Buchrezension: »Nachhaltige Schnittblumen«
Buchrezension von »Nachhaltige Schnittblumen« von Margrit De Colle...
Vorgelesen für BioblumenproduzentInnen in spe – und alle, die ihre KundInnen sein wollen.
Symbole der Vergänglichkeit und doch typisches internationales Handelsobjekt, das erhebliche Transportkilometer hinlegt: die Schnittblume. Dass die Produktion von Pflanzen, die bei den KonsumetInnen am anderen Ende der Welt eine Gebrauchsdauer von maximal fünf Tagen haben, weohl absurden Regeln folgt und kaum nachhaltig ablaufen kann, ahnen die meisten – dass man sich mit diesen Blumen auch Pestizide und Fungizide an den Wohnzimmertisch holt, wissen schon nur mehr wenige. Inwiefern regionaler Bezug aus Österreich oder Deutschland allein etwa weder ökologisch noch gesundheitlich deutlich weniger problematisch ist, solange nicht auf den Einsatz dieser Giftstoffe verzichtet wird, erklärt Margrit De Colle in »Nachhaltige Schnittblumen – Slowflowers – Vom Anbau bis zum Verkauf«. Und sie zeigt auch, wie es anders geht – einerseits durch ihr eigenes Unternehmen (Biobetrieb »Vom Hügel« in Erbersdorf, Steiermark), andererseits anhand klassischer Gartentipps – mit Fokus auf sowohl einjährige als auch mehrjährige Schnittblumen und ein wenig Grünzeug für Drumherum in Sträußen oder Gestecken.
Die Kapitel zum biologischen Anbau stützen sich auf die erprobten Methoden ihres Unternehmens mit 15 MitarbeiterInnen: natürliche Düngemittel, integriertes Schädlingsmanagement und Fruchtfolge, die biozertifizierte Blumen ermöglichen, aber auch im Hobbygarten zum Einsatz kommen können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Ernte und Nachbehandlung. De Colle beschreibt, warum die morgendliche Ernte, kühle Lagerung und der Einsatz natürlicher Konservierungsmittel die Frische verlängern. Anschließend folgen leicht nachvollziehbare Anleitungen zum Binden, Stecken, Dekorieren.
Ein eigener Abschnitt widmet sich Vermarktung und Vertrieb und enthält Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Marktarbeit: faire Preisgestaltung, regionale Vertriebswege, Direktverkauf auf lokalen Märkten und die Bedeutung von Transparenz gegenüber KundInnen.
Durch die klare Sprache und den übersichtlich-knackigen Stil schafft das Buch Nachschlagefunktion wie auch Grundlagenvermittlung – zwischendurch im Ton recht philosophisch-affirmativ. Für alle, die Blumen nicht nur bewundern, sondern kultivieren und vermarkten oder auch mündig einkaufen wollen, bietet »Nachhaltige Schnittblumen« selten konkrete Hilfestellung und Inspiration.
Du suchst nach nachhaltigen Schnittblumen für dich oder zum Verschenken? Was nachhaltig bedeutet, liegt im Auge des Betrachters und der Betrachterin. Die Mitgliedsbetriebe der Slow Flower Bewegung sind nur teilweise biozertifiziert. Bio bedeutet allerdings Anbau nach klaren Kriterien und deren extern geprüfte Einhaltung – hier findest du zum Beispiel SchnittblumenproduzentInnen mit Bio Austria Siegel und bei der deutschen Fördergemeinschaft ökologischer Zier- und Gartenpflanzen kann man in der Suche nach Schnittblumen filtern.
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Margrit De Colle, »Nachhaltige Schnittblumen«, Haupt Verlag, 2025. Bild: Haupt Verlag
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