Brot erobert die Welt

In Deutschland und Österreich gehört Brot zur Kultur, aber auch weltweit wird es mehr gegessen denn je. Sogar in Japan greifen die Menschen mittlerweile beim Frühstück lieber zu Brot als zu Reis.

(Bild: Thomas Stollenwerk)

Deutsche Brotkultur ist seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe – damit reiht es sich neben die neapolitanische Pizza, chinesische Kalligrafie und andere kulturelle Errungenschaften in die Liste des immateriellen Erbes der Menschheit ein. Über 3200 verschiedene Rezepte sind beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks registriert. Natürlich kann Deutschland nicht allein das Lebensmittel als Teil seiner Kultur beanspruchen. Bereits 2010 wurde die Kärntner Lesachtaler Brotherstellung als UNESCO-Kulturerbe angemeldet. Im Lesachtal backen traditionell Frauen im hauseigenen Ofen das Brot.

Bei der Lesachtaler Brotherstellung spielt der Anbau des Korns ebenso eine wichtige Rolle, wie die hauseigenen Öfen. (Bild: Daniel ZUPANC / TVB Lesachtal)

Asien kommt auf den Brotgeschmack

2016 erreichte Japan ein neues Rekordtief beim Reiskonsum mit 54 Kilogramm pro Kopf. Ähnlich ist die Situation in Südkorea. Dort werden Jahr für Jahr weniger Reis- und dafür mehr Weizenprodukte verspeist. 2015 gaben die 51 Millionen Koreaner mit 5,1 Milliarden Euro (6,7 Billionen Won) weit mehr für Backwaren aus als die 82 Millionen Deutschen mit 4,3 Milliarden Euro.

Zum wachsenden Brotkonsum in Fernost tragen Veränderungen in der Arbeitswelt bei. In Japan, Südkorea und China befinden sich mehr Frauen in fester Anstellung als je zuvor. 2010 waren bereits 40 Prozent der Arbeitskräfte in den genannten Ländern weiblich. Die traditionelle Vorstellung von der Hausfrau, die in der Früh aufwacht und Reis zubereitet, wird abgelöst von der Mutter, die schnell ein Stück Brot auf den Teller legt, damit sie rechtzeitig in die Arbeit gelangt.

Während weltweit weniger Reis Konsum wird, ist der Brotkonsum am steigen. (Bild: Susanne Nilsson)

Zusätzlich fördert das steigende Angebot an europäischen und amerikanischen Bäckereien die Beliebtheit des Nahrungsmittels. Von Malaysia bis Japan finden sich Filialen von teuren, ausländischen Bäckereibetrieben, wie der französischen Kette »Brioche Doree« oder der amerikanischen »Magnolia Bakery«.

In der koreanischen Hauptstadt Seoul gibt es bereits seit 2002 die deutsche Bäckerei »Ach so! Lecker«. Der Inhaber Heo Sang-hoi hat in Dortmund studiert und bei seiner Rückkehr nach Korea entschieden, »authentisch deutsche« Brote belegt mit Schinken oder Gouda in seiner Heimat zu verkaufen.

In der Akademie des Deutschen Backhandwerks erlernen Menschen aus aller Welt, wie deutsches Brot gebacken wird. (Bild: Expect Best)

Gebackener Kulturexport

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat diese Entwicklung erkannt. Die Akademie des Deutschen Backhandwerks hat daher das »Diploma in German Baking« eingeführt. In vier Wochen lässt sich dort für 4.000 Euro in englischer Sprache das Backen von Brot, Brezeln und Kuchen erlernen. Auch das Lesachtal exportiert das eigene Handwerk. In der japanischen Hauptstadt Tokio findet sich ein Backhaus nach Vorbild eines Lesachtaler Hauses. Den Ofen dafür fertigte ein Österreicher an, und auch die japanischen Bäckergesellen wurden im Lesachtal ausgebildet. In Zukunft besteht daher die Hoffnung, im Ausland viel häufiger auf die Heimat zu treffen – wenn auch nur in Form eines runden Laibs Schwarzbrot.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #53 erschienen

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