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Filmtipps: Von Schweinen und sterbenden Ökosystemen

Die Sieger des Innsbruck Nature Filmfestival 2017 heißen "Dusk Chorus“ in der Kategorie Dokumentation Natur und „The Last Pig“ überzeugte als beste Umweltdokumentation. Wir haben jeweils 5 Gründe, warum ihr euch „Dusk Chorus“ und „The Last Pig“ ansehen solltet.

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Bild: thelastpig.com

Beim Innsbruck Nature Film Festival Mitte Oktober wurden aus 46 Einreichungen zwei Sieger gekürt:  „Dusk Chorus“ wurde in der Kategorie Dokumentation Natur ausgezeichnet. „The Last Pig“ überzeugte als beste Umweltdokumentation.  Biorama war als Medienpartner dabei und hat einige Gründe dafür gesammelt, sich „Dusk Chorus“ und „The Last Pig“ anzusehen.

Bild: David Monacchi, Dusk Chorus based on Fragments of extinction

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Vier Tage lang war das Innsbrucker Leokino heuer wieder Schauplatz des Innsbruck Nature Film Festival. Bereits zum 16. Mal brachte die Festivität Filmemacher und Filmemacherinnen, Aktivisten und Interessierte an Natur- und Umweltthemen zusammen. Biorama war als Medienpartner dabei und hat einige Gründe dafür gesammelt, sich „Dusk Chorus“ und „The Last Pig“ anzusehen.

Dusk Chorus – die Symphonie des Sterbens

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, das die italienischen Regisseure Nika Saravanja und Allesandro D’Emilia in Dusk Chorus einfangen. Sie folgen dem italienischen Sound-Forscher David Monacchi, der seit 15 Jahren die Klänge des Regenwaldes für kommende Generationen konserviert, in den ecuadorianischen Dschungel. Im artenreichsten Biosystem der Erde werden die Töne weniger. Tonsammler Monacchi nennt es „die stille Katastrophe unserer Zeit“. In Dusk Chorus wird diese Tatsache auf erschütternde Weise auf die Leinwand gebracht. Monacchi spricht nur wenig. Mikro und Kamera folgen ihm durch eine Geräuschkulisse von Dürre und Flut, quer durch den Amazonas-Regenwald auf den Spuren des gefährdeten akustischen Erbes von Millionen von Jahren der Evolution.

„It is the sonic heritage of millions of years of evolution. We must save fragments of it in order to study, unterstand, experience, enjoy, and conserve it, preserving for future generations imprints of the disappering sonic intelligence of nature“, sagt Soundkünstler Monacchi. Die INFF Jury sagt: Dusk Chorus ermöglicht „ein außergewöhnliches akustisches und visuelles Eintauchen.“ Ohne Zeigefinger, aber durch subtile 3D-Sounderlebnisse wird dem Zuseher klar, wie schnell Klimawandel und direkte menschliche Eingriffe das Habitat von Millionen Pflanzen und Tieren gefährden. Die akustische Landschaft von Dusk Chorus ist ebenso vielfältig wie das Ökosystem, das die Geräusche erzeugt. Sie ist hörens- und sehenswert, vor allem ist sie aber unmittelbar bedroht.

„Fragments of Extinction“ können aus dem Amazonasgebiet, Afrika und Borneo online hier angehört werden: 

Bild: Dusk Chorus based on Fragments of extinction

5 Gute Gründe, Dusk Chorus anzusehen

  • Laut dem Millennium Ecosystem Assessment (unterzeichnet von 1360 führenden Wissenschaftlern und veröffentlicht von den Vereinten Nation im Jahr 2005) liegt die derzeitige Aussterberate zwischen 100 und 1000 Mal höher als ohne menschlichen Einfluss.
  • Den größten Auswirkungen auf vulnerable Ökosysteme haben Ressourcenausbeutung und Luftverschmutzung.
  • Jede Stunde sterben 3 Arten.
  • Eins von vier Säugetieren, einer von acht Vögeln und 41 Prozent aller Amphibien stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.
  • Aktuelle Prognosen rechnen Ökosystem-Veränderungen durch den Klimawandel noch nicht ein.

The Last Pig – Tiere lieben, Tiere töten

„You’re allright pig“, ertönt es immer wieder, wenn Landwirt Bob Comis die Weide und Stallungen seiner Schweine betritt. Und er meint es auch so. In „The Last Pig“ begleitet ihn die US-amerikanische Filmemacherin Allison Argo in seinem letzten Jahr als Schweinebauer, folgt ihm bei der Schlachtung der Tiere und spürt seinem wachsenden inneren Konflikt nach. In abwechselnden Einstellungen zeigt „The Last Pig“ auf fast lyrische Weise bittersüße Details aus dem Leben der Schweine und intime Reflexionen Comis. „Sechs Tage die Woche sorge ich für das Wohlergehen meiner Schweine, am siebten Tag führe ich sie zur Schlachtbank“, gesteht der Landwirt.

Bild: thelastpig.com

In „The Last Pig“ geht es um Leben und Tod. Im Laufe des Films wird Comis’ Konflikt zu dem der Zuschauer. Man nimmt Teil am Alltag der Schweineherde – und an der wiederkehrenden Fahrt des Viehlasters zum Schlächter. Schließlich stellt Comis die unausweichliche Frage: „Why do we eat pigs? Why don’t we eat dogs?“

Treffend bezeichnet die Jury „The Last Pig“ als „empathischen Film“, der „mit großer Liebe zum Detail“ bei der Zuseherschaft des INFF punktet.

Bob Comis hat sein Leben als Schweinebauer über zehn Jahre lang dokumentiert. Er ist heute Vegetarier und betreibt eine Gemüsefarm. Zu lesen sind seine Erfahrungen hier.

Bob und das letzte Schwein. Bild: thelastpig.com

5 Gute Grüne, The Last Pig zu schauen

  • Hausschweine leben bis zu 20 Jahre – Zuchtschweine werden spätestens mit sechs Monaten geschlachtet.
  • Studien haben gezeigt, dass Schweine dasselbe Maß an kognitiven Fähigkeiten besitzen wie Hunde, Schimpansen, Elefanten, Delfine und andere hochintelligente Arten.
  • Die Anatomie des Schweines ist der des Menschen sehr ähnlich. An Schweinen werden seit Jahrzehnten Medikamente getestet. In einem aktuellen Forschungsprojekt haben Biologen menschliche Stammzellen in einen Schweineembryo eingebracht.
  • Über eine Milliarde Schweine werden jährlich weltweit geschlachtet.
  • Im Bundesstaat North Carolina leben mehr Zuchtschweine (10,1 Millionen) als Menschen (9,4 Millionen).
  • Massentierhaltung trägt mit über 50 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Eine vegetarische Ernährungsweise reduziert den individuellen „Wasser Fußabdruck“ um 60 Prozent.

Du möchtest mehr über das Innsbruck Nature Film Festival und sein Programm erfahren?

Wir haben uns u. a. hier mit dem Festival und seinem Entstehungskontext beschäftigt und hier mit dem heurigen Programm.

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