Viele von 2500 entdeckten Obstsorten bedroht

74 Prozent aller in Österreich entdeckten Obstsorten sind gefährdet...

Die erste österreichische Obst-Inventur erfasste Äpfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Kirschen-, Weichsel-, Marillen- und Pfirsich-Sorten. (Bild: Arche Noah)

Der Verein Arche Noah hat in Österreich die Baumbestände von 17 Obstsammlungen durch Blattproben genetisch analysiert und dabei insgesamt 2506 unterschiedliche Obstsorten (Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Weichseln, Marillen und Pfirsich) entdeckt.

»Das ist eine außerordentlich große Anzahl an Sorten, die sich tatsächlich genetisch unterscheiden«, sagt Manuela Friedler aus dem Obstteam der Arche Noah. »74 Prozent der Sorten kommen nur in einer oder zwei Sammlungen vor, manchmal sogar nur mit einem einzigen Baum.« Bereits der Ausfall eines Baumes könne dafür sorgen, dass eine Sorte unwiederbringlich verloren geht. Ziel ist es nun, jede Sorte vorläufig in mindestens drei, besser fünf Sammlungen zu verbreiten, um die Erhaltung mittelfristig zu sichern. »Laut derzeitigem Wissenstand und Abgleich mit internationalen Daten kommen mehr als 50 Prozent der Sorten nur in Österreich vor«, sagt Friedler.

Nur Nutzung garantiert Erhalt

»Wir brauchen diese Vielfalt für einen zukunftsfähigen Obstbau und für die Zucht«, erläutert Karin Silhavy-Richter von der Weinbauschule HBLA und Bundesamt Klosterneuburg, die sich an der Inventur beteiligt hat. »Wichtig ist die Erhaltung durch die Nutzung dieser Sorten. Wir bewahren diese Vielfalt für den Markt und unser aller Teller.«

Die Sortenabsicherung sei in Österreich »absolut unzureichend«, bedauert Gerlinde Handlechner von der Sammlung Moststraße (Mostviertel). Viele Bäume der von ihrer Sammlung überblickten Sorten stünden außerdem auf – gefährdeten – Streuobstwiesen. »Wir kennen viele, viele Bäume im Mostviertel, aber selbst bei uns gibt es nur punktuelle Sichtungen, es fehlt eine systematische Erfassung«, sagt Handlechner. Ein Problem sei auch das Alter der Baumbestände: »Viele Sorten existieren nur auf sehr alten, überständigen Bäumen. Es fehlt das Absichern durch neue Veredlungen und junge Bäume. Die Sorten fehlen in Baumschulen.«

Besonders wertvoll: Streuobstwiesen (Bild: Rupert Pessl/Arche Noah)
Besonders wertvoll: Streuobstwiesen (Bild: Rupert Pessl/Arche Noah)

Obst-Sammlungen oft privat organisiert

Viele der Sammlungen seien privat organisiert und wirtschaftlich schlecht abgesichert, sagt Manuela Friedler (Arche Noah). In Vorarlberg z. B. wurden einige »total regionaltypische« Sorten entdeckt. Insgesamt wurden im Rahmen der vom Biodiversitätsfonds der Republik geförderten Obst-Inventur 8000 Bäume in eine zentrale Datenbank aufgenommen, viel wurde fotografisch dokumentiert und damit erstmals – auch international vergleichbar – erfasst.

Ziel des Vereins Arche Noah sei es nun, bis 2035 alle diese Sorten in Österreich ausreichend abzusichern, zu beschreiben und Namen zu klären, sagt Manuela Friedler. Bedarf gebe es auch bei anderen Obstarten, zum Beispiel bei Walnüssen.

Hier gibt es weiterführende Information zur Obst-Inventur und zum Obstmonitoring der Arche Noah.

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