Mischkultur: Düngen

Was man alles richtig machen kann, wenn man seine Gemüse und Kräuter düngt.

Ein Freund hat Kaffeesatz als Dünger entdeckt. Er will wissen, ob dieser als Dünger für seine Erdbeeren ausreicht. (Ich empfehle ihm, mit Wurmkompost zu ergänzen.) Und dann fällt mir jener Hobbygärtner ein, der heuer neue Beete angelegt hat. Da es nicht so einfach war, zu neuer Erde zu kommen, hat er die Beete einfach mit Kompost gefüllt. Als ich eintraf, waren die frisch gesetzten 

Selleriepflanzen schon mehr gelb als grün. Denn sogar mit feinstem Biokompost kann man Beete überdüngen: Guter Biokompost schaut aus wie Erde, ist aber keine, sondern besteht fast ausschließlich aus organischer Substanz, also Biomasse. Bei allen Pflanzen, die eher genügsam sind, führt hohe Nährstoffkonzentration dazu, dass die zarten Wurzeln der frisch gesetzten Pflanzen verätzen und die Pflanzen innerhalb weniger Tage eingehen. Daher haben wir die Pflanzen ausgegraben, den Großteil des Kompostes rausgeschaufelt, Gartenerde eingefüllt und die Pflanzen neu gesetzt.

Im angemessenen Rahmen düngen

Gedüngt wird am besten jedenfalls vor der Bepflanzung eines Beetes oder Topfes. Ein Nachdüngen mit Flüssigdünger oder Brennnesseljauche benötigen Fruchtgemüse und starkwachsende Kräuter wie Zitronenmelisse dann ab Anfang Juli. Auf die Entscheidung, wo heuer welche Gemüse gesetzt werden sollen, folgt der Blick in ein gutes Gartenbuch, damit ich auf jedem Standort die von der geplanten Pflanze benötigte Kompostmenge aufbringen kann. 

Die hungrigen Gemüse wie Tomate, Kürbis oder Paprika brauchen 8–12 Liter Kompost pro Quadratmeter, die mittelhungrigen wie Salat, Erdbeere oder Pastinake 5–7 Liter. Wer nicht selbst Kompost erzeugt, bekommt ihn in Bioqualität längst nicht mehr nur im Fachhandel. So inzwischen auch Wurmkompost, der die 3- bis 5-fache Düngewirkung wie Kompost hat: Er ist ein Vollwert-Dünger, der nicht nur düngt, sondern auch die Pflanzen stärkt. Nicht ganz so leicht zu finden, dafür oft aus regionaler Quelle zu haben: Schafwollpellets. Sie wirken im Topf nicht nur als Dünger, sondern – bevor die Bodenorganismen sie zersetzen – auch als Wasserspeicher. Was sich besonders bei den kleinen Pflanzgefäßen als pflanzenlebensrettend erweisen kann.

Überdosierung im Topfgarten

Wachsen Pflanzen in einem Topf, ist das Gleichgewicht noch fragiler als im Beet: Im Grunde ist etwa Kaffeesatz zum Düngen für die meisten Pflanzen (auch für Erdbeeren) geeignet. Wenn eine Bürogemeinschaft ein paar Salatpflanzen in einem 50-Liter-Topf anbaut und den täglich mit dem dort anfallenden Kaffeesatz düngt, wird das dem Salat ähnlich wenig behagen wie Mitgliedern der Bürogemeinschaft, täglich pro Kopf 20 Tassen Kaffee zu trinken. Besonders das Nachdüngen sollte behutsam erfolgen, der Dünger nicht konzentriert an einer Stelle aufgebracht, sondern in die Erde eingearbeitet werden. Dem Salat jedenfalls reicht eine Tasse Kaffeesatz fürs ganze Leben.

Andrea Heistinger

Was Gärten brauchen und worauf es beim Fensterbank-Garteln ankommt, weiß Agrarwissenschafterin und Gartenbuchautorin Andrea Heistinger. andrea-heistinger.at

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #73 erschienen

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