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Der erste vegane Sportverein

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Der Triathlet Kristof Wöginger hat uns erklärt, weshalb es Sinn macht, als Veganer in einem veganen Sportverein zu sein, warum es mehr solcher Vereine geben sollte, und welche Sportarten mit einem veganen Lebensstil unvereinbar sind. 

BIORAMA: Was beschreibt dich besser? Veganer in einem Sportverein oder Sportler in einem Veganerverein?

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Kristof Wöginger: Im Prinzip bin ich sowohl Veganer als auch Sportler, immer und überall.

BIORAMA: Wieso brauchen Veganer einen eigenen Sportverein und welche Vorteile bietet die Sportsektion der VGÖ ihren Mitgliedern?

Kristof Wöginger: Der primäre Sinn hinter dem Team Vegan.at ist es Aufklärungsarbeit zu leisten und Präsenz zu zeigen. Sei es mit der sportlichen Leistung in jedem Alter, dem Logo auf dem Gewand oder mit dem Vereinsnamen auf den Ergebnislisten. Des weiteren ist es für alle Mitglieder angenehm zu wissen, von einem veganen Trainer gecoacht zu werden, der es versteht auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Ernährungsgewohnheiten einzugehen. Außerdem ist es für alle erfreulich, sich bei Vereinstreffen in einem vegan-freundlichen Lokal zusammenzufinden und nicht darüber diskutieren zu müssen, warum man nicht einmal eine Ausnahme macht und das Joghurt Dressing auf dem Salat isst. Zu den speziellen Vorteilen zählen die gemeinsamen Trainings, ob im Kraftraum, in der gemieteten Schwimmbahn oder auf der Laufbahn, die Trainingslager, gemeinsames Antreten an Wettkämpfen und Meisterschaften, Sammelbestellungen, Networking und Fortbildungsmöglichkeiten. Weiters gibt es Vergünstigungen bei diversen Sport-Fachgeschäften und bei der persönlichen Trainingsplanung sowie Coachings durch die vereinseigenen Trainer. Ebenso steht dem Team ein veganer Sportarzt zur Verfügung. Der ursprüngliche Gedanke zur Gründung des Teams war die Möglichkeit Sportler zu Meisterschaften zu schicken. So haben wir beispielsweise mit Thomas Unger schon einen Österreichischen Meistertitel im Trail Marathon ergattert und heuer wird Sabrina Lederle an der Weltmeisterschaft im 24 Stunden Lauf in Belfast teilnehmen. Für diese besondere Leistung erhält sie Unterstützung vom Verein, einem Trainer sowie einem weiteren Betreuer.

Wir fördern auch Kinder und Jugendliche und freuen uns über alle sportbegeisterten jungen Menschen, die sich bei uns melden.

BIORAMA: Was sind die Ziele der Sportsektion der Veganen Gesellschaft?

Kristof Wöginger: Neben der Förderung des Nachwuchs-, Breiten- und Leistungssports, eint unsere Mitglieder der Wunsch öffentlichkeitswirksam zu zeigen, dass Veganismus und Sportlichkeit keinen Widerspruch darstellen. Das soll aber nicht gleichzeitig dazu führen, dass wir uns physisch und moralisch als Übermenschen präsentieren. Wir wollen den alten Klischees wie „vom Salat schrumpft der Bizeps“ entgegentreten.

BIORAMA: Findest du, es sollten auch andere Vereine sich speziell für Veganer gründen?

Kristof Wöginger: Ja, unbedingt. Sei es darum, um Sportarten zu fördern, die bei uns nicht repräsentiert sind oder darum, um auch in anderen Bundesländern Fuß zu fassen, Trainings anzubieten und an Landesmeisterschaften teilzunehmen. Soweit ich informiert bin, sind wir weltweit der erste vegane Verein, der Mitglied bei einem Fachverband war. Wir freuen uns ganz besonders wenn es andere vegane Gruppen schaffen, ihren Status offiziell zu machen. So wie Laufen gegen Leiden in Deutschland.

BIORAMA: Was sind die Vorteile veganer Ernährung, speziell für Sportler?

Kristof Wöginger: Ich bin jemand, der aus ethischen Gründen vegan ist. Somit liegt der Vorteil für mich darin, dass ich ruhigen Gewissens sagen kann, ich gebe mein Bestes um Leiden bei allen Lebewesen sowie Schaden an der Umwelt zu vermeiden. Das geht für mich auch über eine vegane Lebensweise hinaus, aber da möchte ich jetzt nicht zu sehr ausschwenken.

Eine vegane Ernährung bedeutet nicht gleich, dass man sich gesund ernährt. Genauso wenig, dass sich Omnivore zwangsläufig ungesund verköstigen. Aber, um es kurz zu sagen, mit einer ausgewogenen veganen Ernährung und Bewegung kann man allen Zivilisationskrankheiten bestmöglich aus dem Weg gehen.Vor allem, wenn es um kardiovaskuläre Erkrankungen geht. Im allgemeinen gilt, dass man durch eine rein pflanzliche Ernährung neben Ballaststoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen wesentlich mehr Mikronährstoffe und eine günstige Verteilung an Makronährstoffen zu sich nimmt. Für Sportler*innen bedeutet dies eine schnellere – um das Wort Regeneration zur vermeiden – Anpassung an das Training.

BIORAMA: Gibt es Sportarten, die für eine vegane Lebensweise ungeeignet sind?

Kristof Wöginger: Ungeeignet in dem Sinn ist keine Sportart für vegan lebende Personen. Allerdings gibt es einige Sportarten, die wir nicht als vegan kompatibel erachten.

BIORAMA: Gilt der Reitsport eigentlich als vegan?

Kristof Wöginger: Reiten ist vegan. Also das respektvolle Miteinander von Mensch und Tier ist immer vegan. Kommt es aber soweit, dass Tiere für einen Sport – also Reitsport – benützt werden und sie eine Leistung erbringen müssen, dann endet für uns die Förderungswürdigkeit dieser Sportart. Gleiches gilt für jeglichen Schießsport und ebenso Biathlon.

Wenn es soweit kommt, dass Tiere für einen Sport ausgenützt, verletzt oder getötet werden, dann ist dieser Sport sicher nicht vegan. Dies betrifft unter Anderem Angeln, Bullriding, Rodeo oder Stierkampf.

BIORAMA: Du bietest professionelle Ernährungsberatung an. Was sind die Grundpfeiler einer sportlichen Ernährung?

Kristof Wöginger: Im Team bieten Sportwissenschaftler und Trainer eine Beratung zu den Themen Wettkampf- und Sporternährung an. Sollte es zu komplexeren Themen kommen, verweisen wir gerne zu veganen Diätologen.

Aber auch das Thema der Sporternährung ist ein sehr weitläufiges Kapitel, das ich hier mit wenigen Worten zusammenfasse.

Wichtig ist erstens: eine ausgewogene abwechslungsreiche Küche mit hohem Rohkost Anteil, zweitens: ausreichend (den Umständen entsprechend angepasste) Flüssigkeit, drittens: das richtige Timing der Einnahme, viertens: die, den Umständen entsprechende, Verhältnismäßigkeit der Komponenten.

Es benötigt für eine optimale Sporternährung eine Situations- und Bedarfsanalyse. Über eine Kamm kann man da nichts scheren, da jeder Mensch und jede Disziplin jeder Sportart unterschiedliche Bedürfnisse generiert.

BIORAMA: Viele Sportler, vor allem Kraftsportler, ernähren sich gerne aus großen Plastikeimern mit Proteinpulver. Die gibt es auch vegan. Was verhilft auf vegane Weise zu Muskelaufbau?

Kristof Wöginger: In erster Linie ist das spezifische Training für den Muskelaufbau wichtig. Der passende Reiz zur optimalen Zeit an den notwendigen Muskeln und du hast schon mal das Meiste richtig gemacht. Um es etwas zu präzisieren: Muskelaufbau ist nur ein Teil der diversen Arten an Krafttrainings. Doch ist es bei allen für einen anabolen Effekt hilfreich unmittelbar nach dem Training eine Protein – Kohlenhydrat Mischung zu sich zu nehmen. Das Verhältnis und die Gesamtmenge schwankt dabei je nach Person, Ausrichtung des Trainings und Zeitpunkt der Einnahme. Im Grunde ist zur veganen Proteineinnahme folgendes zu sagen: Die erhältlichen Sorten (z.B. Lupine, Reis, Hanf, Erbse, Chia oder Kürbis) enthalten alle essentiellen Aminosäuren. Mit Mischungen wie z.B. aus gekeimten braunen Reis, Hanf und Erbse wird ein günstigeres Aminosäuren Profil erreicht.

Man muss das Thema aber nicht zwangsläufig für alle Sportler*innen verwissenschaftlichen. Durchschnittlichen Breitensportler*innen ohne Meisterschafts Ambitionen reicht eine Kombination aus Training und ausgewogener Ernährung.

BIORAMA: Hat man als veganer Sportler, der regelmäßig an Wettkämpfen teilnimmt, häufig Probleme mit der gebotenen Standard-Verpflegung?

Kristof Wöginger: Nein. Wenn eine Strecke oder ein Wettkampf so lange und herausfordernd ist, dass man auf energiereiche Nahrung und isotonische Getränke während des Bewerbs angewiesen ist, dann besteht zumeist auch die Möglichkeit seine Eigenverpflegung für die Labestationen abzugeben. Bei unbekannten Produkten erkundigen wir uns auch gerne mal im Vorhinein beim Hersteller über die Inhaltsstoffe. Aber im Normalfall gibt es immer etwas Obst und Wasser. Für Ultra Trails nehmen unsere Athleten, wie auch alle anderen Teilnehmer, einen Rucksack für ihre Verpflegung mit. Wir haben auch schon erlebt, dass Veranstalter extra für uns eine vegane Verpflegung bereitstellen.

BIORAMA: Gibt es eigentlich im Profisport viele Veganer?

Kristof Wöginger: Ja, es gibt welche. Wieviele es genau sind oder waren, wage ich nicht zu beurteilen. Es werden aber scheinbar stetig mehr, obwohl manche schon vor „längerer“ Zeit auf eine vegane Ernährung zur Leistungsoptimierung gesetzt haben.

Beispiele für Veganerinnen und Veganer im Leistungssport
Leichtathletik Andrea Diethers, Morgan Mitchell und Carl Lewis sowie Scott Jurek und Vlad Ixel (Ultra Lauf)
Triathlon Madi Serpico, Brendan Brazier und Arnold Wiegand (Ultra Triathlon)
Fußball Selim Aydemir (HFC), Andreas Luthe, Marco Sailer (Darmstadt 98), Daniel Adlung (TSV 1860), Sarah Freutel, Janina Meißner und Vanessa Martini
Cycling Simon Geschke und Franz Preihs
Kraftsport Alexander Dargatz, Jim Morris, Torre Washington und Patrick Baboumian
Kampfsport Melanie Fraunschiel, Claudia Grammelspacher und Mac Danzig
Weitere Sportarten David Cespiva (Eishockey), Felix Maly (Eisschnelllauf), Nicola Geuer (Tennis) und Jan Zimmerman (Volleyball).

Kristof Wöginger wurde 1978 in Wien geboren. Er ist Vorsitzender des Vorstands des Team Vegan.at, arbeitet als Triathlon- und Leichtathletiktrainer sowie als Kampfrichter. Er lebst schon seit 2001 vegan. 

 

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