Bedrohter als die Biene: die Dunkle Biene

Die urtümliche »Dunkle Biene« droht auszusterben. Nun soll die gezielte Vermarktung des »dunklen« Honigs das Verschwinden dieser Ur-Honigbiene verhindern.

Deutlich dünkler als die mittlerweile dominierende Carnica-Biene: die Dunkle Biene (Foto: Dietmar Eppenschwendtner)

Eine Biene ist eine Biene ist eine Biene? Das war zumindest nicht immer so. Wie bei anderen Nutztieren hat sich die Leistungszucht auch bei den Honigbienen auf wenige Rassen konzentriert. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol dominiert deshalb seit Jahrzehnten die Carnica-Biene (Apis mellifera carnica). Die Imkerei setzt zu 99 Prozent auf diese Rasse. Doch die Carnica-Biene war nicht immer allein auf weiter Flur. Noch 1950 gehörten gut die Hälfte aller Honigsammlerinnen der urtümlichen Bienenrasse Apis mellifera mellifera an, für die sich ihrer dunklen Panzerfärbung wegen der Name »Dunkle Biene« einbürgerte.

Ziel der Zucht: die Erhaltung der Dunklen Biene

In der Schweiz macht die Dunkle Biene auch heute noch geschätzte zehn Prozent der Bienenpopulation aus. Doch durch die intensive Verdrängungszucht ist das nördlich der Alpen einst bis hinauf nach Irland und Skandinavien verbreitete Tier heute bis auf wenige Restbestände fast verschwunden. Das Ziel der paar Dutzend ZüchterInnen in Deutschland und Österreich ist deshalb die reine Erhaltungszucht, damit die seltene Genetik nicht ganz verloren geht. Die könnte sich in Zukunft als überaus nützlich erweisen. Zwar weniger wegen ihrer besonderen Winterhärte.

Die Erhaltung alter Rassen wie der Dunklen Biene ist ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. (Foto: Dietmar Eppenschwendtner)

Anpassungsfähiger als die Carnica-Biene

Doch die Dunkle Biene zeichnet sich durch besondere Anpassungsfähigkeit aus. »Sie kommt mit Witterungsrückschlägen gut zurecht«, weiß Hobbyimker Dietmar Eppenschwendtner, der südlich von Salzburg dreißig dunkle Völker hält. Sie seien sparsam und »einfach haushälterischer was die Honigvorräte betrifft«. Der Bienenkundler Friedrich Ruttner beschrieb ihre »extreme Vorsicht als Überlebensstrategie in einer harten Umwelt«. Zwar sei sie sanftmütig, dafür am Flugloch besonders verteidigungsbereit – etwa gegenüber räuberischen Wespen und Hornissen. Dass sie über einen starken Putztrieb verfügt, könnte sich als hilfreich beim Befall durch Varroamilben erweisen. »Könnte vielleicht«, betont Eppenschwendtner. Es fehlt schlicht an Forschung. 

Schutzgebiete und Reservate wären sinnvoll.

Die Zucht indes gestaltet sich als schwierig. Bei einem frei fliegenden Insekt, dessen Paarung in der Luft stattfindet, lässt sich schwer kontrollieren, auf welche Drohnen eine Königin abfliegt. Schutzgebiete, in denen sich die Imkerei ausschließlich dunklen Völkern verschreibt, wären sinnvoll. Durchsetzen ließen sie sich allerdings nur mit politischem Willen und entsprechenden Vorgaben. Theoretisch lässt sich ein jedes Bienenvolk in ein dunkles Volk verwandeln – einfach, indem eine entsprechende Königin eingeschleust und die alte entfernt wird. Einstweilen behilft man sich mit künstlicher Besamung und geographisch geschützten Belegstellen, um die Dunkle Biene am Leben zu erhalten. Gerade bei Nutztieren schafft genetische Vielfalt Stabilität. »Auf bestimmte Eigenschaften, etwa Resistenzen gegenüber Krankheiten, wird man in der Zucht womöglich einmal zurückgreifen müssen«, sagt Bioimker und Buchautor Dietmar Niessner. Er selbst arbeitet zwar mit Carnica-Bienen, hält den Erhalt ihrer dunklen Schwestern aber für essenziell – »weil man nie weiß, welche Eigenschaften man einmal braucht.«

Dunkle Biene, gleich heller Honig

Der Bewusstseinsbildung zuträglich sein könnte, dass ihr Honig künftig mit Banderolen am Glas auf seine urtümlichen Sammlerinnen hinweisen soll. Im Gegensatz zur Sammlerin selbst ist der Honig zwar nicht dünkler als von anderen Bienen. »Ein Produkt zu bekommen, das von einer Population mit nur einem Prozent stammt«, vermutet Imker Eppenschwendter, »das wäre aber an sich schon etwas Besonderes«.

Weiterführendes:
Der Verein AMZ (Austrian Mellifera Züchter) informiert unter dunkle-biene.at über Apis mellifera mellifera, der Zuchtverband Dunkle Biene Deutschland e. V. auf dunkle-biene.com. Auf YouTube betreibt Kai-Michael Engfer den Kanal »Nordbiene«.


Buchtipps zum Thema Biene (allgemein)

»Mein Bienengarten. Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen« von Elke Schwarzer erscheint 2020 in einer überarbeiteten und erweiterten Auflage im Ulmer Verlag.

»Bio-Imkern in der Stadt und auf dem Land. Monat für Monat durchs Bienenjahr« von Dietmar Niessner, 2018 im Löwenzahn Verlag erschienen, etabliert sich als Standardwerk der Bioimkerei.

»Inspiration Biene« von Thomas Radetzki und Matthias Eckoldt, 2020 von der Aurelia Stiftung und Klett MINT herausgegeben, beschreibt den Bienenstaat als »erfolgreichstes Unternehmen der Welt«.

»Die Biene. Eine Liebeserklärung« von Katja Morgenthaler, bereits 2015 in der Edition Greenpeace erschienen, ist immer noch ein wunderschönes – zurecht für seine Gestaltung ausgezeichnetes – Buch, das auch mit weit verbreiteten Vorurteilen der Biene gegenüber aufräumt.


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