Wie wird man Biobäuerin?

Beruf und Berufung: Wie wird man eigentlich Biobäuerin auf der Mecklenburgischen Seenplatte?

Laura Thierbächer hat weder einen Hof geerbt noch in einen eingeheiratet. Sie leitet zusammen mit ihrem Mann einen Biobauernhof mit 250 Hektar Grünland und 100 Hektar Acker und hält Mutterkühe sowie 100 Milchkühe. Wie ist sie dorthin gelangt? Und welches Wissen möchte sie teilen?

BIORAMA: Wie würdest du deinen Beruf bezeichnen?
Laura Thierbächer: Na ja, ich bin Bäuerin. Wir halten Milchkühe und Mutterkühe.

Welche Ausbildung hast du gemacht, um diesen Beruf auszuüben?
Ich habe im Vorfeld eine Ausbildung zur Tierwirtin gemacht, dann in Neubrandenburg Agrarwirtschaft studiert und mich während des Bachelorstudiums schon selbstständig gemacht. Nebenbei studiere ich aktuell noch in Teilzeit im Master.

Ist dieser Ausbildungsweg heute der gängige Weg in die Landwirtschaft?
Ich denke schon. Man kann natürlich auch nur eine landwirtschaftliche Fachschule besuchen. Da ist man dann vielleicht ein Stück näher an der Praxis. Meine Ausbildung im Vorfeld war sicherlich sinnvoll für die praktischen Erfahrungen. Die lernt man natürlich nicht im Studium.

Bist du auch auf einem Bauernhof groß geworden?
Nein, gar nicht. Meine Mutter ist Schneiderin und mein Vater ist Hafenlotse in Hamburg.

Man muss den Beruf wirklich mit viel Liebe und Leidenschaft ausüben. Sonst funktioniert das nicht

Laura Thierbächer

Wie kam es zur Entscheidung, in die Landwirtschaft zu gehen?
Eigentlich wollte ich Tiermedizin studieren. Das hat leider nach dem Abi nicht gleich geklappt und deshalb habe ich erst einmal die Ausbildung zur Tierwirtin begonnen. Mit Rindern arbeiten zu wollen, das stand für mich allerdings schon immer fest. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich heute gar nicht mehr.

Man hört aus der Milchwirtschaft immer, es werde für die Betriebe immer schwerer. Allein schon wegen des großen Investitionsbedarfs. Stimmt das?
Das ist auf alle Fälle so. Die Wertschätzung, die man als Landwirtin erfährt, ist schon eher gering. Man hat enorm viele Ausgaben, man arbeitet rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Da bleibt wenig Zeit für die Familie, wir haben nämlich auch ein kleines Kind. Das ist schon traurig, was man dann am Ende verdient mit der geleisteten Arbeit.

Du würdest den Beruf also eher nicht weiterempfehlen?
Es kommt sehr darauf an. Man muss ihn wirklich mit viel Liebe und Leidenschaft ausüben. Sonst funktioniert das nicht.

Welches Wissen aus deinem Beruf sollte auch außerhalb der Landwirtschaft verbreiteter sein?
Viel Wissen, denn das ist eigentlich alles superinteressant, wenn man genauer hinsieht. Man macht sich ja im Normalfall kaum Gedanken darüber, wie es überhaupt dazu kommt, dass im Supermarkt dauerhaft so viele Lebensmittel stehen. Das wird als selbstverständlich wahrgenommen, in so einen Markt gehen und alles einpacken zu können. Aber wie die Waren hingekommen sind, das ist inzwischen für die meisten VerbraucherInnen gar kein Thema mehr. Und selbst unter uns Bäuerinnen und Bauern ist es ja so. Erst im Praktikum und während des Studiums bekommt man wirklich ein Bild davon, wie das alles funktioniert.

Was in deinem Beruf sorgt dafür, dass du ihn mit Leidenschaft ausübst?
Na auf jeden Fall die Arbeit mit Tieren. Das stand immer im Vordergrund. Und überhaupt: die Arbeit mit der Natur. Wir sind schließlich viel draußen unterwegs.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #62 erschienen

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