Fürs Klima gekocht

Ein klimafreundliches Kochbuch, gemacht von fast allen für fast alle.

Was rauskommt, wenn ein Ministerium, (s)eine Bildungsinitiative, SchülerInnen und LehrerInnen mit einer NGO, einem Forschungsinstitut und der Umweltberatung der Wiener Volkshochschulen auf Basis eines öffentlichen Rezeptwettbewerbs gemeinsam ein Kochbuch produzieren wollen? Ein weniger zähes Projekt, als man vielleicht meinen würde jedenfalls.  

Am Anfang war die Frage, was »klimafreundlich« im Kontext Kochen bedeuten kann, als Bewertungskriterium, erinnert sich Rebecca Zeilinger, die das Buchprojekt gemeinsam mit Corinna Domenig beim Herausgeber, dem Forum Umweltbildung, redaktionell verantwortete. Ebendieses, eine Initiative des österreichischen Landwirtschaftsministeriums und des Bildungsministeriums, wollte nämlich breit zu einem Rezeptwettbewerb zum Thema aufrufen – und hat sich für die Einreichkriterien Hilfe von ExpertInnen gesucht und sie beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau, der Umweltberatung (der Wiener Volkshochschulen) und dem WWF Österreich gefunden. 

»Rausgekommen ist, dass wir nur Einreichungen annehmen wollten, die entweder Getreide als Hauptzutat haben oder zu über 50% aus Obst oder Gemüse bestehen oder vegetarisch oder vegan sind«, sagt Zeilinger. Außerdem mussten die verwendeten Zutaten – mit Ausnahme von Gewürzen und Ölen – zu ¾ aus regionaler Produktion verfügbar sein. Und regional bedeute in diesem Fall Österreich und seine Grenzregionen, erläutert Zeilinger.

Aus den Einreichungen wurden 40 Rezepte ausgewählt und mit der HTL Bergheidengasse nachgekocht, das Ganze wurde dokumentiert. Gerahmt von knackigen Informationshappen findet sich das Ergebnis in »Von wilden Kräutern und beerigen Zeiten. Ein klimafreundliches Koch- und Lesebuch« zusammengefasst. Mühsam sei der Erstellungsprozess jedenfalls nicht gewesen, beteuert Zeilinger. »Ich war da von Anfang an zuversichtlich, weil ich wusste, wir arbeiten mit einer Schule, an der die LehrerInnen Kochprofis sind und es gewohnt sind, mit den SchülerInnen viel zu kochen.« Die SchülerInnen wiederum hätten interessiert und engagiert gekocht – zusätzlich motiviert durch die Anwesenheit der Foodfotografin im Unterricht und die Fähigkeiten eines ihrer Lehrer, der, wie der Zufall es will, auch einer der bekannteren Foodstylisten der Stadt ist. 

Dass es sich hier keinesfalls um ein Projekt handelt, in dem Eulen nach Athen getragen werden, zeigt das Gespräch mit den SchülerInnen der HTL Bergheidengasse. Auf die Frage, inwiefern sie im Unterricht schon mit dem Thema klimafreundliches Kochen befasst waren, antwortet Philip, dass das noch nie Thema war. Emina sagt: »Wir haben wahrscheinlich schon darüber gesprochen, aber ich habe es wahrscheinlich vergessen, also wahrscheinlich nicht so intensiv.« Und Michaela schränkt ein: »Wir haben schon gelernt, dass wir vor allem saisonale Produkte kaufen sollen, aber mehr wegen der Ernährung. Über das Klima haben wir nicht wirklich gesprochen.« Doch manche können sich doch erinnern und hoffen, dass noch mehr zum Thema im Unterricht auf sie wartet, so etwa Jonas: »Bis jetzt war das noch kaum ein Thema. Im ersten Jahrgang hatten wir Ernährungslehre, da haben wir über Freilandhaltung gesprochen und dass Massentierhaltung nicht gut ist für das Klima. Aber grundsätzlich haben wir noch nicht viel zu diesem Thema gemacht, das kommt wahrscheinlich erst noch.« – Das ist zu hoffen! Dieses Kochbuch leistet durch seine Entstehungsgeschichte und durch seine Inhalte einen Beitrag dazu.

SchülerInneninterviews: Corinna Domenig, Text: Irina Zelewitz

»Von wilden Kräutern und beerigen Zeiten. Ein klimafreundliches Koch- und Lesebuch« ist 2019 erschienen. Herausgegeben vom Forum Umweltbildung.

Einen Vorgeschmack auf das Buch »Von wilden Kräutern und beerigen Zeiten – Ein klimafreundliches Koch- und Lesebuch« gibt es auch hier. Und zwar die Rezepte für vegane Suppenwürze, Kohlrabicarpaccio, Sonntagsbraten und einen Rote-Rüben-Guglhupf.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #64 erschienen

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