Greenwashing: The Green Lie als Buch und Film

Wenn Unternehmen versuchen, sich ein grünes, sozial verantwortliches, ökologisches Image zu verpassen, ohne an ihrer Arbeitsweise Grundlegendes zu ändern, spricht man von Greenwashing. Wenn dem Konsumenten dann vorgegaukelt wird, er könnte durch den Kauf der Produkte dieser Unternehmen, die Welt retten, dann ist das die "gefährliche und populäre" Lüge, von der Kathrin Hartmann und Werner Boote reden – Im gemeinsamen Dokumentarfilm "The Green Lie" und im zum Film von Hartmann verfassten Buch "Die Grüne Lüge".

Bild: ©Filmladen Filmverleih

„Je offensichtlicher und durchschaubarer grüne Lügen sind, je schädlicher das Produkt und dafür verwendeten Rohstoffe und je absurder das daran geknüpfte Ökoversprechen ist, desto eher wird alles geglaubt. Und zwar ausgerechnet von jener Zielgruppe, die als besonders gebildet gilt.“ So lautet die zentrale These in Kathrin Hartmanns Buch „Die Grüne Lüge“.

Um sie zu belegen, führt die Autorin eine Reihe besonders plakativer Beispiele für plumpes Greenwashing an. Die Beispiele verlangen dem Leser meist zähneknirschende Zustimmung ab: Ein ehemalige UNO-Botschafter des Friedens – George Clooney – wird mit einer Aussage über das Nestlé-Produkt Nespresso zitiert: „Das Nachhaltigkeitsprogramm von Nespresso übertrifft niemand, keiner auf der ganzen Welt macht das so, wie die das machen.“

Dem Umstand, dass Nespresso im Rahmen seines Nachhaltigkeitsprogrammes 2,2 Millionen US-Dollar in den Aufbau von Kaffeebauernkooperativen investiert, stellt Hartmann die 26 Millionen US-Dollar gegenüber, die George Clooney schon mit der Werbespotreihe für Nespresso verdient hat. Allerdings ohne auch nur kurz darauf einzugehen, was genau daran unmoralisch ist, ob es sich dann nicht um Greenwashing handeln würde, wenn Clooney seine gesamtes Gehalt der Nestlé-Nachhaltigkeitsinitiave und so quasi den Bauern im Sudan spenden würde. Brauchbarer ist, das diffuse Missverhältnis sprechen zu lassen, das zwischen der Millionengage des einen Hollywoodstars und dem Budget zur Unterstützung einer ganzen Region. Und es trifft den Leser, der weiß, er ist Konsument mit vielbeschworener Macht, dort, wo es weh tut.  Schließlich gibt es kaum Notwendigkeit für sich grünwaschende Unternehmen, wo kein vermeintlich bewusster Konsumierender ist.

Die Problemverursacher, das sind die Konzerne

Die Herausforderung besteht also darin, wirklich green und eben nicht nur greenwashed zu konsumieren, könnte sich der lernfähige Leser an dieser Stelle des Buches vornehmen. Doch auch mit dieser convenient lie räumt Hartmann schon zu Beginn des Buches auf. Wir lassen und belügen und belügen uns selbst. Denn: Wenn die Problemverursacher die Probleme als äußere Einflüsse verkaufen können und sich selbst dabei als Problemlöser, dann können sich Täter als Retter inszenieren und Umweltzerstörer sind greenwashed.

Das Drehbuch zum Film haben Werner Bote und Kathrin Hartmann gemeinsam geschrieben. Währenddessen – und während Werne Botte Regie geführt hat – ist dazu Hartmanns Buch entstanden. Bild: ©Filmladen Filmverleih

Die Problemverursacher, das sind für Hartmann die Konzerne, und der Wirkmechanismus, der ermöglicht, dass die Lüge geglaubt wird, ist der Kapitalismus. Und für die Externalisierung der Verantwortung für ein Problem wird eine pychologische Analogie der Problemabspaltung gezeichnet – „bis zur Verdrängung ist es nur noch ein winziger Schritt“: Wo die Konzerne sich als Retter darstellen können, können die Menschen beruhigt weiter green konsumieren: „Greenwashing funktioniert auch deshalb so gut, weil Angehörige westlicher Konsumgesellschaften gerne hören, dass alles so weitergehen kann wie bisher, ja, dass ihr überbordender Lebensstil selbst es sein könnte, der dafür sorgt, die Welt besser zu machen.“

Mut zur Wahrheit

Der lauteste Handlungsaufruf im Buch ist keiner zu irgendwie anders geartetetem Konsum, sondern einer zur Informationskritik – Lass dich nicht manipulieren! Als Aufhänger hierfür dienen Hartmann diverse große Greenwasher im Bereich Recyclingplastik, die für ein Interview mit ihr und dem Plastik-Planet-Regisseur Werner Boote monatelang schlicht gar nicht zur Verfügung standen und lieber über eigene Werbefilmen das Informationsmonopol behalten. Die Detailanleitung ist dann geborgt vom Starlinguisten der Kapitalismuskritik: „‚Mann muss erkennen, dass die Angebote gut sein können. Zum Beispiel ist es gut, auf Plastiktüten zu verzichten, weil die Ozeane voll damit sind‘, sagt Noam Chomsky. ‚Aber wenn das Angebot von einer mächtigen Institution kommt mit der Absicht zu zeigen, wie gütig und wohlmeinend sie ist, dann lehnen sie es ab. Akzeptieren Sie den Vorschlag, aber nicht die Propaganda!'“

Wesentlich auskunftsfreudiger als so manches recyclingkunststoffverarbeitendes Unternehmen: Noam Chomsky hat Hartmanns Interviewanfrage angeblich binnen Stunden beantwortet und sofort zugesagt. Bild: ©Filmladen Filmverleih.

Wir sollen also unsere Augen nicht vor der Wahrheit verschießen, auch wenn die Konzerne uns mit ihren Green Lies Sand in die Augen streuen. Darüber hinaus gehende konstruktive Ansätze, wie eine weniger auf Ressourcenausbeutung beruhende Weltwirtschaft aussehen könnte, spielen auf den knapp 220 Buchseiten nicht die Hauptrolle. Trotzdem findet die Journalistin Kathrin Hartmann auch Beispiele dafür, dass sich Widerspruch und Protest lohnen können und dass es sich im Sinne der Umwelt und der gerechten Verteilung ihrer Ressourcen bezahlt macht, sich auf seine Qualität als aktiver Akteur zu besinnen. Dafür macht Hartmann einen Verbündeten aus, dem man in diesem Kontext allzu oft resigniert vergisst: Das Recht. Es hätte sich vielleicht gelohnt, auf ein paar der plakativsten sprachlichen Bilder der Verursacher (Nestlé, Clooney, RWE oder BP) zu verzichten, damit die Verlockung der Externalisierung für die Leserin und den Bürger – von denen das Recht ja ausgeht – nicht so groß ist.

Bild: ©Filmladen Filmverleih

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Weitere Infos zum Film bei Filmladen und hier auf Facebook.

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