Regionale Stromschöpfung: Waldviertel

Die Bürgerenergiegemeinschaft Grüne Sonne bietet im Waldviertel erzeugten Strom...

Mehrere Photovoltaik-Panele auf einem Dach.
Unter dem Namen Grüne Sonne existiert sowohl ein Unternehmen als auch eine BEG. Bild: Grüne Sonne.

Das Unternehmen Grüne Sonne erzeugt dezentral im Waldviertel Sonnenstrom – in erster Linie auf den Dächern von landwirtschaftlichen Gebäuden wie Ställen, Lagerhallen oder Höfen und Firmengebäuden. Diese werden dazu von den BesitzerInnen in langfristig angelegten Verträgen verpachtet und sichern diesen über 20 Jahre kleine Zusatzeinkommen. Danach gehen die Anlagen in deren Besitz über. Würde der Strom an große Energieversorger verkauft, wären die Erträge überschaubar – Sascha Böhm, Gründer und Geschäftsführer von Grüne Sonne, hat sich deswegen für ein anderes System entschieden: Er hat unter dem gleichen Namen Grüne Sonne eine BürgerInnenenergiegemeinschaft (BEG), rechtlich einen Verein, gegründet, bei der Unternehmen und Privatpersonen Strom bei Grüne Sonne beziehen können und dafür einen Fixpreis von 25 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen. Die Mitglieder bekommen für diesen Preis – zu dem noch Netzgebühren hinzukommen – zum einen Strom aus regionalen erneuerbaren Energiequellen, mit dem sie einen Teil oder ihren gesamten Bedarf decken können. 15 Cent gehen an die Stromerzeugung, ein Cent wird von der BEG für die Aufwände genutzt, 9 Cent pro kWh werden aber auch gemeinnützige Energie- und Umweltprojekte unterstützt, wie die Aufforstung von Mischwäldern, Biodiversitätsflächen oder künftig auch Flussrenaturierungen. Welche Projekte das sind, entscheiden die Mitglieder ein Mal jährlich gemeinsam.

Zielgruppe Ballungszentren

Die Mitgliedschaft in der BEG steht Privaten ebenso offen wie Unternehmen, die die Hauptzielgruppe sind. Einerseits, weil diese mehr Strom brauchen und den Strombezug bei Grüne Sonne in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung und im Marketing nutzen können – aber auch, weil Böhm seine Zielgruppe in Ballungsräumen und Städten sieht: »In Krems oder Wien ist es schwerer, Umweltschutzmaßnahmen umzusetzen, Unternehmen können aber Strom aus erneuerbaren Energiequellen aus dem Waldviertel beziehen – und wir so Wertschöpfung in die Region bringen.« Aktuell hat die BEG zehn Mitglieder in Wien und im Waldviertel. Ihr Strom wird mit Photovoltaikanlagen erzeugt, künftig wird die BEG aber auch Strom von anderen Erzeugern einkaufen und nutzen, an die dann die 15 Cent pro kWh gehen. Im Gespräch sind Windkraftanlagen oder auch kleine Wasserkraftwerke an der Thaya.

BIORAMA hat zentrale Fragen zur BEG und anderen gemeinschaftlichen Energieerzeugungsmodellen zusammengestellt und beantwortet.

BIORAMA Niederösterreich #15

Dieser Artikel ist im BIORAMA Niederösterreich #15 erschienen

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