Seit Jahrtausenden stellen Menschen Tinte aus pflanzlichen und sogar tierischen Stoffen her. Aus Blüten können mit Haushaltsgeräten und wenigen Zutaten Farben zum Schreiben gewonnen werden. Eine schöne Beschäftigung in der herbstlichen Jahreszeit.

In digitalisierten Zeiten ist ein handgeschriebener Brief oder ein Büchlein mit handschriftlichen Notizen etwas ganz Besonderes. Noch eine Spur individueller werden diese Nachrichten und Aufzeichnungen, wenn sie mit selbst gemachter Blütentinte verfasst wurden. Zum Malen sind die Farben natürlich ebenfalls geeignet. Und auch Geschenkpapier lässt sich mit Blütenfarbe hervorragend gestalten.

Tinte aus Blüten bietet eine bunte Vielfalt

In einem Artikel von Planet Wissen heißt es, dass die Menschen im alten Ägypten schon vor 5.000 Jahren vor allem schwarze Rußtinte und rote Tinte aus eisenoxidhaltiger Erde verwendeten. Dies ist vermutlich die erste Tintenart, die von Menschen produziert wurde. Etwa 300 v. Chr. wurde von den Römern die stark säurehaltige, schwarzblaue Eisen-Gallus-Tinte erfunden. Von dieser wurde das beschriebene Papier durch freigesetzte Schwefelsäure mit der Zeit geradezu zerfressen.

Mit Blütenfarbe gefärbtes Geschenkpapier.

Mit Blütenfarbe lässt sich auch wunderbar Geschenkpapier selbst machen. Bild: Silke Rosenbüchler.

Im Mittelalter wurden für die aufwändige Buchmalerei verschiedenfarbige Tinten hergestellt. Die Alchimisten experimentierten mit pulverisierten Mineralien, darunter giftige Substanzen wie Arsen und Grünspan, aber auch mit Pflanzenteilen wie Beeren, Wurzeln und Rinde sowie mit Blüten, etwa die vom Duftveilchen oder der Korn- und Mohnblume. Hier tauchte also erstmals Blütenfarbe als Tinte auf.

Grundrezepte für Blütenfarbe

In ihrem Buch »Zauberhafte Blütentinten« gibt Silke Rosenbüchler detaillierte Informationen und eine schrittweise, reichlich bebilderte Anleitung zur Herstellung von Blütentinte. Sie nennt drei verschiedene Grundrezepte: Blütentinte aus Presssaft, durch Kochen oder Erhitzen unter Zugabe von Alaun und durch das Einlegen in Essig.

Das Rezept mit Essig braucht im Vergleich zu den anderen beiden Methoden eine Ruhezeit. Bild: Silke Rosenbüchler.

Das wird gebraucht:

Die benötigten Zutaten für die Blütenfarbe sind: Die Blütenblätter (frisch oder getrocknet), Kaliumaluminiumsulfat (Alaun), Ascorbinsäure, Backpulver, Essigessenz, Hirschhornsalz, Gummi arabicum, Natron, Zitronensäure, ggf. Wein und ätherische Öle.

Die Grundausstattung an Geräten besteht für alle drei Methoden aus:

  • Teesieb oder -filter
  • Löffel
  • Tintenfläschchen mit Etikett

Je nach Rezept wird außerdem benötigt:

  • Presssaft: Mörser und Stößel, Glas oder Schüssel
  • Kochen oder Erhitzen: Kochtopf mit Kochlöffel, Messbecher, Schere, Glas/Schüssel
  • Einlegen in Essig: Kleines Schraubverschlussglas, Messbecher, Gefäß zum Auffangen der Tinte, eventuell Holzstab

So wird’s gemacht – Drei Kurzanleitungen für Blütenfarbe:

Presssaft: Etwa zwei bis drei Hand voll unbehandelter Blüten im Mörser nach und nach fein zerreiben, bei trockenen Blättern ggf. etwas Wasser hinzufügen. Blütenbrei vorsichtig in Tee- oder Kaffeefilter in einem stabilen Teesieb füllen, das Sieb dabei über ein Auffangglas hängen. Den Blütensaft durch das Sieb pressen und anschließend die Tinte (bestenfalls mit einer Pipette) in ein gut verschließbares Gefäß füllen und noch etwas Gummi arabicum hinzugeben.

Bei der Presssaft-Methode werden die Pigmente der Blüten durch auspressen gewonnen. Bild: Silke Rosenbüchler.

Kochen und Erhitzen: Einen großen Kochtopf halbvoll bis voll mit unbehandelten getrockneten Blütenblättern füllen, 60 ml Wasser und einen TL Alaun hinzugeben und vorsichtig erhitzen. Den Sud nur ganz leicht köcheln lassen und nach etwa fünf bis 25 Minuten wie bei der Presssaft-Methode durch einen Filter und ein Sieb vorsichtig in ein Gefäß auspressen. Die Blütenfarbe in ein gut verschließbares Gefäß umfüllen und etwas Gummi arabicum hinzufügen.

Einlegen in Essig: Kleines Einmachglas mit reichlich getrockneten oder frischen Blüten füllen und mit Essigwasser (ein Teil Essigessenz mit drei Teilen verdünnt) auffüllen, so dass alle Blütenblätter damit bedeckt sind. Ggf. mit einem Löffel nachhelfen, das Glas gut versschlossen einmal schütteln und bei Bedarf etwas Essigwasser nachfüllen. Das verschlossene Glas einige Tage auf der Fensterbank stehen lassen, gelegentlich etwas schütteln. Danach die Blüten abseihen und die Tinte in ein kleineres Gefäß umfüllen.

Tipp: Am Besten gleich im Anschluss die Blütenfarbe mit dem Namen der Blüte und dem Herstellungsdatum etikettieren.

Taubnessel wachsen auf wilden Wiesen beinah wie Unkraut und lassen sich bis in den Oktober hinein finden. Bild: Silke Rosenbüchler.

Saisonale Zutaten für die Blütenfarbe

Diese Blumen blühen auch noch im Spätsommer und aus ihnen kann die folgende Blütenfarbe entstehen:

Gelbtöne: Rose, Nelke, Gerbera, Usambaraveilchen, Hibiscus, Pelargonie, Knollenbegonie, Fleißiges Lieschen (Impatiens), Tagetes, Storchenschnabel, Malve, Dahlie, Stockrose, Taubnessel, Glockenblume, Kornblume, Kanadische Goldrute

Grüntöne: Usambaraveilchen, Hibiscus, Knollenbegonie, Tagetes, Storchenschnabel, Malve, Sonnenhut, Stockrose, Taubnessel, Braunelle, Glockenblume,

Blautöne: Usambaraveilchen, Stockrose, Glockenblume, Kornblume

Rottöne/Pink: Rose, Nelke, Gerbera, Hibiscus, Pelargonie, Knollenbegonie, Fleißiges Lieschen (Impatiens), Tagetes, Storchenschnabel, Malve, Dahlie, Sonnenhut, Stockrose, Taubnessel, Kornblume

Violett: Rose, Usambaraveilchen, Pelargonie, Knollenbegonie, Fleißiges Lieschen (Impatiens), Storchenschnabel, Malve, Glockenblume

Braun: Rose, Gerbera, Hibiscus, Pelargonie, Knollenbegonie, Fleißiges Lieschen (Impatiens), Tagetes, Storchenschnabel, Dahlie, Sonnenhut, Taubnessel, Braunelle, Glockenblume, Kornblume

Traditionelle Färberpflanzen, die man auch im Oktober noch im Freien finden kann:

Rose, Tagetes, Färberkamille, Malve, Dahlie, Sonnenhut, Gewöhnliche Stockrose, Kornblume, Kanadische Goldrute – unklar: Braunelle.

Getrocknete Blüten eignen sich besonders gut für die Farbgewinnung durch Kochen oder Erhitzen. Bild: Silke Rosenbüchler.

Farbspektrum verschiedener Blüten

Manche Blumen ergeben, unabhängig von den hinzugefügten chemischen Stoffen, stets eine sehr ähnliche Blütenfarbe, wie zum Beispiel das Gelb der Kanadischen Goldrute. Andere Blüten können in den Tintenfarben je nach Zusatz stark variieren. Knollenbegonie, Storchschnabel und Malve erzeugen beispielsweise sowohl Grün- (pur oder mit Weinstein-Backpulver), Gelb- (mit Natron) als auch Rottöne (mit Zitronensäure). – Alle drei können auch im Herbst noch gesammelt werden.

TippBlütentinten haben eine kurze Haltbarkeitsdauer. Sie sollten kühl und möglichst dunkel gelagert werden. Die Blütenfarbe verblasst, wird bräunlich und kann sogar schimmeln. Um eine schnelle Schimmelbildung zu vermeiden, kann Nelken- oder Lavendelöl hinzugegeben werden.

»Zauberhafte Blütentinten« von Silke Rosenbüchler. 256 S. Erschienen 2018 im Freya Verlag. Gedruckt in der EU.
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