Mehr Bioerdäpfel als Markt
Der Biobauernhof Böhm spendet die aufgrund der guten Ernte überschüssigen Bioerdäpfel – finanziert durch Crowdfunding...
2025 kann man ohne Übertreibung als Jahr der Kartoffel bezeichnen. In vielen Teilen Europas fällt die Ernte heuer sehr gut aus, fast zu gut. Die Lager sind entsprechend voll. In Österreich wurden laut Agrarmarkt Austria (Ama) auf rund 21.000 Hektar Erdäpfel angebaut, und fast jede dritte Speisekartoffel stammt aus biologischer Landwirtschaft. Auf den europäischen Äckern wurde somit mehr geerntet, als der Markt abnimmt. Diese Überproduktion stellt LandwirtInnen vor Herausforderungen – im Waldviertel hat ein Hof darauf eine kreative Antwort gefunden.
Der Biobauernhof Böhm hat seine eigene Spendenaktion gestartet. Über eine Crowdfunding-Kampagne sammelt der Betrieb Geld, um überschüssige Bioerdäpfel sortieren, verpacken und an soziale Einrichtungen weitergeben zu können. Für jeden Euro geht ein Kilo Erdäpfel an Caritas, Hilfswerk oder die Tafel Österreich. Dadurch sollen gleich mehrere Probleme gleichzeitig adressiert werden: Einerseits Absatz für gute Ware finden, bevor sie liegen bleibt und verdirbt, und so auch einen Waldviertler Betrieb unterstützen – gleichzeitig aber vor allem auch Menschen, die stärker auf Hilfe angewiesen sind mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen. Geliefert werden soll ab Beginn des Jahres 2026 – so lange, bis jeder gespendete Kilo Erdäpfel aufgebraucht ist, erklärt Landwirt Sascha Böhm.
Ein Jahr der perfekten Bedingungen
Warum es heuer überhaupt so viele Erdäpfel gibt, kann Böhm einfach erklären: »Die Witterung hat gepasst. Es hat keine langen Dürreperioden gegeben, und es hat dann geregnet, wenn es regnen musste.« Dazu kam, dass viele Betriebe die Flächen, auf denen Erdäpfel angebaut werden, im Vergleich zu den Vorjahren ausgeweitet haben. Damit und dass gleichzeitig ein so ertragreiches Jahr kommt, konnte kaum gerechnet werden, Böhm fasst es so zusammen: »Erdäpfel waren im Jahr davor sehr gefragt. Viele haben darauf reagiert.«
Dass er so viele Erdäpfel übrig hat, liegt also jedenfalls nicht daran, dass etwas mit seiner Ware nicht stimmt, ist ihm wichtig zu betonen – sondern daran, dass der Markt heuer schlicht nicht alles aufnehmen kann – und die Großhandelspreise entsprechend im Keller sind. Weitergegeben werden die aber nicht, das Überangebot führt also nicht automatisch zu günstigeren Preisen für die KonsumentInnen. »Davon merken die Kundin und der Kunde im Supermarkt gar nichts«, weiß Böhm. Er selbst sei weniger abhängig vom Großhandel als andere LandwirtInnen, weil er seine Erdäpfel direkt vermarktet – konstant zu 1,50 Euro pro Kilogramm. Doch auch für ihn gilt: Wo viel geerntet wird, bleibt ein Betrieb länger auf ihren Mengen sitzen. Die Spendenaktion hilft also nicht nur den Einrichtungen, sondern verschafft auch dem Hof Spielraum, um die Ernte sinnvoll zu verwenden.
Spenden als Zukunftsmodell
Für Böhm ist das Projekt mehr als eine einmalige Aktion. Er möchte die Produktion für besonders günstig angebotene Lebensmittelspenden fix in seinen Betrieb integrieren und über die Website anbieten. Privatpersonen und Unternehmen sollen künftig gezielt Spenden finanzieren können, der Hof liefert dann an soziale Einrichtungen im Umkreis aber auch in Wien.

Aktuell sind bereits über 13.000 Euro zusammengekommen. Das entspricht 13.000 Kilogramm Bioerdäpfeln, die an Caritas, Hilfswerk und die Tafel Österreich gehen. Das offizielle Ziel liegt bei 25.000 Euro – aber für Böhm ist da noch nicht Schluss, er erklärt: »Wir hätten für soziale Zwecke 50 Tonnen zur Verfügung.« Weder geht Böhm davon aus, dass Spenden in dieser Höhe gesammelt werden noch davon, dass eine der Partnerorganisationen diese Menge auf einmal benötigt. Das sind aber ohnehin theoretische Überlegungen – so lange Einrichtungen Bedarf haben und Menschen spenden, liefern die Böhms Waldviertler Bioerdäpfel an Sozialbetriebe.
Der Biobauernhof Böhm betreibt auch einen eigenen Onlineshop. Wer im Rahmen der Kampagne »Weihnachtswunder« Bioerdäpfel für den guten Zweck spenden möchte, kann das unkompliziert über gofundme.com tun.
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