Biocola oder das Malz des Lebens

Nein, es ist kein Widerspruch, und ja, auch BiokonsumentInnen haben Anspruch auf Cola.

Begonnen hat es (ungefähr) in der zweiten Hälfte der Nullerjahre. So ab 2006 oder 2007. Die ersten ProduzentInnen von Biosoftdrinks kamen mit ihren ersten Coca-Cola-Imitaten auf den Markt. Richtig los ging es dann in den frühen Zehnerjahren. Mit Pomp und Gedöns wurden auf der BioFach die großen Marken präsentiert. Dass Cola und Bio eine nicht ganz so schlüssige Kombination sein könnten, murrten damals nur ein paar ÖkohardlinerInnen.

Mittlerweile ist das Angebot recht stattlich und die HerstellerInnen scheinen sich von der Idee verabschiedet zu haben, dem originalen Cola möglichst nahe zu kommen. Biocolas schmecken (fast) ausnahmslos nach Malz und/oder karamellisiertem Zucker. Die Frage ist nur, wie hoch der Malzfaktor jeweils ist. Hier ein kleiner Ausschnitt dessen, was am Markt gerade angeboten wird.


Höllinger Juice Bio-Cola
Gefühlt gibt es das Bio-Cola von Höllinger schon eine kleine Ewigkeit. Die knallrote Plastikflasche (oder die etwas weniger knallige Aludose) fällt auf. In der Flasche ist eine malzbraune Limonade mit feiner Perlage (man könnte auch sagen: lahm) und mildem Geschmack. Wenig(er) Zucker, kein Koffein.

BioZisch Guarana-Cola
Das einzige »functional«-Cola im Feld. Zumindest das einzige, das es draufschreibt. Hinter BioZisch steht der Fruchtsaftzampano Voelkel, und das Ding ist echt gelungen. Wer brasilianische Guarana-Limos kennt, wird feststellen, dass der Guarana-Gout bei BioZisch viel intensiver ist. Außerdem ist es leicht bitter. Was einigermaßen über alles andere drüberfährt. Was andererseits aber auch großartig ist.

Red Bull simply Cola
Es ist schon irgendwie ding, hier über ein Mateschitz-Zuckerwasser zu schreiben. Aber wenn schon, denn schon. Und die ORGANICS-Serie gehört einfach zum Markt. Die Beschreibung spricht von ausgewählten Pflanzenextrakten, Biozitronensaftkonzentrat und unverwechselbarem Cola-Geschmack. Eh. Malz(zuckerl)faktor Ende nie.

Aqua Monaco Organic Cola
Ein Designerprodukt, wie es im Buche steht. Das fängt bei der Flasche an (klein, hip, bestes Format für Bars) und hört beim Inhalt auf. Eine harmonische Komposition aus Galgant, Zimt und Nelken, dazu Koffein, das aus der Kakaobohne (!) gewonnen wird. Dadurch auch leichte Schokonoten und ein herrlicher Filler für Rum-Drinks.

Now Black Cola
Das Black Cola von Lammsbräu (Now ist die Marke der Limo-Linie) hat seinen Namen, weil es das dunkelste am Markt erhältliche Biocola ist. Wie BioZisch sind auch beim Black Cola ein paar Gramm belebendes Guarana im Spiel. Basis ist gepresster Fruchtsaft, sodass sich am Flaschenboden schon einmal ein Depot bilden kann.

Naturfrisk Cola Cool
Dieses dänische Biocola kam direkt aus der Minibar eines Kopenhagener Biohotels in die Wertung und rollte sie quasi von hinten auf. Überraschender Antrunk (ist da Gemüse im Spiel?) und spannender Abgang. Lakritz, Vanille! Insgesamt viel Karamell, dabei aber zurückhaltend süß. Eigenständig und doch recht nah am Original. Perfekter Highball-Filler.

Brand Garage Cola Mama
Eigentlich ist Brand Garage für eine Handvoll sensationell guter Limonaden bekannt. Orange-Maracuja, fermentierter Ingwer, Zitrone. Alles wunderbar balancierte und erfrischende Limos. Beim Cola muss aber noch geübt werden. Sehr malzdominant und einfältig. Erinnert irgendwie an Cola-Lollis.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #66 erschienen

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