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„garteling“ – es werde grün

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Ulli Cecerle-Uitz schreibt auf ihrem Blog „garteling“ über ihren eigenen kleinen Garten, und über andere Grünflächen und die leidenschaftlichen Gärtnerinnen und Gärtner dahinter. BIORAMA hat sie erzählt, was beim Gärtnern beachtet werden sollte, warum manches einfach nicht wachsen will und warum kein Ende zu sehen, das beste am Ganzen ist.

BIORAMA: Dein Blog zeigt sehr schön, dass du dich in deinem eigenen Garten wohl fühlst: Hast du trotzdem weltweit einen Lieblingsgarten?

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Ulli Cecerle-Uitz: England, Frankreich, Italien – alles Objekte meiner Begierde, wenn es um die Gartenkultur geht. Jedes Land hat da seinen ganz speziellen Gartencharakter. Die Gärten kenne ich allerdings bisher nur aus Büchern. Ich hab da noch viel vor.

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Ein Garten ist nichts Statisches. Er braucht also immer Pflege und Aufmerksamkeit. Was muss denn im Winter – für Laien nicht gerade die Gartenzeit schlechthin – beachtet werden?

Mut zum Chaos! Den Garten nicht „klinisch säubern“. Sondern gesundes Laub und Astwerk zu kleinen Haufen kehren, damit sich in den Wintermonaten Kleintiere und verschiedene Nützlinge einnisten können. Auch die abgeblühten Blumenstängel erst im Frühling abschneiden, da verkriechen sich viele Insekten über den Winter – aber pilzbefallenes Obst und kranke Blätter im Restmüll entsorgen und nicht am Kompost oder in der Bio-Tonne. So wird verhindert, dass Pilzkrankheiten im ganzen Garten verschleppt werden.

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Dein Haus mit Garten hat dich davon abgehalten, Wien zu verlassen. Viele haben keinen Garten, sondern „nur“ einen Balkon. Was kann gemacht werden, um auch auf einem Balkon ein bisschen Garten-Feeling zu haben?

Fünf Töpfe mit Blumen, Kräutern oder Gemüse heben die Lebensqualität! Wer’s nicht glaubt, soll es ausprobieren. Ich kenne Balkone und Terrassen, die wunderschöne Mini-Oasen sind. Die meisten Gemüsesorten lassen sich problemlos in Töpfen und Trögen ziehen, genauso Blumenstauden und kleine Sträucher – je nach Sonnenausrichtung natürlich. Bei größeren Dimensionen sind grundsätzlich die Bewässerung und die statische Situation bei Balkonen zu klären.

Ein eigener Garten zählte schon immer zu deinen Kindheitsträumen. Warum?

Meine ersten Erinnerungen sind Gerüche aus der Natur, die ich schon als Kind geliebt habe. Tannenwald, frisches Heu, der Duft des Geißblatts. Draußen in der freien Natur zu sein, war für mich schon immer wichtig. Diese Liebe habe ich nie verloren.

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Glaubst du, dass sich mit deinem Gartenblog auch Geld verdienen lässt?

Einen Blog zu führen, hat immer mit viel persönlicher Leidenschaft und Herzblut zu tun, erst dann kann er für andere interessant werden. Bis dahin heißt es, in die Hände spucken und Qualität liefern in Inhalt, Text, Bild und Kommunikation.

Du beschreibst Garten als ein Projekt, das niemals fertig ist. Ist das nicht auch irgendwo ermüdend zu wissen, dass es nie ein Ende geben wird?

Genau das macht den Reiz am Garteln für mich aus! Jedes Jahr werden die Karten neu gemischt, ich kann mich auch meistens gar nicht im Detail erinnern, was da alles rauskommt im Frühling. Ich mag diese Spannung, immer wieder neu überrascht zu werden, wie üppig spätestens im Mai sich die Beete füllen, die im März noch vollkommen kahl und trostlos waren.

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Du hast – gemeinsam mit deiner Familie und deinen Freunden – eurem ursprünglich sehr verwilderten Garten neues Leben eingehaucht. Wusstest du damals, was beim Gärtnern beachtet werden sollte, oder war es eher „learning by doing“?

Ich hatte davor schon einen Garten, bei dem ich die gröbsten trial-and-error-Erfahrungen abgehakt habe. Es gab auch viele Enttäuschungen. Der Traum einer Kletterhortensie blieb mir zum Beispiel immer verwehrt.

Was ist denn der Alptraum jedes hegenden und pflegenden Gartenbesitzers?

Dass eine prachtvolle Glyzinie aus unerfindlichen Gründen nach 15 Jahren einfach abstirbt und ein kahles Klettergerüst auf der Hauswand hinterlässt.

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Du hast bisher schon viel Liebe und Zeit in deinen Garten investiert? Kann auch mit generell weniger Zeit das Projekt Garten ein erfolgreiches sein?

Sich zum Sklaven seines Gartens zu machen, ist grober Unfug. Was mich nervt: Das Jammern darüber, wie viel Arbeit ein Garten macht. Was immer ich an Zeit, Mühe und Geld in Garten, Terrasse oder Balkon stecken will, entscheide ich selbst. Schlimmstenfalls bepflanze ich alles mit Efeu, lasse alles zuwuchern und hab’s auch grün. Das ist der Unterschied zwischen Garteln und Kochen: Man muss nicht, man kann!

Du hast einige „Herzerlstöcke verbraten“, bis du dir eingestehen konntest, dass dein Garten und Mohngewächse wohl keine Freunde mehr werden. Gibt es denn auch regionale Unterschiede, von denen man im Vorhinein schon wissen kann?

Es gibt tausende Ratgeber, Bücher und Foren, in denen genau beschrieben ist, was wo wie am besten wächst. Aber wir Gartler wollen das oft einfach nicht glauben. Und dann setzen wir Herzerlstöcke da, wo sie nicht hingehören.

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Bilder: Ulli Cecerle-Uitz

Warum gibt es eigentlich so wenig Gartenblogs?

Es gibt eine erfreuliche Entwicklung, die ich beobachte: Sich mit dem Ansäen und der aufwendigen Aufzucht von Gemüsepflanzerln zu beschäftigen, wäre vor 20 Jahren unter der jungen urbanen Zielgruppe noch ziemlich uncool gewesen. Heute überschlagen sich die Jubelmeldungen auf Twitter, wenn die ersten selbst gepflanzten Chilis geerntet werden. Selbstversorger zu sein ist hip. Aber generell ist Garteln zeitaufwendig und die Nische derer, die mit Garten, Terrasse oder Balkon leben, grundsätzlich eingeschränkt. Das limitiert Gartenblogger von vornherein.

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Garten – Bloggerin Ulli Cecerle-Uitz

Was wünschst du dir von deinem Blog „garteling“?

Garteln ist für mich Psychohygiene mit Workout. Ich will Lust machen aufs Garteln! Dabei will ich keine „Expertin“ sein. Garteln ist für mich was Sinnliches, ein Gesamtkunstwerk. Jeder kann das aus dem Thema Garten ziehen, was für ihn von Bedeutung ist. Für die einen ist es die Marillenmarmelade und die getrockneten Kräuter. Für mich sind es die Fotos, die ich mache und die Geschichten, die ich schreibe.

Und hier geht’s zum Blog von Ulli.

Wer glaubt ein begabter Urban-Gardener zu sein, der sollte an dieser Stelle unbedingt weiter lesen.

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