Schla-was?

Seit es diese Kolumne gibt, drücke ich mich davor, über das Schlafen zu schreiben. Es ist einfach ein beschissenes Thema. Mit Lichtblicken zwar, aber na ja.

Bild: lolostock, istock.com

Eigentlich lief es noch nie »gut«. Was soll das überhaupt heißen, »gut«? Da werd ich schon grantig, was meinen die Leute, wenn sie sagen: Gut schlafen. Gibt es schlechten Schlaf? Seit ich Mutter bin, gibt es diese Nuancen nicht mehr, für mich gibt es nur Schlaf, ob der dann gut oder schlecht ist, ist mir eigentlich egal.

Der große Bub war von Anfang an ein so dermaßen mieser Schläfer, man kann sich das kaum vorstellen. Er hat nur dann geschlafen, wenn er sich a) im Tragetuch an einem sich bewegenden Menschen, b) im von einem Menschen bewegten Kinderwagen oder c) auf dem Arm eines sich bewegenden Menschen befand. Sie erkennen das Problem? Der Mensch, der sich bewegen muss, ist es, genau! Denn ein Mensch, der Tragetuch/Kind trägt oder einen Wagen schiebt, was kann der nämlich nicht? Richtig! Selbst schlafen! Muss ich erwähnen, dass der große Bub auch alle zwei Stunden gestillt werden wollte, tagsüber und in der dunklen Hälfte des Tages, formerly known as »Nacht«? 

Es war unglaublich anstrengend, ich will und kann das nicht verklären oder schönreden. Ich war so müde, dass mir die Dings, die, na, also die Wörter nicht mehr eingefallen sind. Wie heißt das noch? Wortfindungsstörung. Total praktisch für meinen Job auch. 

Irgendwann versuchten wir, das Baby abends ins Bett zu legen, lustigerweise jeden Tag von der Vorstellung getrieben, es würde wie durch Zauberhand zwölf Stunden darin liegen und morgens würde uns sein fröhliches Glucksen wecken, wir alle gut gelaunt, erholt und ohne Augenringe. Haha! Mehr als zwei, drei Stunden schaffte er nie in diesem Bett. Das ist übrigens sehr, sehr, sehr lange so geblieben. 

Ich weiß, dass Sie sich jetzt fragen, wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass ein weiteres Kind gezeugt wurde. Wenn ich ehrlich bin, frage ich mich das auch manchmal. Mit zwei Kindern waren gewisse Dinge dann aber witzigerweise einfacher: Der große Bub war jetzt größer, tagsüber bis auf einen kleinen Mittagsschlaf wach und er schlief, zwar nach wie vor in Etappen, aber immerhin, nachts. Und: Er war in der Lage, einzuschlafen, während man ihm vorlas und er einem zugleich mit seinen Klebefingern den Oberarm abfummelte, so ein Tick von ihm. Egal! Alles besser als dieses Herumgetrage!

Bis heute kommt der große Bub, achteinhalb Jahre alt, gerne und oft in »unser« Bett, also das, was manche als »Elternbett« bezeichnen. Für uns ist es einfach die Ecke, in der wir in Ohnmacht fallen. Jedenfalls ist es schon nett, wenn dann das Kind daherkommt, sich warm und weich anschmiegt, eichhörnchenfamilienartiges Superkuscheln. Angeblich. Ich weiß es ja nicht, ich befinde mich im Koma/Schlaf, sobald sich mir auch nur der Hauch einer Gelegenheit bietet. 

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #58 erschienen

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