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Streit um Food-Coops: Endlich Einigung in Oberösterreich

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Bei den Food-Coops in Österreich gibt es naturbelassenes Obst und Gemüse vom Bauern aus der Region. (Foto: Elisabeth Steinhäusler)

Mitglieder von Food-Coops kaufen Produkte von Bauern aus der Region. Die Wirtschaftskammer in Oberösterreich sah darin einen Verstoß gegen das Gewerberecht. Der Streit wurde nun endlich beigelegt.

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Jeden Freitag, zwischen 17:00 und 19:00 Uhr, fährt Elisabeth mit ihrer kleinen Tochter zum Lager in Scharnstein in Oberösterreich, um Obst, Gemüse und Teigwaren zu kaufen. Es ist das Lager der Food-Coop „Fairteiler Scharnstein“. Der gemeinnützige Verein hat hier eine Drehscheibe für den Kauf und Verkauf naturbelassener, saisonaler und regionaler Produkte von Bauern aus der Umgebung aufgebaut. Man kann auch Waren wie Bio-Schinkenspeck, Fruchthonig oder Bürsten kaufen.

Aber es ist kein Geschäft – und das ist der springende Punkt. „Es ist gut, dass es jetzt eine Regelung gibt, weil es ein Graubereich war. Von dem her war es eh gut, dass mal was vorgefallen ist“, meint Elisabeth, selbst aktives, ehrenamtliches Mitglied der Food-Coop. Die 27-Jährige spricht damit die von der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) angedrohten Anzeigen gegen fünf oberösterreichische Food-Coops im Frühjahr dieses Jahres an. Die WKOÖ hegte den Verdacht der „unbefugten Gewerbeausübung“ und forderte in ihrem Brief an die Food-Coops einen Gewerbeschein. Nach etlichen „Runden Tischen“ mit Vertretern von Food-Coops, Landwirtschaftskammer OÖ, Bio Austria OÖ, WKOÖ, Wirtschaftsressort und Umweltressort des Landes Oberösterreich wurden nun Regeln zur Abgrenzung der Food-Coops zum Handelsgewerbe festgelegt. „Es ist nie zu Klagen oder Anzeigen gekommen“, berichtet Dominik Dax von der Bio Austria, selbst Mitglied zweier Food-Coops.

Bio-Gemüse vom Nachbarn

Elisabeth ist derzeit in Elternkarenz mit ihrem Baby, daher kann sie im Moment ihren „Fairteilerdienst“ – so bezeichnet der Verein die ehrenamtlichen, aber verpflichteten Dienste seiner 50 Mitglieder – nicht so intensiv ausüben. Aber wenn sie Zeit findet, macht sie im Lager Ordnung, erstellt auf der Homepage Blog-Artikel und betreut die Facebook-Seite. Und sie bezahlt 9 Euro Mitgliedbeitrag. Dieser wird etwa für die Miete, Strom und Heizung für das Lager verwendet. Für all das bekommt sie u.a. ihr frisches Biogemüse aus der Region, was ansonsten gar nicht so selbstverständlich ist. „Wir sind über unseren Gemüselieferanten sehr froh“, meint die Behindertenpflegerin. Die Alternative wäre sonst Gemüse aus dem Supermarkt aus dem Ort, welches mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus ganz Europa geliefert wird.

Elisabeth bei ihrem „Fairteilerdienst“ im Food-Coop-Lager. (Foto: Elisabeth Steinhäusler)

Spielregeln

Rund 80 solcher Food-Coops soll es in Österreich geben. So genau weiß man es nicht, agieren sie doch alle selbständig für sich. „Food-Coops sind Teil einer neuen gesellschaftlichen Strömung unter Konsumenten, die auf Ernährungssouveränität beruht. Selbstbestimmung spielt dabei eine zentrale Rolle, Solidarität ebenso“, erklärt Dax. Keine Öffnungszeiten, keine Bedienung und kein Vollsortiment, das ist Food-Coop. Nun gibt es festgelegte Spielregeln für die Mitglieder der Gemeinschaft. So dürfen etwa Lieferanten nicht Mitglied der belieferten Food-Coop sein, dürfen Waren nur an Mitglieder verkauft werden und die Warenübernahme und -ausgabe darf nur an zwei Halbtagen in der Woche erfolgen. Diese und weitere vereinbarte Regeln müssen befolgt werden. Ansonsten „empfehlen wir, eine entsprechende Gewerbeberechtigung für den Lebensmittelhandel anzumelden, sonst muss die Tätigkeit eingestellt werden“, meint Manfred Zöchbauer von der WKOÖ in einer Aussendung.

„Vernünftiges Nebeneinander“

Diese Regeln wurden bis jetzt befolgt und werden mit aller Wahrscheinlichkeit auch weiterhin befolgt werden. Denn für Food-Coop Mitglieder ist in erster Linie wichtig, dass sie selbstbestimmt entscheiden, was sie in welcher Menge von wem kaufen. Nicht die wirtschaftliche Vorteile sind ausschlaggebend. Auf der Website des „Fairteiler Scharnstein“ ist zu lesen: „Wir versuchen eine persönliche Verbindung zwischen Konsument, Produkt und Hersteller aufzubauen, zu vernetzen und es uns beim Abholen der bestellten Waren gemeinsam gemütlich zu machen.“

Wurden im Frühjahr vonseiten der WKOÖ noch Bedenken hinsichtlich der Konkurrenz zu den Nahversorgern in den Orten geäußert, lässt man in Oberösterreich nun wieder den Frieden einkehren und bemüht sich mit der Regelung um „ein vernünftiges Nebeneinander zwischen Food-Coops und dem gewerblichen Lebensmittelhandel“, so Zöchbauer.

Das gemeinschaftliche Miteinander ist einer der Grundsätze einer lokalen Food-Coop-Gruppe. (Foto: Elisabeth Steinhäusler)

Zukunftsszenario „Gemeinschaftsläden“

Dax, von der Bio Austria, denkt bereits einen Schritt weiter. Mit sogenannten „Gemeinschaftsläden“. Mit diesem Modell will er Konsumenten ansprechen, die genauso Wert auf biologische und regionale Produkte, „aber keine Lust oder Zeit für eine ehrenamtliche Mitgliedschaft haben, aber trotzdem ein Mitspracherecht haben wollen“. Im Rahmen des Projekts „Appetit auf Zukunft“ möchte der „Food-Coop-Geburtshelfer“ Vertriebskanäle ermöglichen, die auch hunderte Mitglieder zählen könnten. Natürlich mit Gewerbeschein. Dax erläutert: „Ein Zukunftsszenario. Es ist eigentlich abgeschaut aus anderen Ländern, wie zum Beispiel eine Art Food-Coop in New York mit 5.000 Mitgliedern, wo es Supermarktkassen gibt. Da rennt es ganz anders. Es gibt verschiedene Arten von Mitgliedschaften. Ich hab mir gedacht, das könnte auch in Österreich interessant sein“.

Die Mitglieder des „Fairteiler Scharnstein“ werden dieses Modell wahrscheinlich eher nicht nachahmen. Geht es hier doch stark um das Miteinander. Jeder kennt jeden. Elisabeth ist wichtig, dass sie ihrer kleinen Tochter „ein anderes Konsumverhalten“ vorlebt. „Ein anderes als das, das jetzt stattfindet: im Supermarkt, der Konsumwahn, dass alles weggeschmissen wird. Ich möchte ihr einfach eine andere Normalität zeigen“.


Eine längere Geschichte: Food Coops versus Wirtschaftskammer

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