Wegzeit: Die Formel hinter den Zeitangaben in Wander- und Radwanderführern.

Zumindest als Kind hat sich fast jedeR mal gefragt, wer all die unzähligen Wanderwege abgehen musste, um die Gehzeiten zu ermitteln, die auf den Wegweisern zu finden sind. Die entzaubernde Formel der Wegzeitberechnung.

Einheitliche Norm

Wer sich auf die europäischen Wegbeschreibungen verlassen möchte, hat so schnell zu wandern, wie es 2004 in der europäischen Norm »DIN 33466« festgelegt wurde. Demnach legen Wandernde pro Stunde auf gerader Strecke vier Kilometer zurück, beim Aufstieg 300 Meter und beim Abstieg 500 Meter. 
Nach diesen Angaben werden auch die »Tut gut!«-Wanderwege berechnet, die mit über 200 unterschiedlichen Routen circa 1300 Kilometer an Wanderwegen ausschildern. Christian Paumann von der »Tut gut!«-Gesundheitsvorsorge bezeichnet die zur Berechnung verwendete Geschwindigkeit als »gemütliches Gehtempo«. Das sei wichtig, denn das Wandern solle Spaß machen und die Zeitangaben nicht demotivieren, weil sie nicht eingehalten werden können.  

Um auf die Gehzeit einer Strecke zu kommen, berechnet man zuerst die Zeit, die für die Distanz sowie den Auf- und Abstieg benötigt wird. Von diesen beiden Zeiten wird die kürzere durch zwei geteilt, dann werden beide addiert. 
Hier ein Beispiel: Angenommen, die Strecke ist 12 Kilometer lang und hat einen Anstieg von 300 Höhenmetern und einen Abstieg von 300 Höhenmetern. Für die Distanz würde man, laut EU-Norm, auf gerader Strecke drei Stunden brauchen. Für den Anstieg eine Stunde und für den Abstieg 0,6 Stunden. Die insgesamt 1,6 Stunden für den Auf- und Abstieg sind die kleinere Summe, sie wird also durch zwei geteilt, das Ergebnis: 0,8 Stunden. Rechnet man die beiden Werte zusammen, erhält man eine Gehzeit von 3,8 Stunden, in der Routenbeschreibung wahrscheinlich auf 4 Stunden aufgerundet. 

Radfahren

Auch für FahrradliebhaberInnen hat Niederösterreich jede Menge zu bieten. Unter radland.at oder touren.niederosterreich.at sind zahlreiche Radrouten aufgelistet, von einfachen Tagestouren mit Kindern bis hin zu anspruchsvollen Mehrtagestouren. Laut Erhebungen des Bundesministeriums für Verkehr fahren die meisten RadfahrerInnen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 10 bis 15 km/h. Das ist allerdings ein eher gemütliches Tempo, konditionsabhängig können die Zeiten hier stark variieren, leidenschaftliche RadsportlerInnen kennen ihr Tempo, erkundigen sich über Distanz und Höhenprofil und berechnen ihre Zeiten deshalb meist selbst. 

Ausflüge mit Kindern

Wer mit Kindern unterwegs ist, braucht definitiv mehr Zeit. »Den Kindern geht es noch nicht um das Wandern oder Radfahren an sich, sondern um das Entdecken«, erinnert Paumann. Allgemeine Angaben für die Gehzeit mit Kindern mache man nicht, meist wüssten die Eltern am besten, wie viel zusätzliche Zeit sie einplanen müssen. 
Auch bei den Fahrradtouren für Kinder geht es nicht primär um die Zeit, die für die Strecke benötigt wird, erklärt Lisa Ribarich von der Tourismusorganisation Niederösterreich, sondern darum, ob die Strecken sicher sind und welche Attraktionen auf dem Weg liegen. Wie viel Zeit benötigt wird, könnten die Eltern anhand der Kilometerzahl abschätzen, das sei je nach Kind und Alter unterschiedlich. 

Die auf der Karte vorgestellte Radroute »An den Strand der Pielach« verläuft zum Beispiel entlang einer Bahnstrecke, sodass das Ziel bei mangelnder Motivation oder plötzlich einsetzender Müdigkeit auch mit dem Zug erreicht werden kann. 

Rund um den Kaiserkogel sowie die Flüsse Pielach, Triesting und Gölsen kommen sowohl Rad- als auch Wunderfans auf ihre Kosten. Bild: iStock.com/lushik.

Zwanzig Kilometer südlich der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten liegt das Wander- und Radgebiet rund um den Kaiserkogel. Während man auf den Wanderrouten zwischen Eschenau und Rotheau dem heimischen Obstanbau auf der Spur ist, bietet die Pielach weiter westlich besonders für Ausflüge mit Kindern eine erlebnisreiche Fahrroute. Für eine längere Radtour empfiehlt sich etwa der Triesting-Gölsental-Radweg, der in Traisen beginnt und gleich an zwei Flüssen, der Triesting und der Gölsen, entlang verläuft.  
Weitere Infos unter noetutgut.at oder touren.niederosterreich.at
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Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin # erschienen

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