Zukunftsgespräche Ronthal für regeneratives Wirtschaften
Die Veranstaltung im Weinviertel möchte besser machen, was bei vielen CSR-Events falsch laufe...
Bereits zum zweiten Mal treffen sich im niederösterreichischen Weinviertel 40 VertreterInnen unterschiedlichster Branchen zu den Zukunftsgesprächen Ronthal. Nach dem Erfolg im Vorjahr geht es am Zukunfts-Campus Ronthal abermals um regeneratives Wirtschaften – ganz bewusst ohne Sponsoring. Das soll größtmögliche Unabhängigkeit, Denkfreiheit und einen interessanten »Branchenmix« garantieren. Erwartet werden am 26. und 27. August 2026 AkteurInnen aus Energiewirtschaft, Bauwesen, Landwirtschaft, Gastronomie, Finanzwirtschaft, Industrie und Politik. In moderierten Formaten sollen konkrete Maßnahmen und Prototypen für regenerative Geschäftsmodelle entwickelt werden. Sabine Hoffmann (The Tomorrow Tribe), die die Zukunftsgespräche gemeinsam mit Michael Friedmann (Institute For Clean Technology) hostet, hat ein paar Fragen zum Format beantwortet.
BIORAMA: Die Zukunftsgespräche Ronthal verstehen sich als Gegenentwurf zu klassischen Konferenzen. Was läuft denn bei Nachhaltigkeits- und Wirtschaftsveranstaltungen verkehrt?
Hoffmann: Die meisten Formate produzieren Inspiration im Überfluss – und Umsetzung Mangelware. Keynotes, Panels, Networking-Häppchen. Alle nicken. Alle sind begeistert. Und dann fahren sie nach Hause in ihren Alltag, als wäre nichts gewesen. Was fehlt, ist der Mut, wirklich in die Tiefe zu gehen. Gemeinsam. Über Branchengrenzen hinweg. Mit dem Ziel, am Ende etwas Konkretes entwickelt zu haben.
Wer das Mikrofon bezahlt, bestimmt, wer spricht. Das wollen wir nicht.
Sabine Hoffmann, The Tomorrow Tribe
In der Pressemeldung präsentieren sich die Zukunftsgespräche gewissermaßen in Opposition zum zeitgleich im Westen Österreichs stattfindenden Forum Alpbach. Was können die Zukunftsgespräche im Weinviertel, was die traditionelle Zusammenkunft im Tiroler Bergdorf nicht kann?
Alpbach bringt die Richtigen zusammen, um über die Zukunft zu sprechen. Wir bringen die Richtigen zusammen, um Zukunft zu gestalten: 40 Menschen, 24 Stunden, kein Programm das bespaßt – sondern eines, das fordert. Wer nach Ronthal kommt, verlässt den Zukunfts-Campus mit einem konkreten persönlichen Vorhaben.

Alpbach ist elitär – Spitzen aus Wirtschaft, Politik und Forschung, Wanderung zum Thema »Guns, Green, Growth: Europas Budget-Trilemma«. Was halten dem die Zukunftsgespräche entgegen?
Wir erstellen unsere Gästeliste nach dem Prinzip der Arche Noah: ExpertInnen aus möglichst unterschiedlichen Wirkungsbereichen. Beim ersten Mal saßen Permakultur-Bäuerinnen und -bauern neben FinanzmanagerInnen, Studierende der Ökonomie neben ArchitektInnen, KlimaexpertInnen neben GründerInnen von Energiegemeinschaften. Kreative, neue Lösungen entstehen genau in dieser Reibung – nicht unter Gleichgesinnten im Nadelstreif.
Thema in Ronthal sollen »regenerative Geschäftsmodelle« sein. Was unterscheidet ein regeneratives Unternehmen konkret von einem Unternehmen, das einfach nur nachhaltig wirtschaftet?
Nachhaltigkeit fragt: Wie richten wir möglichst wenig Schaden an? Regeneration fragt: Wie hinterlassen wir Systeme besser als wir sie vorgefunden haben? Das klingt nach einer Nuance, ist aber ein fundamentaler Unterschied in der Haltung. Ein nachhaltiges Unternehmen minimiert seinen Fußabdruck. Ein regeneratives denkt in Kreisläufen – für Böden, für Gemeinschaften, für Lieferketten – und trägt aktiv zur Erneuerung bei.

»Regeneration« ist derzeit ein Buzzword, das von Konzernen ebenso verwendet wird wie von LandwirtInnen, die sich strenge Biokontrollen ersparen wollen, aber trotzdem Humusaufbau praktizieren. Alles und nichts wird als »regenerativ« bezeichnet. Wann würdest du sagen: Hier wird der Begriff glaubwürdig gelebt – und wann ist er vor allem ein Modewort?
Die einfachste Frage, die man stellen kann: Was hat sich konkret verändert? Im Boden, in der Lieferkette, im Geschäftsmodell? Regeneration, die nur in der Kommunikation stattfindet, ist Greenwashing. Regeneration, die messbare Auswirkungen auf lebende Systeme hat – Humus, Artenvielfalt, regionale Wertschöpfung, MitarbeiterInnen-Wohlbefinden – ist das Echte. Wir laden auf den Zukunfts-Campus Ronthal Menschen ein, die den Unterschied kennen und praktizieren.
Wir bleiben klein. 40 Plätze, volle Kostentransparenz, Echtheit in Ort, Begegnungen und Kulinarik. Das ist kein Bug – das ist das Feature.
Sabine Hoffmann, Host der Zukunftsgespräche Ronthal
Woran wird sich messen lassen, dass bei den Zukunftsgesprächen 2026 wirklich etwas zur Umsetzung kommt?
JedeR TeilnehmerIn verlässt Ronthal mit einem persönlichen Vorhaben, das idealerweise innerhalb der ersten 72 Stunden in eine erste Umsetzung geht. Das ist Teil des Formats – unterstützt durch unser Onlineformat »CoCreating for tomorrow«, das die Umsetzung danach begleitet. Die Ergebnisse werden wir wie schon im letzten Jahr öffentlich zur Verfügung stellen.
Was ist seit 2025 passiert, als die Zukunftsgespräche erstmals stattfanden?
Unmittelbar nach den Zukunftsgesprächen haben sich im September 2025 einige Teilnehmende in einer Co-Creation-Gruppe zusammengefunden – online werden Vorhaben in der Gruppe reflektiert und weiterentwickelt, Erfolgserlebnisse und Rückschläge geteilt. Es geht weniger um große Projekte, als um kontinuierliche Transformation des eigenen Umfelds, ohne dabei selbst auszubrennen.
Die Zukunftsgespräche Ronthal legen wert darauf, auf klassisches Unternehmenssponsoring zu verzichten und sich vollständig durch die Beiträge der Teilnehmenden zu finanzieren. Warum ist das wichtig? Welche Freiheiten und vielleicht auch Limitierungen schafft das?
Wer das Mikrofon bezahlt, bestimmt, wer spricht. Das wollen wir nicht. Vollständige Finanzierung durch die TeilnehmerInnen bedeutet: Die Agenda gehört den TeilnehmerInnen, nicht Marketinginteressen. Das schafft Augenhöhe und Ehrlichkeit in den Gesprächen – niemand muss höflich sein gegenüber den SponsorInnen, niemand muss ein Podium teilen mit jemandem, der Greenwashing betreibt. Die Limitierung: Wir bleiben klein. 40 Plätze, volle Kostentransparenz, Echtheit in Ort, Begegnungen und Kulinarik. Das ist kein Bug – das ist das Feature.
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