DIY-Haus mit bis zu 6 Stockwerken

Wie kann man urbanen Wohnraum selbst nachhaltig und individuell gestalten? Kreative Tüftler und Querdenker beschäftigen sich mit der Zukunft des Zusammenlebens in der Stadt, und stellen das Konzept des ökologischen Selbstbaus auf der Maker Faire Vienna vor.

Einsatz von 3D-Druck im Hausbau. Bild: Maker Faire Vienna

Die Gestaltung von Wohnraum selbst in die Hand zu nehmen ist vor allem in der Stadt meist ein schwieriges Unterfangen. Der Platz für neue Bauten ist beschränkt und viele Gebäude werden oft für eine anonyme Masse gebaut. Das Konzept des ökologischen Selbstbaus erleichtet es, in Zukunft den Planungs- und Bauprozess nach individuellen Bedürfnissen mitzugestalten.

Neben der Verwendung nachwachsender Rohstoffe und der Orientierung an mehrgeschoßigen Baukonstruktionen steht vor allem die soziale Komponente im Fokus. Die neuen Formen des Selbstbaus sollen nämlich nicht nur ermöglichen, ökologisch verantwortungsvoller zu wohnen, sondern durch den gemeinschaftlichen Lernprozess auch die Basis für ein bewusstes Zusammenleben bilden. Ziel ist es, einen nachhaltigen Lebensraum zu schaffen, der individuell an die Bedürfnisse der BewohnerInnen angepasst ist.

Ein Stadthaus nach dem Geschmack seiner Bewohner

Vivihouse ist ein Selbstbausystem, durch das mehrstöckige Gebäude aus ökologischen Materialien im städtischen Raum geschaffen werden können. Im Gegensatz zu klassischen Bauprojekten, die auf Beton-, Stahl-, und Glaselemente setzen, nutzt vivihouse eine flexible Holzbauweise, die es ermöglicht, Gebäude mit bis zu sechs Stockwerken sowohl auf- als auch wieder abzubauen. Ziel ist es, jene Menschen schon mit dem Bauprozess zu konfrontieren und in die Planung miteinzubeziehen, die das Haus auch später bewohnen.

Das ökologische Selbstbaukonzept für den städtischen Raum. Bild:vivihouse

Das Forschungsprojekt besteht im Kern aus dem Konzept des angeleiteten Selbstbaus. Das bedeutet, dass alle Flächenelemente, wie Decken, Außenfassaden, und Innenwände, von Laien und Experten gemeinsam in einer Werkstatt hergestellt werden. Wer Interesse an selbstbestimmten Lebensräumen hat, bekommt somit die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen und selbst etwas beizutragen. Zum Schluss müssen die individuellen Elemente aus der Werkstatt dann nur noch in die professionellen Gerüste direkt auf der Baustelle eingefügt werden.

Die Idee hinter vivihouse ist die eines größeren Maßstabs: Es geht darum, gemeinsam große Ziele erreichen zu können, Wissen zu teilen, und einen gesellschaftlich relevanten Diskurs zu erzeugen. Derzeit befindet sich das Projekt der TU Wien noch in der Prototyp-Phase. Vivihouse plant allerdings neben zahlreichen kleinen Bauten auch ein fünfstöckiges Gebäude, das in einem Jahr in Wien entstehen soll.

Learning by making

Ökologische Selbstbaukultur ist nicht nur bei vivihouse zentral, die Bauweise wird auch von vielen anderen Projekten erforscht und gefördert. Das Team der vienna.transitionBASE entwickelt beispielsweise ein simuliertes Dorf am Rande Wiens, das alle Voraussetzungen für ein selbstorganisiertes und ökologisches Leben erfüllt. Im Vordergrund steht Frage „Was brauchen wir wirklich für ein gutes Leben?“. Eine Gruppe aus Laien und ExpertenInnen entwickelte hier das baus!, einen Prototyp für ein grünes Selbstbauhaus mit mehreren Stockwerken und Selbstversorgung.

baus! – das grüne Selbstbauhaus ©Florian Höranter

Im Rahmen der United Creations Academy findet seit 2011 auch die Weiterbildungsreihe Greenskills auf der vienna.transitionBASE statt. Der Lehrgang mit Fokus auf nachhaltiges Bauen und Leben verbindet Hintergrundwissen mit handwerklicher Praxis.

Ein Festival für Querdenker

Ökologische Selbstbaukonzepte eröffnen neue Möglichkeiten des Zusammenlebens in der Stadt. Die Maker Faire Vienna (Festival für Innovation, Kreativität und Technologie) stellt die Lebensräume der Zukunft unter dem Motto „The Future of Building – Wenn Maker Häuser bauen“ in den Mittelpunkt.

Maker Faire Vienna 2017. © Franzi Kreis

Vom 5.–6. Mai präsentieren über 900 kreative Maker ihre innovativen Ideen und Projekte in der METAStadt Wien, darunter auch die Köpfe hinter vivihouse, Vienna.transitionBASE, baus!, und Greenskills. Zum Thema ökologische Selbstbauweise, und der Keynote „3D-Baudruck, eine zusätzliche Baumethode“, finden an beiden Veranstaltungstagen Vorträge statt.

Biorama verlost 2 Tickets – Der Gewinner wird per E-Mail kontaktiert. Viel Glück!

Das Formular ist zur Zeit nicht zugänglich.

Samstag, 5. 6. 2018:

Constance Weiser
Greenskills – grünes Selbstbau-Knowhow und mehr
12:00–13:30 Uhr

Mag. David Marek
Vienna.transitionBASE: Smart Citizens LivingLab für eine nachhaltige Selbstbaukultur
12:00–13:30 Uhr

Dorothea Ziegler
baus! – das grüne SelbstBauHaus
12:00–13:30 Uhr

Sonntag, 6. 6. 2018:

Nikolas Kichler
vivihouse – eine Einführung in die neue mehrgeschoßige und ökologische Selbstbauweise
12:00–13:30 Uhr

Werner-Heinz Bittner
3D Baudruck, eine zusätzliche Baumethode
13:45–14:15 Uhr

Maker Faire Vienna
5.–6. Mai 2018
METAStadt
Stadtlauer Straße 41
A-1220 Wien
Programm

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