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Open Science: Befrei deine verlorenen Seminararbeiten

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„Open Science“ is great. So stellst du deine verlorenen Seminararbeiten im Netz zur Verfügung. Bild: Martin Clavey, CC-BY-SA

Für was könnte man das WWW wohl besser nützen, als um Wissen zu teilen? Im Rahmen des Tages zur Befreiung verlorener Seminararbeiten ruft die Open Knowledge Plattform Austria zu mehr digitaler Vernetzung im Wissenschaftsbereich auf.

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Wie schnell Wissen im Kollektiv wachsen kann, hat die explosionsartige Entwicklung der Mit-Mach-Enzyklopädie Wikipedia bewiesen. Im Wissenschaftssektor hinkt der Knowledge-Transfer aber mächtig nach. Gerade universitäre Forschungseinrichtungen sind oft gar nicht und wenn, nur mittelalterlich vernetzt. Dabei bewerten 67,9% der befragten österreichischen Wissenschafter das Thema „Open Access“ als „wichtig“ bis „sehr wichtig“ für ihre Arbeit. Open Knowledge Austria zeigt, wie das künftig besser funktionieren könnte.

Der Multi-Step-Flow zur Befreiung deiner Seminararbeit

Wer das mühevoll angehäufte Wissen eines ganzen Studienlebens nicht auf Festplatten verstauben lassen will, kann gewonnene Erkenntnisse relativ einfach in offene Dateiformate konvertieren, mit Metadaten zur Urheberschaft versehen und in bestimmten Open Data Repositories der Masse zugänglich machen. Damit das Wissen in den Weiten des WWW auffindbar bleibt, zeigen die Open Data Spezialisten, welche Verbreitungswege Sinn machen.

Step 1: Wissenschaftliche Arbeiten in freie Dateiformate umwandeln

PDFs haben im Open Science Pool nichts verloren. Deine Forschungsergebnisse sind zwar wichtig, aber nicht in Stein gemeißelt. Durch das Konvertieren ins ODT Dateiformat stellst du sicher, dass auch andere Wissenschafter deine Erkenntnisse verwerten können. Das Ganze in einen schönen Rahmen bringen, kannst du zum Beispiel mit Libre Office.

Step 2: Dateien mit einer freien Lizenz kennzeichnen

Creative Commons bietet verschiedene Lizenzbausteine, die sich für die Open-Science-Idee eignen. Je nach „Freiheitsgrad“ deiner Arbeit kannst du dich für eine Creative Commons Namensnennung (CC by), die Creative Commons Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen (CC by-SA) oder die Creative Commons Zero (CC0) entscheiden. Der Creative Commons License Chooser hilft dir bei der richtigen Wahl.

Um dein Baby zu benennen, gibst du am Ende des Werkes und noch vor den Referenzen folgenden Volltext an: „Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.“ Am besten erstellst du zusätzlich eine eigene Unterüberschrift mit Titel „Urheberrecht“ und fügst das CC by Logo hinzu.

Achtung: Fremde Inhalte wie Bilder, Grafiken oder Tabellen müssen ebenfalls allesamt als Creative Commons gekennzeichnet sein. Im Text muss dabei jeweils stehen: „TITLE by AUTHOR (LICENCE)“. Hast du in deiner Arbeit Material verwendet, das nicht zur freien Verwertung bestimmt ist, so müssen die Inhalte weggelassen oder ausgetauscht werden. Alternativen für Bilder liefern beispielsweise Google Images, die mit den Nutzungsrechten „zur Wiederverwendung und Veränderung“ benannt sind.

Step 3: Forschungsergebnisse in ein offenes Repository laden

Ein Open Repository ist ein frei zugänglicher Datenpool, der verschiedenste Uploads sammelt und zur öffentlichen Verfügung stellt. Zenodo etwa ist ein allgemeines Repository für wissenschaftliche Werke und deine erste Anlaufstelle. Zusätzlich solltest du dich aber umhören, welche Repositorien in deiner eigenen wissenschaftlichen Community beliebt sind. Wichtig: Beim Hochladen deiner Arbeit musst du eine Reihe von Metadaten angeben, die für die Auffindbarkeit deiner Inhalte im Netz verantwortlich sind. Hierzu solltest du dir genügend Zeit nehmen.

Step 4: Seminararbeiten verbreiten #wissenbefreien

Wissen ist erst so richtig glücklich, wenn es auf andere Menschen trifft. Soll heißen: Es reicht nicht, deine Forschungsergebnisse lediglich ins Netz zu laden. Vielmehr musst du dich nach den richtigen Verbreitungsplattformen umsehen. WordPress, Slideshare, Twitter oder Youtube fördern die generelle Sichtbarkeit deiner Inhalte. Sogenannte Opinion-Leader deines Fachbereichs ausfindig zu machen, hat aber meist die größte Wirkung. Im besten Falle sorgen die Forscher dafür, dass deine Arbeit weiterkommuniziert und kommentiert wird. Deshalb den Link zur Arbeit am besten mit aussagekräftigen #Hashtags versehen und fleißig teilen.

Was nicht schadet: Seminar-, Bachelor- oder auch Masterarbeit im österreichischen Open Data Portal eintragen, um andere Wissenschafter auf die Existenz der Inhalte aufmerksam zu machen.

Open Science – wofür überhaupt?

Open Science ist Teil der Open Knowledge Idee, die davon ausgeht, dass eine Demokratie nur von mündigen Bürgern leben kann. Mündigkeit setzt uneingeschränkten Zugang zu Wissen voraus: Informationsfreiheit ist also gleich offenes Wissen, ist offene Wissenschaft, ist offenes Kulturgut. Oder wie in der Open Definition:

Wissen ist offen, wenn jedeR darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.

Neben der Offenlegung amtlicher Dokumente und Statistiken kann auch die freie Publizierung wissenschaftlicher Prozesse einen gesellschaftlichen Mehrwert liefern. Open Science bedeutet in diesem Zusammenhang, Wissenschaft von der ersten Recherche bis zur finalen Publikation zu öffnen und so die Nachvollziehbarkeit und Effizienz wissenschaftlicher Arbeit zu erhöhen. Resümee? Mehr Teilnahme = mehr Output.

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„Promoting Open Knowledge in a Digital Age“ – das gilt auch für verlorene Seminararbeiten Bild: Daniel Lombraña González, CC SA-BY 2.0

Open Science in Österreich

Die Strategie 2020 des Rates für Forschung und Technologieentwicklung enthält das ambitionierte Ziel bis 2020 alle öffentlichen Forschungsergebnisse in Österreich frei im Internet zugänglich zu machen. So weit, so gut. Dennoch schneidet Österreich 2013 im internationalen Vergleich laut Cap Gemini-Bericht in Sachen Open Data lediglich als „beginner“ ab. Sogenannte Open Access Policies sind zu diesem Zeitpunkt an nur vier österreichischen Universitäten implementiert, die Datenverfügbarkeit ist – auch aufgrund unbefriedigender Datenportal-Usability – oft dürftig.

Neben der salonfähigen Verbreitung der Open-Access-Idee unter Wissenschaftern versucht Open Knowledge Austria auch Studierende in Open Science einzuführen. Am Tag der Befreiung der verlorenen Seminararbeiten zeigten Sonja Fischbauer, Stefan Kasberger und Christopher Kittel an der Uni Wien, wie man eigene Forschungsarbeiten der Öffentlichkeit zugänglich macht.

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Die Open Science Lecture Series ist eine Kooperation zwischen WTZ Ost mit openscienceASAP, Open Knowledge Austria und der Universität Wien. Weitere Infos und Veranstaltungen von Open Knowledge Austria findest du auf dem OKFN-AT Blog.

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