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Wieso auch kleinbäuerliche Landwirtschaft negative Folgen haben kann

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Kleinbäuerliche Landwirtschaft gilt als Gegenentwurf zu den Monokulturen der Agrarindustrie. Stimmt das auch? Eine aktuelle Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Agrarindustrie im großen Stil, oder (klein)bäuerliche Landwirtschaft? Das ist eine, wenn nicht die eine große Frage, wenn es um die Zukunft der Versorgung der Welt mit Lebensmitteln geht.

Die Polarisierung zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Positionen ist groß. Auf der einen Seite stehen Agrarkonzerne, die Technologie und Innovation in den Dienst der Landwirtschaft stellen – samt Gentechnik, Monokulturen, chemischen Düngemitteln und allem, was der Steigerung des Ertrags dient. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter einer kleinteilig strukturierten, bäuerlichen Landwirtschaft, die flexibel und naturnah auf klimatische Bedingungen reagieren kann; die Böden schont, und Gewinne in den Händen von Landwirtinnen und Landwirten belässt, statt sie unter Kapitalinvestorinnen und -Investoren aufzuteilen. Für die einen liegt der Weg zur Welternährung in der Steigerung der Produktion. Für die anderen liegt er in der besseren Verteilung dessen, was es bereits gibt. Dabei geht es um unterschiedliche Vorstellungen von gerechter Verteilung, aber auch um Klima- und Umweltschutz.

Wissenschaftler der schwedischen Universität Lund haben in Indonesien den Einfluss von kleinbäuerlicher Landwirtschaft auf den Regenwald analysiert. Von der Ergebnissen waren sie dabei offenbar selbst negativ überrascht. „Die Ergebnisse sind auf lange Sicht entmutigend im Hinblick auf den Umwelteinfluss, die Biodiversität und die Volkswirtschaft.“ teilen die Forscher mit.

In einem groß angelegten Forschungsprojekt war untersucht worden, welchen Einfluss die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Indonesien auf das Ökosystem Regenwald hat. Dabei ging es um den Vergleich zwischen Gebieten mit traditioneller landwirtschaftlicher Struktur und solchen Gebieten, in denen Palmöl-Plantagen in Form von Monokulturen dominieren. Es wurden das Pflanzenwachstum, die Boden-Fruchtbarkeit und die CO2-Speicherkapazität untersucht. Mit 450 Bauern wurden Interviews zu deren Anbaumethoden geführt.

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Kleinbäuerliche Monokulturen

„Für die große Mehrheit der Kleinbauern ist das Roden von biodiversen Waldstücken und das Anpflanzen von Monokulturen der einfachste und schnellste Weg aus der Armut. Die Produktivität steigt, das finanzielle Risiko sinkt und das Einkommen wächst.“ fasst Studienleiter Yann Clough die Ergebnisse zusammen.

Die Ergebnisse der Studie widersprechen der verbreiteten Ansicht, dass Landwirtschaft im kleinbäuerlichen Stil die umweltfreundlichste Variante ist. Indonesische Kleinbauern bewirtschaften in Summe eine größere Fläche, als Großgrundbesitzer und internationale Agrarunternehmen. Wenn die Kleinbauern wegen der Rentabilität auf Monokulturen setzen, dann tun sie der Umwelt und speziell der Biodiversität damit keinen Gefallen.

„Dadurch, dass für die Bauern mehr mit Monokulturen zu verdienen ist, werden Aspekte der Nachhaltigkeit und die Umwelteinflüsse kaum beachtet, Die kleinbäuerlichen Anbaumethoden zu verändern, erfordert finanzielle Anreize und politischen Willen. Ansonsten besteht das Risiko, dass produktives Agrarland in 20 Jahren verschwunden sein wird.“ folgert Yann Clough aus den Ergebnissen der Interviews. Eine ähnliche Situation wie in Indonesien erwarten die Wissenschaftler auch für andere südostasiatische Länder.

Bei der Frage nach der „richtigen“ Landwirtschaft ist wie so oft bei komplexen Fragen: die einfachen Antworten, die sich jeder wünscht – und die mancher Politiker vordergründig bietet – es gibt sie nicht. Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist nur dann der Gegenentwurf zur Ressourcen verzehrenden Intensivlandwirtschaft, wenn sie extensiv betrieben wird. Dass sich das finanziell nicht rentiert – ein Problem, nicht nur für kleinbäuerliche Familien, sondern für die Regenwald und und uns alle.


Die Ergebnisse der Studie sind im wissenschaftlichen Journal Nature Communications erschienen. 

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