Mondstuhl

Was wurde aus den organischen Hinterlassenschaften der bemannten Mondfahrt? Steckt darin vielleicht noch Leben?

ForscherInnen wollen die 50 Jahre alten Exkremente, die bei Mondmissionen auf dem Erdtrabanten hinterlassen wurden, untersuchen.
ForscherInnen wollen die 50 Jahre alten Exkremente, die bei Mondmissionen auf dem Erdtrabanten hinterlassen wurden, untersuchen.

96 Müllsäcke liegen als Hinterlassenschaft der bemannten Mondmissionen zwischen 1969 und 1972 auf dem Erdtrabanten. Darin: unter anderem menschlicher Kot. Was WissenschaftlerInnen fünf Jahrzehnte später interessiert, ist, was mit den Bakterien darin geschehen ist.

In den Säcken spielt sich ein Exkrementexperiment unter Extrembedingungen ab. Die Temperatur auf der Mondoberfläche schwankt zwischen −171° und 140° Celsius. Es fehlt auf dem Mond eine schützende Gasatmosphäre, es herrscht ein Vakuum, die UV-Einstrahlung ist sehr hoch, ebenso wie die ionisierende, kosmische Strahlung. Wenn in den Müllsäcken irgendwas überlebt hat, wäre das aus astrobiologischer Perspektive also spektakulär. Selbst wenn die Bakterien, Mikroben und Sporen im Inneren der Müllsäcke längst verblichen sind, ließen sich daraus eventuell noch Erkenntnisse gewinnen.

Der NASA-Forscher Mark Lupisella hat dem US-Magazin Vox erklärt, es bestehe nur eine geringe Chance, dass natürliche Selektion in den Müllsäcken eingetreten sei, die dazu geführt haben könnte, dass sich die Mikroorganismen weiterentwickeln, um zu überleben. Wenn das allerdings eingetreten ist, könnten sie gewachsen sein und sich ausbreiten. Extraterrestrisches Leben aus der Windel eines Astronauten? Ein interessanter Gedanke. Einer der Mondfahrer, nämlich Buzz Aldrin, reagierte auf die Idee, seine und die Hinterlassenschaften seiner Kollegen einzusammeln: »Well, I sure feel bad for whoever finds my bag«, twitterte der 89-Jährige.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #62 erschienen

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