Innovatives und nachhaltiges Wohnen in Zurndorf

Der „Verein Keimblatt“ plant Österreichs erste Plusenergiesiedlung in der Gemeinde Zurndorf. Das geplante Projekt läuft unter dem Namen „Lebens- und Innovationsraum Schönwasser“. Es geht den Verantwortlichen darum, eine hohe Lebensqualität und ressourcenschonendes Wohnen mit Hilfe innovativer Technologien zu gewährleisten. Nebenbei soll auch das soziale Miteinander in der Gemeinschaft gefördert und gestärkt werden. Die Vereinigung von Wohnen, Erholung und Arbeiten ist letztlich das Ziel der Verantwortlichen. Wie das im Einzelnen erfolgen soll, erzählt uns Ronald Wytek, Obmann des „Vereins Keimblatt“ und Gesamtkoordinator des Projekts.

Was genau darf sich der Leser unter dem Projekt „Lebens- und Innovationsraum Schönwasser“ vorstellen? Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Ronald Wytek: Es soll eine Plusenergiesiedlung für 150 Menschen in der Gemeinde Zurndorf entstehen. Ziel unseres Projekts ist die Vereinigung von ökologischem Wohnen und Arbeiten.

Welche Menschen versucht man mit dieser umweltbewussten Form des Wohnens zu erreichen?

Ronald Wytek: Unternehmer, die ihr Unternehmen mitnehmen können. Designer oder IT-Leute, die von zu Hause arbeiten können. Leute, die Unternehmen gründen wollen. Und natürlich Pensionisten und Familien, die es sich finanziell leisten können. Es ist aber für diejenigen, die es sich nicht vollständig leisten können, auch die Einrichtung eines Fonds geplant.

In puncto vor Ort arbeiten: Haben sich bereits Unternehmen gemeldet, die sich gern an diesem Standort ansiedeln möchten?

Ronald Wytek: Welche Unternehmen bzw. Büros daran interessiert sind, ist einer der Punkte, die sich erst im Zuge der Auftaktsveranstaltung am 12. und 13. März klären werden. Es gibt aber innerhalb des Vereins bereits Interessierte unter Anderem aus der IT-Branche, die von zu Hause aus arbeiten könnten.

Worin liegt der grundlegende Unterschied zu herkömmlichen Ökodörfern?

Ronald Wytek: Wir haben diesen Begriff bewusst vermieden, weil er in der Öffentlichkeit oftmals falsch aufgefasst wird. Vor acht Jahren hieß unser Verein noch „Keimblatt Ökodorf“. Diesen Namen haben wir vor einem halben Jahr abgelegt. Ein Ökodorf wie „7 Linden“ ist zwar ein wichtiges Referenzprojekt für uns, aber wir wollen mehr Breitenwirkung erzielen. Wir versuchen mit „Schönwasser“ mehr auf die Gesellschaft rückzuwirken und modellhaft ein Vorbild für sie zu sein.

Mit welchen Mitteln soll dieses Projekt finanziert werden?

Ronald Wytek: Es wird das Gründstück unseres Vereinshauses in der Steiermark entäußert, um mit diesem Geld das Projekt mitzufinanzieren. Weiters müssen die Mieter im Vorfeld eine SiedlerInneneinlage von 15 000 Euro aufbringen. Dieses Geld dient dann der Vorfinanzierung des Projekts. Drittens hoffen wir auf unverzinste private Darlehen. Diese Darlehen sind ideal für Menschen, die anstatt in die Rüstungsindustrie ihr Geld lieber in etwas investieren wollen, woran sie selber glauben. Inzwischen verfügen wir bereits über 50 000 Euro, die uns eine Privatperson zur Verfügung stellte, um unser Projekt zu unterstützen.

Wer ist mit der architektonischen Leitung beauftragt? Gibt es schon einen fixen Baustart?

Ronald Wytek: Werner Schmidt, ein Schweizer Architekt, der europaweit die meiste Erfahrung mit dem lasttragenden Strohballenbau hat, wird das erste Haus für uns entwerfen. Diese Hausbaumethode ist nachhaltig und innovativ. Als Baumaterial dienen Großballen mit 2 m Länge und 1 m Tiefe. Im Gegensatz zu bereits bestehenden Strohballenbauten kann hier auf Holzständer die den Dachstuhl tragen verzichtet werden. Der Baustart ist für das Jahr 2012 angesetzt.

Wie schaut es mit den Kosten aus? Wie hoch werden die Mieten sein?

Ronald Wytek: Die Mieten liegen im Bereich normaler Wohnbaugenossenschaftsmieten.

Welche Quadratmeteranzahl wird bei den Wohnungen angeboten?

Ronald Wytek: Über die Größe können die Mieter selbst bestimmen, da ihre individuellen Wünsche in die Planung miteinfließen. Obwohl der Begriff Mieter hier nicht ganz zutrifft. Die Menschen werden zu Teilhabern des Projekts. Sie sind in die Planung miteingebunden und entscheiden selbst z.B. ob Grünflächen selbst oder durch eine Firma betreut werden sollen.

Ab wann können sich Interessierte für eine Wohnung anmelden? Wo findet man nähere Informationen?

Ronald Wytek: Anmelden kann man sich bei der Siedlungsauftaktsveranstaltung am 12. und 13. März, wo Interessierte auch nähere Infos zum Projekt erhalten. Es wird außerdem eine Grundstücksbesichtigung vor Ort geben. Das Ganze ist als eine interaktive Veranstaltung geplant, wo sich die zukünftigen Bewohner auch selbst einbringen sollen.

Welche Maßnahmen für ökologisches Wohnen beinhaltet das Projekt im Konkreten?

Ronald Wytek: Wir setzen beim Wohnen aus sozialen und ökonomischen Gründen auf Mehrfamilienhäuser statt auf landschaftsfressende Einfamilienhäuser. Durch den Plusenergiehausbau mit Strohballen, die ein regionaler und erneuerbarer Rohstoff sind, leisten wir einen Beitrag zum umweltschonenden Bauen. Im Vergleich dazu ist die Wärmedämmung z.B. mit Styropor schwer abbaubar. Außerdem setzen wir auf ökologische Abfallbehandlung. Anstatt eines normalen Kanalsystems wollen wir Trockentrenntoiletten nutzen. Der Vorteil dabei ist, dass feste und flüssige Bestandteile getrennt werden. Die flüssigen Bestandteile können als Dünger verwendet werden und die festen sind abbaubar. Das übrig gebliebene Grauwasser lässt sich wiederum leicht in einer eigens dafür gebauten Kläranlage klären. Auch in Sachen Mobilität versuchen wir innovative Modelle auszuprobieren. Wir wollen das Pendeln verhindern, indem Arbeits- und Wohnplatz vereint werden. Statt 2 Autos pro Haus wollen wir das Modell „Autoteilen“ einrichten, wo es um die gemeinschaftliche Kfz-Nutzung geht.

Mehr Infos zum „Lebens- und Innovationsraum Schönwasser“ finden sich auf der Homepage www.schoenwasser.at oder bei der Auftaktveranstaltung am 12. und 13. März 2011. Eine 3D-Animation findet man hier. Für Siedlungs- und Investmentinteressierte gibt es dort die Möglichkeit, das „Projekt Schönwasser“ besser kennen zu lernen. Details dazu unter www.keimblatt.at/termine abrufbar.