Gustostückerl per Abo

Wie die Primeln im Frühling sprießen auch die Kistenabos in Österreich aus dem Boden. Spätestens seit den letzten Jahren muss man nicht mehr zum Bauernmarkt eilen, wenn man eine Alternative zum Supermarkt-Biogemüse oder -obst sucht. Bequem per Internetabo werden große oder kleine Kisten in den verschiedensten Ausführungen nach Hause geliefert. Der Neuzugang, Onlineaboservice Feinkostkistl.at, möchte der Abofamilie ein neues Segment hinzufügen und packt Spezialitäten und Leckerbissen aus Österreich in sein Kistl. Wir haben den Feinkostkistl-Betreiber Johannes Wirthensohn interviewt.

 

BIORAMA: Biokistl und Ökokisten sind ein Klassiker, den sich immer mehr Konsumenten nach Haus liefern lassen. Wie kamen Sie auf die Idee, einen speziellen „Feinkostkistl„-Lieferservice anzubieten?

Johannes Wirthensohn: Ursprünglich wollte ich mit Vorarlberger Partnern ein Spezialitätengeschäft in Wien eröffnen. Da sich die Suche nach einem passenden Standort als schwierig gestaltete, kamen vor rund einem halben Jahr Überlegungen auf, wie man die Produkte auch ohne einen Standort mit kostspieliger Miete und hoher Kundenfrequenz an die Leute bringt. In Anlehnung an das Konzept der Vertreiber von Gemüse und Obst Abo-Kisten entstand dann das jetzt vorliegende Konzept vom Feinkostkistl.

Deklarierterweise stammen „nicht alle” Produkte, die man sich im Feinkostkistl nach Hause liefern lassen kann, aus biozertifizierter Herkunft. In dem von uns zu Testzwecken gekauften Kistl waren mehr als die Hälfte der gelieferten Spezialitäten nicht als biologisch erkennbar. Warum ist Bio für Sie kein Muss? Ist es so schwer, regionale Bauern und Produzenten zu finden, die auch biologisch wirtschaften?

Es wäre unter gewissen Einschränkungen machbar, ist aber nicht unser oberstes Ziel. Bei unserer Produktauswahl spielen andere Faktoren wie beispielsweise Originalität, Größe des Produktionsbetriebes, persönlicher Kontakt zum Produzenten und natürlich der Geschmack die wichtigere Rolle. Wie ernst uns aber das Thema ökologische, biodiverse und naturnahe Produktion ist, wird dem Konsumenten spätestens beim Lesen der von uns beigelegten Produktinformationen klar.

In unserem Testkistl war eingemachter Kürbissalat, ein Glas Kirschmarmelade, ein Glas Leberaufstrich vom Steppenrind, ein Glas Pesto, eine Flasche Apfelsaft, eine dicke Scheibe Bergkäse und abgepackte Bio-Kräutersalami. Ist Saisonalität für ein Feinkostkistl ein Thema?

In Österreich sind nicht alle Produkt jederzeit herstellbar und das wird bei der Zusammenstellung der Kisten natürlich berücksichtigt. Es kann und soll nicht immer alles verfügbar sein, da spielt auch die Vorfreude auf saisonale Ware eine Rolle. Und letztlich ist es auch wichtig, dass keine Konservierungsmittel in den Produkten enthalten sind.

Die Biokistl liefern mittlerweile längst nicht mehr ausschließlich Obst und Gemüse, sondern fungieren als mobiler Komplettanbieter. Wie sehen Sie sich gegenüber den anderen Kistl-Angebietern?

Wir unterscheiden uns in erster Linie durch den Kistlinhalt und in Folge auch durch den Preis. Unsere Produkte sind ausgewählte, hochqualitative, rein österreichische Spezialitäten. Wir überraschen die Leute gerne mit neuen, innovativen Kreationen, aber auch mit Spezialitäten, die über die Jahre in Vergessenheit geraten sind, weil sie beispielsweise nicht gewinnbringend vermarktet werden konnten. Wir liefern keine frischen Waren (Gemüse, Obst, Brot, etc.) und möchten auch nicht als Komplettanbieter gesehen werden.

Der Inhalt des Feinkostkistls sind hochwertige landwirtschaftliche Produkte und Delikatessen aus Österreich. Sehen Sie sich als Anbieter im Luxussegment?

Ja, wir sehen uns als qualitativ hochwertigen Dienstleister. Zum Luxus im Sinne von kostspielig wird unser Service bei wöchentlicher Zustellung. Die meisten unserer Kunden sehen das Kistl als etwas, das man sich ein, oder zweimal im Monat gönnt – es ist und soll was Besonderes sein.

Derzeit beliefern Sie einen Teil des Wiener Stadtgebiets. Nicht geliefert wird nach Transdanubien, in den 11. Bezirk sowie in Teile der Bezirke 10, 12, 13 und 14. Wie lässt sich das erklären?

Hauszustellung ist ein heikles Thema, da können viele Fehler passieren. Um eine reibungslos funktionierende Zustellung zu garantieren, machen wir sie selbst. Damit das nicht gleich am Beginn zu zeitintensiv wird, haben wir uns für diese Einschränkungen entschieden. Wenn das Zustellnetz engmaschiger wird, ist eine Ausdehnung sehr wahrscheinlich. Grundsätzlich kann jeder Interessent anfragen, ob eine Zustellung in die nicht gekennzeichneten Gebiete Wiens möglich ist.

Wie kann man sich die Logistik hinter dem Feinkostkistl vorstellen? Wie nachhaltig ist beispielsweise die Zustellung?

Ursprünglich wollten wir mit einem gasbetriebenen Fahrzeug zustellen, nicht zuletzt auch wegen der attraktiven Förderung durch die Stadt Wien. Leider sind derzeit keine Fahrzeuge mit aktiver Kühlung und Gasbetrieb erhältlich. Mittelfristig wünschen wir uns ein Elektrofahrzeug. Da wir keine große Reichweite benötigen, sollte das machbar sein.

Viele der gelieferten Waren sind sehr lange haltbar. Inwiefern zahlt sich da ein wöchentliches Abo für den Durchschnittskonsumenten aus, wenn nach einer Woche ein guter Teil der Waren noch nicht aufgegessen ist?

Man wählt zwar bei Bestellung einen bestimmten Lieferrhythmus, kann aber jederzeit auf einen anderen Rhythmus umstellen. Zweiwöchentlich und monatlich kommt am besten an. Da wir hier immer von einem Abo sprechen: Der Kunde bestellt zunächst mal ein Kistl. Die erste Lieferung kostet 34,90 Euro für das Standard Kistl (danach 39,90 Euro). Nach rund zwei Wochen fragen wir nach, ob weitere Zustellungen gewünscht sind. Und auch dann ist das Abo jederzeit ohne Kündigungsfrist und ohne Unterschrift kündbar.

Laut Ihrer Website können Abonnenten gewisse Produkte auch ausschließen, maximale Flexibilität bei der Zusammenstellung des Feinkostkistl-Inhalts ist allerdings nicht möglich. Was, wenn ich laktoseintolerant bin oder selbst Marmelade einkoche und deswegen keine kaufen möchte?

Die von Ihnen genannten Beispiele können wir problemlos berücksichtigen. Schwierig wird es, wenn ein Kunde beispielsweise drei von den sechs Kategorien ausschließen möchte. Aber das Problem hatten wir noch nie. Es funktioniert im Prinzip ähnlich wie bei den Gemüse und Obst Zustellern. Auch dort können Sie nicht die Hälfte aller angebotenen Arten von der Zustellung ausschließen.

www.feinkostkistl.at 

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