MOSTbarkeiten

Der Most verändert sein Wesen. Was früher zu günstigen Preisen und ausschließlich ab Hof verkauft wurde, präsentiert sich zunehmend in schlanken Flaschen und pfiffigem Design.

Auch der Most selbst ist erwachsen geworden. Blitzsauber, kristallklar, kühlfruchtig und sortentypisch. Manche Sorten sind elegant und feingliedrig, andere kräftig und ausdrucksstark. Einige sind grandiose Essensbegleiter, andere famose Solisten. Wir reden immer noch vom Most. Die Winzer können sich schon einmal warm anziehen. Äpfel und Birnen sind ihnen dicht auf den Fersen. Hier ein paar Beispiele.

Peterseil, Hoamatland

Pfirsich, Erdbeeren, Trauben, Marillen. Und natürlich Äpfel (vor allem Gala) und Birnen (vor allem Williams). Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Familie Peterseil dem Obst verschrieben hat. Ohne Wenn und Aber. Der Betrieb liegt nahe Linz, nördlich der Donau. Wer Luftenberg oder Stratzing nicht kennt, kennt vielleicht St. Georgen an der Gusen. Oder Steyregg. Das wären die größeren Orte, zwischen denen die Peterseils schaffen. Herausragend in der recht beeindruckenden Mostkarte: der trockene Hoamatland. Ein gemischter Most aus Äpfeln und Birnen. In der Farbe klassisch hell, goldfarben. Das frische, sehr fruchtige Bukett spiegelt das vergangene Obstjahr wider. Hat alles, was ein strammer Mühlviertler braucht. Kraft, Gerbstoff, Struktur und Rückgrat. Alles in allem ein idealer Speisebegleiter von Leinölerdäpfeln bis zum Mostbratl.

Köglerhof, Schusterwiese

Wenn man (aus jeglicher Richtung aus Österreich kommend) durch Linz durch- und über die Donau fährt, kommt man ins Mühlviertel. Noch recht nah an der Landeshauptstadt, am Pöstlingberg vorbei, liegt Grammastetten und nicht weit von dort der Köglerhof. Für Slow Foodies und Bio-Genießer ist das längst kein Geheimtipp mehr. Der Hof hat Gänse, Schafe (Kärntner Brillenschaf), Hühner (Sulmtaler und Bresse), Schweine (Schwäbisch-Hällisch) und Kühe (Limousin). Und natürlich Obstbäume. Jede Menge Obstbäume. Deshalb gibt es auch Saft und Most von Streuobstwiesen, von denen mein absoluter Favorit die Schusterwiese ist. Dicht, fruchtig und rustikal. Ein echter Mühlviertler Naturbursch mit Gerbstoff und herbem Charme.

Birnen an der Moststraße.

Farthofer, Mostello

Mittlerweile ist er eine Art Legende. Der Mostello von Josef V. Farthofer ist nämlich kein Most. Auch kein Schnaps. Rechtlich muss etwas Sperriges auf der Flasche stehen. Wir sind in Österreich, und da muss alles seinen geordneten Gang gehen. Also ist der Mostello ein „biologisch zertifizierter Obstdessertwein aus Birnen“. Was allerdings dahintersteht, ist einzigartig. Farthofer nimmt besten Birnensaft und lässt ihn mit der alkoholischen Gärung beginnen. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Hefen noch mitten in der Arbeit sind und Zucker in Alkohol umwandeln, gibt er ein Destillat dazu. Die Hefen sind überfordert und stellen ihr Werken ein. Was bleibt, ist ein restsüßes, alkoholisches Getränk, das – um seine innere Ruhe zu finden – noch für lange Zeit im Holzfass reifen darf.

Adelsberger, Grüne Pichlbirne

Leopoldine und Adolf Adelsberger aus Randegg im Mostviertel haben sich der Birne verschrieben. Apfel und andere Obstsorten gibt es am Biohof natürlich auch. Genauso wie Mutterkuhhaltung, Bienenvölker und eine stattliche Forstwirtschaft. Die Birnen und ihre Moste sind aber schon ein bisschen die Liebkinder des Betriebs. Die Mostkarte ist vielfältig und umfasst Grüne-Winawitz-, Knoll- und Speckbirnen-Most. Und natürlich die Grüne Pichlbirne. Mit Letzterer räumten die Adelsbergers bei der Wieselburger Ab-Hof-Messe ab und stellten alle anderen Birnenmoste in den Schatten. Der Most ist strahlend gelb, extrem sortentypisch, kristallklar, fruchtig und hat eine erfrischende Note nach reifer Zitrusfrucht. Hoher Trinkspaßfaktor.

Hechal, Blutbirne

Gar nicht weit vom Hof der Familie Adelsberger entfernt liegt der Biobauernhof Höhenberg. Auch „Hechal’s“ genannt. Gemeinsam sind das die Bio-Mostbauern der Bio-Region NÖ Eisenstraße. Auch hier wieder: unglaubliche Vielfalt. Topaz, Bohn und Arlet bei den Äpfeln. Knoll und Speck bei den Birnen. Und dann ist da noch die Blutbirne. Klingt gefährlich, ist es aber nicht. Der Most heißt Red-Mo, ist extratrocken und eine Zierde seiner Art. Die Säure ist kräftig, kantig, der Gerbstoff hat den Gaumen fest im Griff, der Duft dagegen ist elegant, feinfruchtig, fast ein wenig fragil und erinnert an rote Waldbeeren. Außergewöhnlich ist natürlich die Farbe. Wahrscheinlich ist es der einzige rote Birnenmost überhaupt. Ein echter Heuler.

Kühbreinhof, Champagner Renette

Wie viele Kreuzungen ist die Champagner Renette zufällig entstanden. Vor über 300 Jahren und ausgerechnet in der Champagne. Heute bitzeln die Champagner-Winzer und wollen weltweit und mit schwerem juristischem Geschütz durchsetzen, dass „Champagne“, „Champagner“, „champenoise“ nur in Zusammenhang mit ihrem Schaumwein verwendet werden darf. Meist gelingt es, bei der Champagner Renette beißen sie sich allerdings die Zähne aus, zumal der – bestätigte – Ursprung nun einmal die Champagne ist. Egal, der überzeugte Bio-Mostbauer XX Kühbrein aus XX macht aus der Renette einen sensationell spritzigen, intensiv duftigen, vollen und über die Maßen köstlichen Apfelmost. Mit sieben Gramm Restzucker zwar immer noch trocken, aber Süße spielt schon recht kokett auf der Zungenspitze. Aber auch die anderen Moste des Hauses sind ein Gedicht. Sehr beeindruckend, was der Quereinsteiger David Kargl in Graden da auf die Beine gestellt hat.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #51 erschienen

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