Gibt es denn keine E-Camper?

Es gibt noch – fast – keine elektrisch angetriebenen Camper auf dem Markt. Aber durchaus innovative Ideen und Konzepte.

Umgebauter Piaggio Ape
Je weiter in der Peripherie das Ziel liegt, desto eher muss eine Schwachstelle von Elektromobilität mitberücksichtigt werden: fehlende Ladeinfrastruktur. Bild: Elektrofrosch Berlin/Lucas Adrian.

In Zukunft werden alle Wohnmobile elektrisch angetrieben – oder mit anderen umweltfreundlicheren Motoren. Diese Zukunft ist aber bei Wohnmobilen noch weiter entfernt als bei anderen PKW oder Motorrädern, die Entwicklung schreitet international nur sehr langsam voran.

Das wird an dem im Vergleich zu PKW natürlich kleinen Markt liegen: In Deutschland wurden im Rekordjahr 2020 laut Caravaning-Industrial-Verband rund 56.000 Wohnmobile und 27.500 Wohnwagen angemeldet – aber 2,92 Millionen PKW. In Österreich stieg 2020 die Zahl der Neuanmeldungen von Wohnmobilen um 74 Prozent auf 2969 und die von Wohnanhängern gering auf 989.

Ein anderer Grund für die zögerliche Etablierung des E-Antriebs bei Wohnmobilen mag deren vorrangige Nutzung sein: Sie stehen oft Wochen und Monate still, sei es am Campingplatz oder wartend auf den nächsten Einsatz. Und im Stillstand ist der Antrieb egal. Wenn Wohnwagen bewegt werden, dann nicht auf den für den Alltag typischen kurzen Wegen, sondern auf langen Urlaubsfahrten. Und genau hier liegt nicht nur wegen des hohen Gewichts von Wohnmobilen, sondern auch aufgrund der beschränkten Reichweite und immer noch schwierigeren Ladeinfrastruktur die Schwachstelle von Elektromobilität. Seit Hotels in erster Linie geschlossen haben, ist es attraktiver geworden, im Wohnmobil von Standplatz zu Standplatz zu fahren. Das lässt die Zulassungen steigen, ist aber immer noch ein Nischenprogramm.

Konzeptvielfalt

All das mag gemeinsam dazu geführt haben, dass aktuell Elektromobilität für Wohnmobile und Wohnanhänger ziemlich unterentwickelt ist. Mit dem Modell Iridium wurde schließlich 2020 dann auch eines der vielversprechendsten Konzepte eingestellt. Dieses war nur kurz auf dem Markt und wurde vom Wohnmobilimporteur WOF gemeinsam mit Elektro-Fahrzeuge Schwaben, einem Unternehmen spezialisiert auf den Umbau von Fahrzeugen auf Elektroantrieb, entwickelt. Damit ist nun die deutsche Wohnmobilmarke Dethleffs mit ihren Konzepten, die allerdings noch nicht auf dem Markt sind, der Anbieter mit den am weitesten entwickelten Ideen. Der Globevan auf Basis eines Ford-Kleinbusses ist ein Hybridfahrzeug mit Campingaufbau, der rein elektrisch laut Herstellerangabe bis zu 50 Kilometer weit fährt und mit einem 1,0-l-Benzinmotor als Range Extender ausgestattet ist, der den Elektromotor bei Bedarf unterwegs lädt. Das    E-home-Reisemobil ist das Konzept eines Wohnmobils, dessen Außenfläche großzügig mit Solarpaneelen ausgestattet ist, die vollelektrisches Fahren möglich machen sollen. Und mit dem E-home Coco ist man gerade dabei, einen Anhänger zu entwickeln, der ebenfalls Batterien über Photovoltaik lädt. Außerdem testet man hier eine Antriebsunterstützung, bei der kleine Elektromotoren die Räder des Anhängers antreiben. Dies ermöglicht laut aktuellen Tests ein stabileres Fahrverhalten, die Bewegung des Anhängers per App ohne Zugfahrzeug auf dem Standplatz und es kann die Anhängerlast deutlich verringern, sodass auch schwächere und leichtere Fahrzeuge diesen ziehen können. Eine neue Technologie, für die es noch keine Kategorie in den Gesetzbüchern und deswegen auch keine Zulassung gibt. Die Batterien im Anhänger sollen – etwa wenn dieser neben einem Einfamilienhaus auf seinen Einsatz wartet – nutzbar sein, um den auf dem Hausdach gewonnenen Solarstrom für die Nutzung im Haus zu speichern. Den Konzepten sollen bald handfeste Neuigkeiten folgen.

Elektroauto zieht Camper
Die deutsche Firma Dethleffs hat schon viele Ideen für den E-Campingausflug, jedoch ist noch kein Modell auf dem Markt. Bild: Dethleffs.

Auch bei von großen Marken entwickelten Campingmobilen nahe an Kleinbussen gibt es Bewegung. In Spanien gibt es von Nissan einen Umbau des E-NV200 zum Camper und das Konzept eines schon in der Praxis getesteten E-NV200 Winter Camper. Zwar sind bei VW bisher weder der Multivan noch dessen Campingvariante California mit alternativen Antrieben zu haben, es gibt mit dem ID Buzz aber ein formschönes Konzept: ein optisch auf dem alten Bulli basierender Campingvan mit Elektroantrieb. Auch beim Mercedes-Campingbus Marco Polo fehlt bisher eine Variante mit Elektro- oder Hybridantrieb. Mit dem E-Vito und dem E-Sprinter gibt es bei Mercedes aber bereits seit einigen Jahren Kleinbusse mit elektrischem Antrieb. Im Winter wurden ein neuer E-Sprinter und mit ihm die Entwicklung einer Electric Versatility Platform angekündigt, auf der künftig wohl mehr Transporter mit elektrischem Antrieb aufbauen.

Echte Alternative

Anders als diese teils durchaus luxuriösen Möglichkeiten zu reisen und zu urlauben bietet Elektrofrosch eine echte Alternative: Das deutsche Unternehmen importiert Elektro-Apen, also Kleinstfahrzeuge mit Elektromotor. Diese gibt es nicht nur mit Aufbauten für Transporte, Streetfood und mobile Soundanlagen, sondern auch als Klein-Camper. Wobei das Campingmodul nicht nur auf dem Elektro-Kleintransporter angebracht werden kann, sondern zum Beispiel auch auf kleinen Anhängern.

Wer die Reise mit dem Camper ohne Nutzung fossiler Brennstoffe genießen will, der/m bleiben aktuell wenige Möglichkeiten. Bei genügend Zeit und Geld kann natürlich der Umbau eines vorhandenen Wohnmobils in Auftrag gegeben werden. Schließlich haben die wenigsten die Möglichkeit, auf einen Tesla Model X zurückzugreifen, ein eher klobiges Elektro-SUV, das schwer genug ist, einen Wohnanhänger zu ziehen.

Wo darf man für eine Nacht stehen bleiben?

Während in ganz Österreich klar geregelt ist, dass das freie Zelten im Wald grundsätzlich nicht erlaubt ist, sind die Regeln für das Campieren mit einem Wohnwagen oder -mobil Ländersache. Wobei es grundsätzlich auch hier außerhalb von Privatgründen und Campingplätzen verboten ist. Ausnahmen sind die Steiermark (da gibt es keine allgemeinen Bestimmungen), Salzburg und Vorarlberg, hier dürfen die BürgermeisterInnen jeweils die Verbote aussprechen. Im Gegensatz dazu ist es in Deutschland, wenn kein explizites Verbot aufgestellt ist, prinzipiell überall erlaubt, eine Nacht mit dem Wohnmobil zu campieren – zumindest überall dort, wo geparkt werden darf. Allerdings längstens für eine Nacht, bis die/der FahrerIn ausgeruht ist. Und: Tische und Stühle dürfen auf Parkplätzen üblicherweise nicht aufgestellt werden.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #72 erschienen

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