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Agrarrohstoffe von A, B, C oder doch lieber D?

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Die Herstellung der landwirtschaftlichen Nahrungs- und Futtermittel ist heute begrenzt auf vier Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen. Warum das ein Problem ist.

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Wir regen uns oft über Nestlé, Kraft, Mondelez und Danone auf, denn ein paar wenige Lebensmittelhersteller beherrschen so gut wie den gesamten Lebensmittelmarkt der Welt. Doch was die meisten nicht wissen: Fast die gesamte Agrarproduktion ist auf nur vier Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen aufgeteilt. Als ABCD-Gruppe wird das Handelsviereck bezeichnet, denn das sind die Anfangsbuchstaben der Riesen Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus Company. Mit Getreide sind sie vor zum Teil fast zweihundert Jahren reich geworden – heute geht es jedoch auch um Mais und Soja, Zucker, Palmöl sowie Reis. Doch auch die Verarbeitung der Rohstoffe zu fertigen Lebensmitteln und die Biokraftstoffherstellung rücken mehr ins Licht der Giganten, so der Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, des Oxfam Deutschland, von Germanwatch und Le Monde diplomatique.

Archer, Bunge, Cargill und Dreyfus

Archer Daniels Midland, kurz ADM, verarbeitet Getreide und Ölsaaten für Getränke, Lebens- und Futtermittel. Dabei hat der zweitgrößte Agrarproduzent mehrere Unternehmensbereiche wie zum Beispiel ADM Corn, ADM Lecitihin oder ADM Kakao, mit dem es auch in der Schokoladenindustrie kräftig mitmischt. In den letzten Jahren hat das seit 1924 börsennotierte US-Unternehmen auch mehr und mehr auf Bioenergie gesetzt und ist so nicht mehr nur als Lebensmittelhersteller bekannt. Der Konzern besitzt nach eigenen Angaben mehr als 28.000 Eisenbahnwaggons und 31 eigene Hochseeschiffe. Das größte der vier Unternehmen ist Cargill, mit einem Umsatz von über 133 Milliarden Dollar pro Jahr. Es ist schon lange nicht mehr nur ausschließlich auf die Nahrungsmittelproduktion zu reduzieren, sondern auch mit dem Dünge- und Saatguthersteller Monsanto verstrickt, der 1998 die Saatgutgeschäfte außerhalb Nordamerikas von Cargill übernommen hat. Das Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen hatte schon vor fünf Jahren im weltweiten Getreidehandel einen Marktanteil von 30%. Durch eine Reportage der ARD wurde 2010 aufgedeckt, dass Cargill zusammen mit anderen großen Schokoladenherstellern Kinderarbeit und -sklaverei in der Kakaoindustrie – trotz eines Protokolls, das dies verbieten sollte – zumindest weiterhin duldet. Ein weiterer Fact: Alle Eier in amerikanischen McDoanld’s-Filialen stammen aus der Cargill-Produktion, wie der agrarmanager in einem Bericht über die vier Unternehmen offenlegt.

ABCD Konzerne

Der Konzernriese Cargill beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter in 70 Ländern.

Die kleineren im Quartett sind Bunge und Dreyfus, welche beide jeweils weniger als die Hälfte des Umsatzes von Cargill machen. Doch auch Bunge ist der größte Ölsaatenverarbeiter und Abfüller von verzehrbaren Ölen und darüber hinaus erschließt er den Großteil des südamerikanischen Lebensmittel- und Düngemarkt. Seinen Firmensitz hat das Unternehmen aus steuerlichen Gründen auf die Bermudas verlegt. Außerdem wurde Bunge 1985 für den Welt ohne Hunger Präsidentschafts-Award für seinen Einsatz gegen den Hunger nominiert. Das französische Unternehmen Dreyfus ist neben dem Getreidehandel auch in der Metall- und Transportindustrie tätig und gibt – wie das Familienunternehmen Cargill ebenso – wenig über sich preis, da es nicht börsennotiert ist und keine Auskunft geben muss. Die Witwe des verstorbenen Robert Louis Dreyfus, Margarita, leitet seit 2009 das Unternehmen, dem der Fußballclub Olympique Marseille gehört.

Die Macht des Oligopols

Die ABCD-Gruppe verfügt im freien Handel über enorm viel Macht, da sie Informationen sammelt und diese auch in ihrem Interesse einsetzt. Ob weltweite Wetterdaten, Preisentwicklungen, Märkte, Ernten oder politische Stabilität – mithilfe all dieser Infos können die Konzerne ihre Geschäfte optimieren und noch mehr Geld herausschlagen. Ein Beispiel ist das miserable Erntejahr 2012. Forscher haben die schlechten Ernteeträge bereits vorhergesehen und so konnten ABCD sich durch Verträge billige Waren sichern und diese mit viel Gewinn wieder weiterverkaufen. So verlieren die kleinen Zulieferer und Endproduzenten – die Vorherrschaft der alteingesessenen Großunternehmen bleibt so bestehen. Auch der Wettbewerbsvorteil durch eigene Frachtschiffe, Häfen und Eisenbahnen auf den verschiedensten Kontinenten verteilt ist gegenüber kleinen Händlern groß.

In Zukunft könnte sich das alleinige Vorrecht allerdings ändern, da auch eine chinesische und russische Firma immer mehr diesen Markt für sich entdeckt haben und nun erschließen. Das Staatsunternehmen Cofco aus dem Reich der Mitte kauft bereits jetzt den Großteil der brasilianischen Mais- und Sojaernten, Tendenz steigend. Das russische Getreide wird zumeist von RIF exportiert, einem privaten und sehr jungen Unternehmen aus Rostow. So dürften also in den nächsten Jahre einige Veränderungen am Markt der Agrarrohstoffhersteller stattfinden, sodass die vier Exportriesen ABCD in Zukunft nicht mehr den Markt dominieren und mit mindestens 70% Anteil, manche schätzen ihren Einfluss deutlich höher, vieles allein in der Hand haben.

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