Braucht es ein Handyverbot an Schulen? – Nein …

Nein, es braucht eine sinnvolle Einbindung in den Unterricht!

Bild: iStock.

Vorweg: Ich bin davon überzeugt, dass ein generelles bundesweites gesetzliches Verbot von Mobiltelefonen an Österreichs Schulen keine probate Antwort auf die digitale Herausforderung darstellt. Was ist die Ausgangslage? Im Unterricht sind Mobiltelefone in den meisten Schulen verboten. Es gibt auch Schulen, in denen vereinbart ist, dass die Smartphones den ganzen Tag oder aber nur während des Unterrichts ausgeschaltet bleiben müssen. 

Umgekehrt wird mancherorts das Smartphone bereits in den Unterricht integriert. Wann und in welchem Rahmen mobile Endgeräte an Schulen verwendet werden dürfen, kann in Österreich aktuell per Hausordnung bestimmt werden. Über diese stimmen Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen im Schulgemeinschaftsausschuss oder Schulforum ab. Damit sind alle AkteurInnen direkt in die Regelungen schulpartnerschaftlich einbezogen. Dies halte ich für wichtig und richtig, schließlich müssen diese AkteurInnen die getroffene Regelung auch mittragen und umsetzen.

Ein bundesweites Verbot geht meiner Meinung nach überdies an der Lebenswirklichkeit von SchülerInnen vorbei. Laut aktuellen Studien besitzen 97 % der Jugendlichen in Österreich zwischen 12 und 19 Jahren ein eigenes Smartphone, 81 % dieser Jugendlichen benutzen dieses für den Zugang zum Internet. Ob wir wollen oder nicht: Das Smartphone ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat sich nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch zur Informationsbeschaffung etabliert. 

Heinz Faßmann, geboren in Düsseldorf, ist seit Jänner 2018 parteiloser, von der ÖVP nominierter Minister für Bildung, Wissenschaft und Forschung; Universitätsprofessor der Universität Wien für Angewandte Geographie, Raumforschung und Raumordnung.

Zwischen totaler Abstinenz und völligem Laisser-faire brauchen wir aber einen vernünftigen Mittelweg. Ich plädiere daher für eine sinnvolle Einbindung in den Unterricht, etwa für Recherchezwecke oder durch gemeinsame Nutzung guter Applikationen. Dies kann für die Medienkompetenz der jungen Menschen sehr hilfreich sein.

 Darüber hinaus muss man zur Kenntnis nehmen, dass man für fast alle Berufe digitale Kompetenzen benötigt, und dazu gehört weit mehr, als mit dem Smartphone Fotos zu machen oder Spiele online zu spielen. Aber: SchülerInnen sollten auch lernen, den Gebrauch des Handys zu dosieren und kommunikative Prioritäten richtig zu setzen. 

Das Abschalten oder das Nichtbeachten des Handys kann auch Freiheit und nicht Einschränkung bedeuten. Wer dauernd erreichbar ist, der verliert auch etwas von der individuellen Selbstbestimmtheit, auf die man großen Wert legen sollte. Junge Menschen sollen also bewusst und kritisch mit digitalen Medien und Technologien umgehen können und diese beherrschen und nicht von ihnen beherrscht werden. Das ist mein Credo. 

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #58 erschienen

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