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Herrenhof Lamprecht: Ein Biowinzer ist Gault-Millaut-Ausnahmewinzer 2017

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Herrenhof Lamprecht © bernhardbergmann.com

Mit Gottfried Lamprecht wurde ein überzeugter Biowinzer von Gault Millau zum Ausnahmewinzer des Jahres gekürt. Gut so!

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Gottfried Lamprecht hat 2006 den Hof seiner Eltern, der in der Steiermark nahe Gleisdorf liegt, übernommen – auf dem damals in erster Linie Obst angebaut wurde. Er selbst ging nach der Obstbaufachschule nach Klosterneuburg auf die Wein- und Obstbauschule und hat dort den Wein neu entdeckt. Bis 1848 wurde auf dem Hof seiner Eltern der Wein für das Stift Vorau gekeltert – und Gottfried schließt an diese Tradition teilweise durchaus an. Vom Start weg setze er auf Bio und einen möglichst naturnahen Weinbau. Seine Weine werden nur leicht geschwefelt und gären spontan, also ohne den Zusatz von Hefe. Besonders wichtig sind ihm dabei auch der Boden und die Region – das Ziel ist es, diese schmeckbar zu machen. Sich und seinem Betrieb hat er dazu eine Herrenhof Charta als Regelwerk auferlegt, die unter anderem die lücklose Herkunft der Trauben festschreibt oder auch die Reduktion des Ertrags auf 45 Hektoliter pro Hektar. Oder auch die Förderung von Tieren und Pflanzen im Weingarten.

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Gratuliere zum „Ausnahmewinzer des Jahres“ bei Gault Millau. Damit wurde hier ein Betrieb ausgezeichnet, der seit 2007 komplett auf Bio setzt. So weit ich gelesen habe, scheint das in der Beurteilung aber nur bedingt eine Rolle gespielt zu haben?

Bio ist wichtig und es gibt mittlerweile schon viele Biowinzer. Ein Weingut, das auf Nachhaltigkeit setzt, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Für Gault Millau muss das gesamte Konzept stimmen und da ist Bio ein Teil davon. Ein sehr wichtiger Teil – für mich zumindest. Aber trotzdem ist es ein Teil im gesamten Weinbau-Puzzle, um zum guten und authentischen Wein zu kommen.

Was dezidiert eine Rolle gespielt hat, ist deine Kompromisslosigkeit und dein Wille, einen eigenen Weg zu gehen?

Ganz genau, Kompromisslosigkeit ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Zum Glück weiß ich dann (fast) immer, wann Schluss sein sollte (lacht). Wenn man etwas erreichen möchte, muss man ein wenig Risiko in Kauf nehmen.

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Das beinhaltet unter anderem auch deine Charta für den Herrenhof. Nach welchen Kriterien und mit welchen Zielen hast du diese erstellt?

Das Ziel meiner Charta, die sogenannte Herrenhof Charta, ist ganz klar: Es ist 100% Transparenz! Es gibt mittlerweile viele Gütesiegel, vor allem im Lebensmitteleinzelhandel. Das verwirrt schon sehr. Meine Siegel habe ich alle selbst entwickelt und es geht im Prinzip darum, simpel aufzuzeigen, wie ich arbeite und wie das „Produkt“ Wein hier am Herrenhof entsteht. Dazu brauche ich keine zusätzliche Zertifizierung. Das kann ich selbst und mindestens genauso gut! Ich sehe mich als mündigen Winzer.

In deinem Freestyle-Wine-Growing-Statement sprichst du dich dediziert gegen religiöse und esoterische Interpretationen des Biogedankens aus … etwas, das viel zu selten passiert.

Ich bin ein freier Mensch, du bist ein freier Mensch, wir alle sind freie Menschen. Und wir sollten am Boden bleiben. Vor allem im Weinbau habe ich schon einiges gesehen, einiges ausprobiert und meine Meinung ist, dass man bei esoterischen Interpretationen sehr aufpassen muss. Ich sehe keinen Vorteil darin, in diese Richtung zu arbeiten. Es ist im Prinzip ein Weg, sein Gemüt zu beruhigen, mehr nicht. Aber dazu brauche ich solche Ideologien nicht.

Außerdem ist es das Schlimmste für mich, immer und immer weiter in Abhängigkeiten zu geraten. Heutzutage ist das ein großes Problem der Landwirtschaft. Bauern werden dirigiert, mit Bauern kann man anscheinend fast alles machen. Mit Freestyle-Wine-Growing möchte ich zeigen, auch wenn es kein Logo eines Verbandes oder dergleichen ist, dass ich noch einen eigenen, selbständig denkenden, ganz besonders unabhängigen Kopf und Willen habe! Um das geht es hier und um nichts Anderes. Freestyle eben. Freestyler sind immer die Unabhängigen.

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Dir ist deine Unabhängig sehr wichtig, auf der anderen Seite freut man sich ohne Zweifel über Auszeichnungen. Wie gehst du mit Auszeichnungen und Weinbeurteilungen um?

Ich freue mich über jede Auszeichnung, aber Unabhängigkeit ist mir wichtiger als jede Bewertung. Natürlich mache ich hin und wieder bei Weinverkostungen mit – aber nur dort, wo ich glaube, dass meine Weine verstanden werden. Der Punkt ist doch der: Wein an sich kann so facettenreich, komplex und einfach toll sein – wie will man so ein Produkt überhaupt bewerten? Sehr schwierig, wie ich finde. Der Mensch braucht anscheinend immer etwas, woran er/sie sich festhalten kann.

Wenn man dir auf Facebook und auf anderen Kanälen folgt, sieht man, dass du gerade dein Anbaugebiet am Buchertberg vergrößerst. Was passiert mit den Obstbäumen, die dort standen?

Die Obstbäume haben wir, ich mithilfe meines Vaters, ausgerissen, um wieder Reben zu pflanzen. Das hat in erster Line historische und nachhaltige Gründe, da das, was hier früher Bestand gehabt hat, immer noch die beste Kultur für diesen Grund und Boden ist. Der Herrenhof war früher ein Weingut eines Stiftes. Nach diesem Prinzip arbeite ich. Das motivierte mich, hier wieder Reben auszupflanzen. Da spielt der Klimawandel genauso mit eine Rolle: zum Beispiel bei der Wahl der Rebsorten.

Gibt es die Hoffnung, dass solche Auszeichnungen an ungewöhnliche Biowinzer allgemein etwas bewegen und zum Umdenken auffordern?

Das hoffe ich doch! Es ist allgemein schwierig die Meinung eines Winzers älterer Generation, welcher immer gleich gearbeitet hat, zu ändern! Das ist wie mit Beton zu reden (sehr überspitzt gesagt). Ich denke, dass Frauen viel leichter von neuen, anderen Ideen zu überzeugen sind. Es wird sich in Zukunft noch viel im Weinbau tun. Die Jungen lassen sich nicht in Schubladen stecken und das ist gut so!

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Der Herrenhof Lamprecht veranstaltet auch eine Reihe von Events. Solche mit ihm wichtigem Kulturbezug und auch durchaus lehrreiche wie die Pur-Seminare, mit kulinarischen Entdeckungen gemeinsam mit Koch und Slow-Food-Botschafter Johann Reisinger. Seine Rebsorten macht er im Sommer durch rebsortenwandern erlebbar.

Die Weine vom Herrenhof Lamprecht werden rund zu Hälfte exportiert, sind in diversen Läden erhältlich oder auch direkt ab Hof – nicht nur im Wineclub – bestellbar.

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