fuchs. (Bild: Stéphane Cantin)

Mont Royal

Mitten in Montreal thront Mount Royal. Der Berg ist der Überrest 120 Jahre alten Magmas, das unter der Erdoberfläche erstarrt ist. Vor 13.000 Jahren war die zwei Kilometer dicke Sedimentschicht, die ihn bedeckt hat, erodiert, und die drei Gipfel bildeten einen kleinen Archipel im Atlantik. 2 km² davon sind heute mein Lieblingspark, wegen seiner zentralen Lage und wegen einer atemberaubenden Diversität an Tieren, Pflanzen – und Menschen. Auch viele bedrohte Tierarten kommen hier noch vor.

Außerdem spaziere ich gerne durch die zwei Friedhöfe, die in den Hügeln liegen. Nicht die naturbelassensten Orte, aber die ruhigsten, voller großer alter Bäume (du kannst einen umarmen, keiner schaut dir zu!) und besonderer Fauna wie dem großartigen Rotfuchs im Bild (in Mitteleuropa als »Fuchs« bekannt, weil der Rotfuchs hier der einzig verbreitete Fuchs ist, Anm. d. Red.).

In Remillards Nachbarschaft findet sich ein Urban-Gardening Projekt. (Bild: Sylvie Trépanier)

Mange-Trottoir

Vor vier Jahren haben ein paar kluge Freiwillige einige Randstein-Begrenzungen entlang der Hauptstraße meiner Nachbarschaft in einen essbaren Garten verwandelt. Und es schaut fantastisch aus! Ich genieße es heimlich, zu sehen, wie Passanten ihren Schritt verlangsamen, lächeln, lernen, wie hier Nahrung wächst und wie viel Freundlichkeit diese Form des Guerilla-Gardenings ausstrahlt.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #53 erschienen

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