Pay per wash: Auf der Suche nach der 100-jährigen Waschmaschine

Das Ziel des Social Entrepreneurs Sepp Eisenriegler: möglichst langlebige und v.a. reparierbare Geräte (Montage: Michael Mickl)

Hinter vorgehaltener Hand haben Sepp Eisenriegler sogar IndustrievertreterInnen, deren Vorgehen der unternehmerische Aktivist aus Wien sonst tatkräftig konterkariert, bereits gratuliert. Man wisse natürlich längst, dass es mit den immer kürzeren Nutzungszeiten von Elektrogeräten so nicht weitergehen könne. Mit der Obsoleszenz – also dem kalkulierten Verschleiß von Produkten, damit möglichst rasch neue Gerätschaft gekauft werden muss – hat es die Branche übertrieben. Von sich aus könne aber kein Hersteller den Wettbewerbsnachteil besonders langlebiger Geräte riskieren. Das Engagement Eisenrieglers, in dessen Reparatur und Service Zentrum (R.U.S.Z.) Langzeitarbeitslose im Reparaturhandwerk ausgebildet werden und wo kaputten Geräten zu einem »Second Life« verholfen wird, setzt gleich in vielerlei Hinsicht neue Standards.

Dienstleistung statt Elektroschrott
Einerseits bietet das R.U.S.Z. die Produktdienstleistung »saubere Wäsche« an. Wer ein Wäsche-Abo nimmt, bekommt eine hochwertige Waschmaschine geliefert, zahlt im ersten Jahr monatlich 18 Euro Miete – und sowohl Waschmaschine als auch nötige Wartungsarbeiten bleiben im Verantwortungsbereich von Eisenriegler. Nach einem Jahr wird beim Service ausgelesen, wie oft tatsächlich gewaschen wurde. Wer weniger als vier Mal wöchentlich gewaschen hat, zahlt fortan reduzierte Mietpreise. Bei mehr Waschgängen erhöht sich die Miete. Eisenriegler spricht von »Pay per Wash«, weil es sonst »unfair wäre, wenn ein altes Mutterl gleich viel zahlen müsste wie eine WG oder eine Großfamilie«. 50 Abos wurden bislang abgeschlossen. Storno gab es kein einziges. Vom Leasingmodell einiger Waschmaschinenhersteller unterscheidet sich das Saubere-Wäsche-Angebot dadurch, dass das Abo seitens des R.U.S.Z. unbefristet läuft. »Bei den Leasingangeboten der Industrie gehen die Waschmaschinen nach fünf Jahren ins Eigentum der Nutzer über – also genau dann, wenn statistisch eigentlich die gröberen Reparaturen losgehen.« Im Interesse Eisenrieglers hingegen sind möglichst langlebige, reparaturfreundliche Waschmaschinen. Ein Forschungsprojekt, das Sepp Eisenriegler gemeinsam mit dem Designer Peter Knobloch bei der ORF-Nachhaltigkeitskampagne Mutter Erde eingereicht hat – und nun umsetzt –, nennt sich durchaus ernst gemeint »Die 100-jährige Waschmaschine«.


Andererseits verkauft das R.U.S.Z. an seinen Standorten in Wien (14., Lützowgasse 12–14) und Graz (Ägydigasse 15) auch besonders langlebige Geräte. »Auf Basis von Tests und aufgrund unserer langjährigen Reparaturerfahrung verkaufen wir deshalb Kaffeemaschinen von De’Longhi, Rührmaschinen von Kitchen­Aid, Waschmaschinen von Miele und Siemens und Geschirrspüler von Bosch Siemens.« Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium sucht Eisenriegler nun auch international nach FranchisenehmerInnen für sein »So­cial Franchising R.U.S.Z.«, wofür bereits ein eigenes Franchisehandbuch verfasst wurde.
Die Basis der konkreten Produktempfehlungen des R.U.S.Z. ist eine von Eisenriegler gemeinsam mit dem österreichischen Umweltministerium und dem Normungsinstitut definierte, weltweit einzigartige Norm für die Messung von reparaturfreundlichem Design. Diese wiederum ist nun die Grundlage jener neuen EU-weit gültigen Norm, an der die CEN-CENELEC-Normungsinstitute der EU gemeinsam mit über 120 IndustrievertreterInnen arbeiten. Das Ziel – Material Efficiency for Eco Design of Energy Related Products – findet auch die Industrie gut. Zumindest hinter vorgehaltener Hand.

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