„Käse“ auf Cashewbasis – schmeckt das der BIORAMA-Redaktion?

Veganer „Camembert“ auf Cashew-Basis? Kaum ein tierisches Produkt, das nicht bereits pflanzenbasierte Nachahmung findet. Nach pflanzlicher „Milch“, veganem „Steak“ gibt es vor allem im veganen „Käse“-Sortiment Neuerungen. Ob das Edelschimmel-Experiment gelungen ist, hat eine BIORAMA-Testverkostung erkundet.

Die Firma Happy Cheeze, angesiedelt in Cuxhaven in Niedersachsen, stellt „Käse“ aus Cashewkernen und veganen Fermentationskulturen her. Sonst enthalten ihre Produkte nur Salz, Gewürze und Kräuter. Damit stehen sie vielen anderen Käsealternativen gegenüber, die großteils aus Soja, Ölen und Bindemitteln bestehen. Vor allem Allergiker und Gesundheitsbewusste werden von Happy Cheeze also glücklich gemacht.

Asche, Klee und Chakalake
Zuerst begegnete der BIORAMA-Redaktion der Cashew-Camembert auf der BioFach-Messe in Nürnberg. Auf Anfrage wurden Proben der Happy-Cheeze-Käsesorten geliefert, um sich dem Test der – teilweise vegan lebenden – Redaktion zu unterziehen.

Das Sortiment von Happy Cheeze umfasst Frischkäse, Parmesan, Camembert, eine Art gereiften Käse in Radform, und sogar drei Sorten Cheesecake. Optisch machen vor allem die gereiften Sorten viel her. Sie sind mit Kräutern, Gewürzen oder, sehr spannend, mit Asche ummantelt. Der „Camembert“ sieht tatsächlich aus wie das Original aus Kuhmilch, auch das Äußere von Frischkäse und „Parvesan“ überzeugen.

Beim Auspacken wird klar, dass vor allem die gereiften Käsesorten zwar optisch auf eine sehr feine vegane Käseplatte passen, wirklich schnittfest sind sie aber nicht. „Die Konsistenz gleicht einem festen Topfenaufstrich“, urteilt eine Testesserin. Einzig den Camembert könnte man tatsächlich mit den Fingern essen und in Scheiben aufs Brot legen, die restlichen Sorten haben eher Streichkonsistenz.

Die Meinung der Redaktion zum Parvesan: „Cashwes mit Glutamat-Geschmack, aber geil.“ (Foto: Happy Cheeze)

Der Geschmackstest
Geschmacklich finden besonders der geräucherte “Chorizo” und die Kräutervarianten bei der Redaktion Anklang. Der Asche-Käse schmeckt leider recht unspektakulär für sein vielversprechendes Äußeres, seine Konsistenz gleicht allerdings dem von Ziegenfrischkäse. Die Veganerinnen der Redaktion fanden einige Sorten sogar zu „milchig“ im Geschmack. Das spannendste Experiment, nämlich der mit Schimmel veredelte Camembert, schmeckt vor allem „nussig und mit etwas Fantasie wie milder Camembert“, wie ein Testesser anmerkt.

Der vegane Parmesan aus Nährhefeflocken und Cashews sieht aus wie vorgeraspelter “normaler” Parmesan und schmeckt auch im ersten Moment sehr ähnlich. Nicht-Veganer der Redaktion bemängelten allerdings „einen starken Glutamat-Geschmack.“ Die Cheesecakes sind mit Agavendicksaft gesüßt und wie das restliche Sortiment glutenfrei. Geschmacklich haben sie das, was vielen veganen Käsekuchen fehlt: Den gereiften, säuerlichen Frischkäsegeschmack. Allerdings haben sie, wie alle anderen Happy-Cheeze-Produkte, ein Problem mit der Haltbarkeit.

Der „Edle“ Camembert. (Foto: Happy Cheeze)

Schimmel oder Edelschimmel?
Happy-Cheeze-Käse enthält keinerlei Konservierungsstoffe, damit sinkt natürlich die Länge der Haltbarkeit. Von anderen veganen Käseprodukten ist man das allerdings kaum gewohnt –manch veganen Schnittkäse kann man wochenlang offen im Kühlschrank liegen lassen, ohne, dass er schimmelt. Der “Klassik”-Frischkäse von Happy Cheeze war leider bereits bei seiner Ankunft verdorben. Das ist schade, kann aber an der Lieferzeit liegen.

Den Camembert haben wir nach dem ersten Kosten ein paar Tage eingepackt im Kühlschrank gelassen und uns damit sträflich nicht an die Anweisungen für die Aufbewahrung gehalten. Nach zwei Tagen war der Käse von blauen und schwarzen Flecken übersät. Den köstlichen Cheesecake sollte man trotz seiner Reichhaltigkeit innerhalb weniger Tage aufessen, auch das haben wir nicht geschafft. Ob das jetzt für oder gegen das Fehlen von Konservierungsstoffen spricht, muss jeder für sich entscheiden.

Woher kommen die Bio-Cashews?
Die Zutaten für den veganen Käse sind alle biozertifiziert. Die Cashewkerne stammen aus Vietnam, dem weltweit größten Cashew-Exporteur, der leider nicht für seine fairen Arbeitsbedingungen unter Cashew-Bauern bekannt ist. Das soll sich allerdings laut Happy Cheeze in Zukunft ändern. Geplant ist eine Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und Biobauern in Westafrika. Dann sind Happy Cheeze-Produkte nicht nur bio, sondern unterstützen auch den aufkeimenden Cashew-Markt in anderen Ländern. „Fairtrade“-zertifiziert sind sie dann allerdings trotzdem noch nicht.

Das Fazit zum Cashew-Käse: „Nicht wie echter Käse, aber wenn man keinen Käse isst, dann eine Art Frischkäse-Erlebnis, das einem Veganes sonst nicht bieten kann. Gut gewürzt, vom Eigengeschmack her aber eher zu wenig spannend.“ (Foto: Carola Wimmer)

Unser Fazit
Im Allgemeinen kommt jede Happy-Cheeze-Sorte auch bei Nicht-Veganern gut an. Wirklich wie Käse schmeckt Happy Cheeze nicht, das hat aber bis jetzt noch kein “Väse” geschafft, finden auch die Veganerinnen der Redaktion. Als Alternative für Frischkäse bietet er allerdings Menschen, die keinen Käse auf Milchbasis essen, durchaus ein Geschmackserlebnis. „Nix davon schmeckt für mich wie Käse, aber alle Frischkäseersatz-Sorten halte ich für einen würdigen Brotaufstrich“, resümmierte ein Testesser. Alles in allem dürfen sich Veganer freuen, dass ihr Käseregal um einige leckere Produkte mit größtenteils vorbildlicher Zutatenliste reicher geworden ist.

VORGESCHLAGENE ARTIKEL DER REDAKTION