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Das Gänseblümchen: die Heilpflanze des Jahres 2017

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Die Heilpflanze des Jahres 2017: das Gänseblümchen (Foto: Paula Polak)

Genügsam, essbar und geeignet als „Wiesenpflaster“ – doch bei Männern schlecht für die Potenz: Wildblumen-Gärtnerin Elke Holzinger im Gespräch über das Gänseblümchen, die Heilpflanze des Jahres 2017.

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2017 wird das Gänseblümchen als „Heilpflanze des Jahres“ gefeiert und gewürdigt. Hat dich diese Entscheidung des Naturheilvereins NHV Theophrastus überrascht?
Elke Holzinger: Nein, eigentlich nicht. Ich finde es sehr gut, dass eine Pflanze ausgewählt wurde, die fast jeder kennt und noch dazu – wenn vorhanden – in seinem Garten hat oder zumindest fast überall vor seiner Haustür finden kann. Viele kennen das Gänseblümchen aus der Kindheit und wissen, dass man es essen kann, aber dass es auch heilkräftig ist, wissen die meisten vermutlich (noch) nicht. Und großer Vorteil vom Gänseblümchen: es ist das ganze Jahr hindurch vorhanden, selbst im Winter unter der Schneedecke.

Viele Menschen mögen Gänseblümchen. Für viele ist der Korbblütler aber wohl auch ein eher unscheinbares Gewächs. Warum verdient es mehr Aufmerksamkeit?
Elke Holzinger: Das Gänseblümchen ist wie schon gesagt nicht nur eine wunderbare und gesunde Aufwertung unserer Speisen und Getränke (Salate, Suppen und Smoothies), sondern auch eine wichtige Pflanze im Medizinschrank derer, die sich die Heilkräfte der Natur zunutze machen wollen.

Was ist denn das Heilsame am Gänseblümchen, wie kann ich seine Wirkstoffe am besten nutzen?
Elke Holzinger: Das Gänseblümchen ist blutreinigend, regt den Stoffwechsel an, wirkt leicht abführend (nicht zu viel essen, sonst kann man Durchfall bekommen), krampf- und schleimlösend (als „Arnika der Kinder“ ist es also gut als Hustentee), sollte aber nicht in der Schwangerschaft eingenommen wird, da es eventuell wehenfördernd wirkt. Es ist außerdem schmerzstillend und lässt sich als „Wiesenpflaster“ verwenden: einfach Kopferl zerdrücken und auf kleine Wunden z.B. Insektenstiche geben, oder als Kinderwundheilsalbe mit Blütenköpfen. Aber Vorsicht: bei Männern schläft die Potenz ein :-).

Das Gänseblümchen gilt als genügsam, wächst auf stickstoffarmen Böden und verschwindet von selbst, wenn wo stark oder zu viel gedüngt wird. Heißt das im Umkehrschluss, dass ich Gänseblümchen überall ohne Bedenken pflücken und nutzen kann, weil die Böden, auf denen sie gedeihen eh höchstens behutsam bewirtschaftet und genutzt werden?
Elke Holzinger: 
Darauf würde ich mich nicht verlassen. Man sollte immer nur dort sammeln, wo man auch weiß, dass mit Sicherheit nicht gedüngt wird – weder mineralisch (Kunstdünger), noch organisch (Gülle, Hundeexkremente). Als am besten im eigenen Garten oder vom eigenen Balkonkisterl raus sowie von der Wiese eines Bauern, den ich aber unbedingt vorher um Sammelerlaubnis bitte und mich nach der Düngung erkundige. Weitere Tabuzone sind natürlich Straßenränder!

Wenn ich keinen eigenen Garten habe und weiß, dass bei mir kein Gift gespritzt wird: Worauf habe ich denn beim Sammeln und Pflücken von wild wachsenden Gänseblümchen und Kräutern zu achten?
Elke Holzinger: Wie gesagt: die Erlaubnis des Grundbesitzers, keine gedüngten Standorte und nicht in Straßennähe sammeln. Auch nicht entlang von beliebten Hunde-Spazierwegen. Und am besten vormittags oder am späten Nachmittag. Auch immer nur so viel ernten, wie man selber braucht (auch an andere denken, v.a. Tiere und auch an die Erhaltung der Artenvielfalt – also nicht den Bestand völlig plündern. Aber das ist bei Gänseblümchen eh nicht so leicht (lacht).

Ist der Boden arm an Stickstoffen fühlt sich das Gänseblümchen (bellis perennis) besonders wohl. (Foto: Paula Polak)

Wild Food ist einer der großen Food-Trends. Abgesehen davon, dass ich beim Sammeln dessen, was ich verzehre, darauf acht geben sollte, wo es gewachsen ist: Was gibt es rechtlich zu berücksichtigen, wenn ich mich aus der wilden Natur ernähren möchte?
Elke Holzinger: 
Es braucht unbedingt die Erlaubnis des Grundbesitzers. Und Hände weg von geschützten Pflanzen (z.B. Arnika) und den besammelten Pflanzenbestand nicht leerernten. Als Faustregel: mindestens zwei Drittel stehen lassen: ein Drittel für die Tiere – und ein Drittel für die Arterhaltung.

„Heilkräuter wirken vorbeugend und unterstützend, ersetzen aber nicht den Arzt!“, warnt Elke Holzinger. (Foto: Paula Polak)

Eure Bio-Gärtnerei „Wilde Blumen“ hat sich wie zur Gänze auf Wildblumen spezialisiert. Das heißt: Ihr sammelt selbst Wildsamen und kultiviert Pflanzen, die eigentlich wild vorkommen und verhelft diesen dann zur Geltung in Gärten und auf Balkonen. Spielen Gänseblümchen bei euch eine Rolle?
Elke Holzinger: 
Herbert Pointl, unser Vorgänger und Begründer unserer Firma, hatte sie schon im Programm, wurde dann liebevoll von manchen Prachtstaudengärtnern als „Unkrautgärtner und -züchter“ bezeichnet. Und auch die Nachfrage war nicht sehr hoch bis vernachlässigbar. Deshalb haben wir die Gänseblümchen aus unserem Sortiment wieder herausgenommen. Falls die Nachfrage aber aufgrund der Ernennung zur Heilpflanze 2017 steigen sollte, wäre es wieder zu überlegen und kein Problem.

Wenn ich will, dass sich Gänseblümchen wohl fühlen: Was kann ich Garten oder auf dem Balkon dazu beitragen?
Elke Holzinger: 
Gänseblümchen lieben lehmige, eher nährstoffreiche Böden und häufigen Schnitt, da sie als Rosettenpflanze relativ niedrig bleiben und so schnell von anderen Pflanzen und v.a. Gräsern überwachsen werden. Apropos Wohlbefinden: Heilkräuter wirken vorbeugend und unterstützend, ersetzen aber nicht den Arzt!

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Thomas Weber

Herausgeber

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