»Paulas Reise«: Eine Familie auf den Spuren des Klimawandels

Wie alles begonnen hat? Mit einem Zwerghuhn namens Emma, das ausgerechnet im Dezember ominöse Eier legte. Nach diesem Schlüsselerlebnis hörte das Fragen in der Familie Steingässer nicht mehr auf: Wie konnte dies in der kalten Jahreszeit passieren? Konnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass sich dieser Winter eher wie Frühling anfühlte? Warum überhaupt war es im Dezember so warm? Gibt es den Klimawandel auch bei uns? Und habe ich was damit zu tun?

© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.
© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.

»Wie ein Huhn uns zu Klimaschützern machte« lautet der Untertitel des Buches »Paulas Reise« (J. Steingässer, Oetinger, ab 10), das eine beeindruckende Weltreise einer sechsköpfigen Familie dokumentiert. Mutter, Vater und vier Kinder sind rund um den Globus unterwegs, um Antworten auf brennende Fragen zu finden: »Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf das Leben der Menschen rund um den Globus? Wo und wie sind sind die Folgen für Mensch und Natur bereits besonders spürbar? Und was kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen, um den Klimawandel aufzuhalten?« Die Reise begann 2012 in Grönland. »Weil sich dort die Auswirkungen von Klimawandel visuell und erzählerisch besonders gut darstellen lassen«, erklärt Steingässer.

© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.
© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.

Nach und nach arbeitete sie mit ihrer Familie relevante Themen heraus – Klimawandel und Biodiversität, Klimawandel und Nahrungssicherheit, Klimawandel und kulturelle Vielfalt – und legte die weiteren Reiseziele fest. So wanderten die sechs etwa zu Fuß über die Alpen, wo Paula merkt, »dass viele Menschen den Klimawandel direkt vor der Nase haben, ihn aber nicht erkennen.« Die Familie bereiste auch Südafrika, wo Wasser zwar Mangelware ist, und dennoch sorglos damit umgegangen wird. In Albanien musste Paula feststellen, dass Abfall außerhalb der Städte gestapelt oder direkt in Flüsse gekippt wird – auch jener aus anderen Ländern, der hier illegal entsorgt wird.

© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.
© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.

Dem Klimawandel im Alltag begegnen

Jedes Jahr sind die Steingässers mehrere Monate unterwegs und kehren nach jeder Etappe nach Hause zurück. Seit drei Jahren versuchen sie, auf Flugreisen zu verzichten: »Wir haben jetzt alle Ziele so gelegt, dass wir sie ohne Flugzeug erreichen können. Unterwegs nutzen wir alle möglichen Fortbewegungsmittel, vom Auto über Busse, Züge, Hundeschlitten, Kamele, Pferde usw.« Aus der Perspektive der zu Beginn der Reise 12jährigen Paula und ihren drei Geschwistern erzählt, schaffen es Jana und Jens Steingässer, Kindern das abstrakte Thema Klimawandel auf einer anschaulichen Ebene näher zu bringen und erklären, wie man ihm im ganz normalen Alltag begegnen kann. Ein eindrucksvolles Beispiel, das man im Buch findet: »Mit dem Auto zum Bäcker fahren – das ist doch ganz normal. Oder? Wenn ein Erwachsener mit einem durchschnittlichen Neuwagen Brötchen um die Ecke holt, ist das so, als würden 137 ausgewachsene Pferde vor eine Kutsche gespannt, um einen Menschen mit einem Beutel Brötchen zu befördern! Eine solche Verschwendung kam noch nicht mal den pompösesten, größenwahnsinnigsten Königen und Kaisern in den Sinn. In Deutschland ist sie heute ganz normaler Alltag.«

© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.
© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.

Reich bebildert gibt der Band faszinierende Einblicke in die Abenteuerreise, Huhn Emma sendet zwischendurch Kurznachrichten aus der Heimat, und auf den letzten Seiten des Buches findet man ein höchst interessantes Interview, das Tochter Paula mit dem norwegischen Schriftsteller Jostein Gaarder geführt hat.

Ein Buch, das Kindern Mut macht

Welche sind die wichtigsten Erkenntnisse, die die Familie während der Reiseetappen gewonnen haben? »Dass Klimawandel durch die Komplexität des Phänomens, durch die räumliche und zeitliche Verschiebung von Ursache und Wirkung, die größte Herausforderung der Menschheit ist. Es werden große kulturelle, politische und wirtschaftliche Veränderungen nötig sein, damit wir unseren Kindern einen einigermaßen lebenswerten Planeten hinterlassen. Die Verantwortlichen sind viel zu träge. Es braucht Menschen mit Träumen und Ideen, die sich nach vorne trauen. Kinder und Jugendliche mit Mut.«

© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.
© Steingässer/Steingässer: Paulas Reise. Oetinger 2019.

Jana Steingässer studierte Ethnologie und Soziologie in Frankfurt und Indigenous Studies in Perth. Bis heute hat sie ein großes Idol: Pippi Langstrumpf. Deshalb findet sie auch, dass wir uns alle trauen dürfen, ein bisschen mehr wie Pippi zu sein. Mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt die Autorin in ihrer eigenen kleinen Villa Kunterbunt samt Mini-Zoo mit Hühnern, Katzen, Hunden, Schildkröten und Pferden.

Die Ideen zu ihren Büchern kommen ihr entweder auf Reisen oder in ihrem windschiefen, doppelstöckigen Baumhaus im Garten, in das sie sich gerne zum Schreiben zurückzieht. Im Blog 8° Ost – Klima- und Wetterthemen rund um den 8. Längengrad kann mehr zu Jana Steingässers aktuellen Reportagereisen zu Klima- und Wetterthemen für das Klimahaus Bremerhaven nach Samoa und Tokelau gelesen werden.

Natürlich nachhaltig gedruckt

Das Buch »Paulas Reise« selbst leistet übrigens auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit: Es wurde nach dem C2C-Prinzip (Cradle to Cradle) hergestellt. Es ist zur Gänze biologisch abbaubar und hinterlässt keinerlei giftige Rückstände.

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