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Agrar-Investitionen: Wasserraub wird zum Problem

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Bild: Jugendliche warten auf das Befüllen von Wasserkanistern im Südsudan. (John Wollwerth / Shutterstock.com)

Bild: Jugendliche warten auf das Befüllen von Wasserkanistern im Südsudan. (John Wollwerth / Shutterstock.com)

Eine neue Studie aus Schweden zeigt die dramatischen Konsequenzen von Investitionen in afrikanische in Agrar-Flächen. Den lokalen Bewohnern wird in vielen Fällen das Wasser geraubt. 

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Afrikanischer Boden gewinnt für ausländische Investoren zunehmend an Bedeutung, um auf gepachteten Feldern unterschiedlichste Arten von Saatgut anzubauen. Im Rahmen einer interdisziplinären Studie aus Schweden, wurde der Wasserverbrauch ausländischer Investoren für den Anbau von Saatgut genauer untersucht. Die Ergebnisse fallen eher trocken aus. Denn die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch Pachtverträge fremder Investoren, Wasserknappheit und das Risiko für Konflikte steigen.

Holz bringt’s

Wenn Sie nun an exotische Lebensmittel denken, läuft Ihnen das Wasser an dieser Stelle vergeblich im Munde zusammen. Denn der in Afrika betriebene Anbau hat meist wenig mit Nahrungsmitteln für den direkten Verzehr zu tun. Nur 5 % des afrikanischen Landes, welches von ausländischen Firmen bewirtschaftet wird, dient der Produktion von z.B. billig angebautem Gemüse, Tee oder Früchten. Hauptsächlich werden dort nämlich Bäume angepflanzt, die zur Holzproduktion beitragen, oder sogenannte „flexible crops“ welche für die Fütterung von Nutztieren verwendet werden, bzw. um Bio-Treibstoff zu produzieren.

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Vor allem Afrika rückt immer mehr in den Fokus neuer Agrar-Investoren. Denn auf keinem anderen Kontinent wird so viel Land von ausländischen Unternehmen bewirtschaftet wie hier. Das liegt zum einen daran, dass Preise für Land und Boden sehr niedrig ausfallen und geringe Lohnkosten üblich sind.  Günstig ist dieser Standort aber auch, weil in den Verträgen kaum Regelungen für den Umgang mit Wasser vorgesehen sind. Die Konsequenzen aus fehlenden Verhandlungen, machen sich dann sowohl bei der lokalen Bevölkerung und bei Tieren als auch Pflanzen bemerkbar. Denn Wasserressourcen werden, ganz egal ob ausreichend vorhanden oder nicht, bis zum letzten Tropfen ausgenutzt. Sind die Verträge erst einmal unterschrieben, so ist man an diese bis zu 99 Jahren gebunden.

Trockene Konsequenzen inklusive

Natürlich birgt diese Folge der Globalisierung auch vermeintlich Positives. Denn ausländische Firmen behaupten, durch ihre Produktionssteigerung mehr Jobs zu schaffen, die Finanzen eines Landes zu verbessern und Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die Realität und die Studie zeigen, dass diese Vorhaben selten in die Tat umgesetzt werden. Schauplatz des wasserintensiven Anbaus sind vor allem Zentral-und Ostafrika. Dort gibt es ohnehin nicht ausreichend Frischwasser um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Zusätzlich ist für den Agraranbau der ausländischen Pächter aber besondere Infrastruktur nötig und zusätzliche Bewässerungssysteme werden notwendig, wodurch der Frischwasserzugang zunehmend gefährdet wird. Je nachdem für welche Produkte man das ausgeborgte Land nutzt, schwankt der Wasserbedarf der Pflanzen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten dort angebauten Pflanzen einen sehr hohen Wasserbedarf aufweisen, und dass sehr viele Felder in Brennpunkten der Wasserknappheit angesiedelt sind.

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Wenn man nun über die tatsächlichen Folgen für die Bevölkerung und dort lebende Tiere nachdenkt, bleibt einem die Spucke weg. Denn Gebiete, die sowieso schon mit Wasserknappheit zu kämpfen haben, werden dadurch vor weitere Herausforderungen gestellt. Da Wasser für den Menschen lebensnotwendig ist, geraten Menschen in existentielle Not und Konflikte entstehen. Nicht nur zwischenmenschlich sind diese Verträge bedenklich. Auch die Natur hat mit solch profitorientierten Übereinkommen zu kämpfen. Denn durch die zusätzliche Belastung, kommt es immer öfter zu Wasserverschmutzung und zur Reduktion der Artenvielfalt. Mit der Entscheidung für den Anbau dieser wasserintensiven Produkte geht aber auch ein großer Platzbedarf einher.  Um diesen zu schaffen, werden Bäume im zweitgrößten Regenwald der Erde gefällt. Die Gier nach Anbauflächen ausländischer Investoren, kennt also beinahe keine Grenzen.

Die Studie der Universität Lund kommt zur Schlussfolgerung, dass in Zukunft vermehrt darauf geachtet werden muss, welche Verträge abgeschlossen werden. Denn die Durststrecke, die Bewohner der von ausländischen Flächeninvestitionen betroffener Gebiete  aufgrund von Profitmaximierung erleiden müssen, birgt konfliktreiche Konsequenzen. Deshalb sollen Faktoren wie regionaler Wasserzugang und Wasserbedarf der angepflanzten Produkte im Vorfeld einer Unterzeichnung geprüft werden. Außerdem wird gefordert bestimmte Regelungen im Umgang mit Wasser in den zukünftigen Verträgen mit Investoren zu inkludieren. All diese Forderungen scheinen logisch, doch sie sind bei Weitem mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.


Mehr zum Thema Landgrabbing gibt es hier.

Wasser ist ein Menschenrecht.

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